Avolta-Aktie im Hoch – aber wie lange noch?

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VZ Analyse

Dieses Jahr ist der Aktienkurs von Avolta um über 31  Prozent gestiegen – obschon der Duty-Free-Händler wegen des Alkohol- und Tabakverkaufs von ESG-Fonds oft gemieden wird. Wo die Chancen und Risiken für Anleger liegen.

29. Dez. 2025

Beschreibung

Avolta ist 2023 aus der Fusion von Dufry mit dem Raststättenbetreiber Autogrill hervorgegangen. Das Unternehmen betreibt weltweit ein umfangreiches Netzwerk an Duty‑free‑ und Duty‑paid‑Shops an Flughäfen, Kreuzfahrtterminals, Bahnhöfen und weiteren Verkehrsknotenpunkten. 

Ergänzt wird dieses Angebot durch zahlreiche Gastronomie‑, Convenience‑ und Spezialkonzepte, die Reisenden ein umfassendes Einkaufs‑ und Serviceerlebnis bieten. Insgesamt ist Avolta an über 1000 Standorten in mehr als 70 Ländern präsent.

Das Konzept zeigt Wirkung: Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs von Avolta um mehr als 31 Prozent gestiegen – fast doppelt so stark wie der Swiss Performance Index. Diese Entwicklung ist besonders bemerkenswert, weil Avolta aufgrund seiner internationalen Ausrichtung stark von der Aufwertung des Frankens betroffen ist. 

Das Unternehmen profitiert von der globalen Erholung der Reiseaktivität auf das Niveau von vor der Covid‑19‑Pandemie. In diesem Umfeld konnte Avolta den Umsatz und die Gewinnmarge in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigern. Die Dividendenrendite liegt derzeit bei rund 2 Prozent. Das erwartete Kurs‑Gewinn‑Verhältnis (KGV) beträgt 17 und liegt damit unter dem Durchschnitt des SPI von 19.

Grosse Abhängigkeit von Alkohol und Tabak als Risiko

Der margenstarke Verkauf von Alkohol und Tabak trägt bis zu 20 Prozent zum Umsatz von Avolta bei. Das widerspricht den Wertvorstellungen vieler Anleger und kann ein erhebliches ESG-Risiko darstellen. Aus diesem Grund schliessen ESG-Fonds die Avolta-Aktie in der Regel aus. Für Investoren, die grundsätzlich keine Rendite mit Unternehmen, die mit Alkohol oder Tabak zu tun haben, erzielen möchten, ist Avolta ebenfalls ungeeignet.

Doch auch rein performance-orientierte Anleger sollten die starke Abhängigkeit von diesen Produktkategorien kritisch betrachten. Der Konsum von Tabak und Alkohol nimmt insbesondere in westlichen Ländern kontinuierlich ab. So ist beispielsweise in Grossbritannien der Alkoholkonsum auf den tiefsten je erzielten Stand gefallen.

 Avolta reagiert darauf, indem das Unternehmen verstärkt in Märkten expandiert, in denen der Anteil der Raucher deutlich höher ist. So hat Avolta vergangene Woche eine bedeutende Konzession am Flughafen Shanghai Pudong erworben. Während steigende Abgaben auf Alkohol und Tabak für die meisten Detailhändler ein materielles Risiko darstellen, bildet Avolta eine Ausnahme. 

Dank der Positionierung im Zollfreibereich kann das Unternehmen kurzfristig sogar von höheren Abgaben profitieren, da dies Spielraum für höhere Margen schafft. Langfristig dürften steigende Abgaben jedoch auch Avolta belasten – insbesondere dann, wenn sie zu einem weiteren Rückgang des Tabak- und Alkoholkonsums führen.

Insgesamt verfügt Avolta über ein gutes ESG Risikoprofil. Das bedeutet, dass die finanziellen ESG Risiken im Vergleich zu anderen Detailhandelsunternehmen insgesamt geringer ausfallen. Besonders positiv bewertet werden der Umgang mit Kundendaten sowie die Lebensmittelsicherheit bei den Raststätten. Zudem hat Avolta Massnahmen eingeleitet, um die CO₂ Emissionen der verkauften Produkte zu reduzieren. Ein bedeutendes Risiko bleibt jedoch die hohe jährliche Mitarbeiterfluktuation. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 77’000 Mitarbeitende, was die Bedeutung dieses Themas zusätzlich unterstreicht.

Fazit

Avolta erschliesst gezielt neue Märkte und ist gut positioniert, vom weiteren Wachstum der Reiseindustrie zu profitieren. Trotz aller Bemühungen zur Diversifikation bleibt das Unternehmen jedoch stark vom Duty‑free‑Geschäft abhängig. Eine konjunkturelle Abschwächung oder ein erneuter Rückgang des Reiseverhaltens könnten daher den Aktienkurs belasten. Im Hinblick auf ESG‑Risiken ist Avolta solide aufgestellt. Das Kurs‑Gewinn‑Verhältnis von 17 bewegt sich im üblichen Rahmen für ein Detailhandelsunternehmen.