VZ Analyse
Schwellenländer zählen 2025 zu den Gewinnern an den Finanzmärkten. Im Vergleich zu den Industrieländern handeln sie weiterhin mit einem Bewertungsabschlag – auch wenn die Risiken nicht zu vernachlässigen sind.
Publiziert 3. Dez. 2025
Beschreibung
In den vergangenen Jahren spielten Schwellenländer als Anlagethema kaum eine Rolle. Die Aufmerksamkeit der Investoren richtete sich vor allem auf die USA mit ihrem dynamischen Technologiesektor. 2025 gehören die Emerging Markets (EM) jedoch zu den klaren Gewinnern: Seit Jahresbeginn legte der MSCI Emerging Markets in Franken gerechnet rund 15 Prozent zu.
Viele ETF nutzen diesen Index als Benchmark für Schwellenländer-Strategien. Damit übertrifft er den globalen Aktienmarkt deutlich: Der MSCI World verzeichnet im gleichen Zeitraum lediglich ein Plus von etwa 7 Prozent. Eine Outperformance des Weltmarktes gelang den Emerging Markets zuletzt im Jahr 2020.
Zu den Schwellenländer werden Staaten gezählt, die wirtschaftlich zwischen Entwicklungs- und Industrieländern stehen und durch dynamisches Wachstum, strukturellen Wandel und zunehmende Integration in die Weltwirtschaft gekennzeichnet sind.
Faktoren des Aufschwungs
Die jüngste Stärke der Schwellenländer lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Viele grosse EM-Volkswirtschaften verfügen heute über stabilere makroökonomische Rahmenbedingungen, solidere Haushalte und eine moderatere Inflation als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig hat der schwächere US-Dollar im Jahresverlauf 2025 die Attraktivität von EM-Anlagen erhöht, da er die Finanzierungsbedingungen für viele Länder verbessert und Kapitalzuflüsse begünstigt. Hinzu kommt die Erwartung sinkender US-Leitzinsen, die traditionell positiv auf risikoreichere Anlageklassen wie EM-Aktien wirkt.
Auch strukturelle Trends unterstützen den Aufschwung: In zahlreichen Schwellenländern entwickeln sich Technologie, Konsum und Infrastrukturinvestitionen immer stärker zu eigenständigen Wachstumsmotoren.
Veränderte Zusammensetzung der Emerging Markets
Dies führte in den vergangenen Jahren zu einer spürbaren Verschiebung innerhalb des MSCI Emerging Markets. Er unterscheidet sich heute deutlich von früheren Zeiten. Als MSCI 1988 den ersten Schwellenländerindex lancierte, umfasste dieser nur zehn Länder. Zu den damals "aufstrebenden Märkten" zählten unter anderem Argentinien, Brasilien oder Chile.
Heute listet MSCI 24 Länder – von Brasilien bis zu den Vereinigten Arabischen Emiraten. Während der Index früher regional ausgeglichener war, dominieren inzwischen klar die asiatischen Volkswirtschaften: 2010 machten sie rund 60 Prozent des MSCI EM aus und inzwischen sind es etwa 80 Prozent. Lateinamerika ist auf rund 8 Prozent geschrumpft.
Der wichtigste EM-Index wird heute von China, Südkorea und Taiwan geprägt – Länder, die ökonomisch zu den Industriestaaten aufgeschlossen haben und Heimat zahlreicher Weltmarktführer sind. Zusammen vereinen sie über 60 Prozent des Indexgewichts auf sich.
Auch die Branchenzusammensetzung hat sich stark verändert. War der Index früher vor allem durch Rohstoffe geprägt, ähnelt seine Struktur heute stark der der Industrieländer. Der Finanzsektor hält einen stabilen Anteil, während IT, Kommunikation und zyklischer Konsum – inklusive E-Commerce – stark an Bedeutung gewonnen haben. Dadurch sind die Schwellenländer heute in der Lage, aktiv am globalen Technologie- und KI-Boom teilzunehmen, was wesentlich zu ihrer jüngsten Stärke beiträgt.
Bewertungsabschlag im Vergleich zur Welt
Der letzte Hype um Schwellenländer fand während der Finanzkrise 2007/2008 statt, als Anleger aus Angst vor Zahlungsausfällen in Industriestaaten vermehrt in EM investierten. Auf dem Höhepunkt der Euphorie waren Schwellenländer im Schnitt teurer als Unternehmen des MSCI World. Seit 2012 handelt der EM-Index wieder mit einem deutlichen Bewertungsabschlag. Im Vergleich zu den Industrieländern sind Schwellenländer aktuell günstig bewertet. Gegenüber der eigenen Geschichte liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aber leicht über dem 15-Jahres-Durchschnitt von 14.
Risiko erklärt höhere Renditeerwartungen
Trotz ihrer attraktiven Wachstumschancen sind Investitionen in Schwellenländern mit spezifischen Risiken verbunden, die über jene der Industrieländer hinausgehen. Ein zentrales Risiko bleibt die politische Unsicherheit: In vielen EM-Staaten können Regierungswechsel, geopolitische Spannungen oder staatliche Eingriffe in einzelne Branchen zu abrupten Marktbewegungen führen. Besonders Eingriffe in Technologie-, Finanz- oder Rohstoffsektoren haben in den vergangenen Jahren wiederholt zu starken Kursschwankungen geführt.
Auch Währungsrisiken stellen eine bedeutende Herausforderung dar. Viele EM-Währungen weisen eine hohe Volatilität auf und reagieren empfindlich auf globale Kapitalströme. Steigende US-Zinsen können Abwertungsdruck erzeugen und die lokale Kaufkraft der Anleger mindern. Ein schwächerer US-Dollar kann zwar kurzfristig Unterstützung bieten, doch die Abhängigkeit von globalen Finanzierungsbedingungen bleibt ein strukturelles Risiko.
Hinzu kommt die starke Abhängigkeit von globalen Konjunkturtrends. Viele EM-Staaten sind eng in weltweite Lieferketten eingebunden oder auf Rohstoffexporte angewiesen. Abschwächungen in den USA oder Europa können die Nachfrage nach EM-Gütern deutlich reduzieren und damit Wachstum sowie Unternehmensgewinne belasten.
All diese Risiken erklären, weshalb für Investitionen in Schwellenländer eine höhere Rendite erwartet wird.
Wer heute in einen ETF auf Schwellenländer investiert, kauft vor allem asiatische Konzerne. Der Asien-Bias muss jedoch nicht nachteilig sein: China gehört 2025 zu den grossen Überraschungen und reagiert bislang resilient auf US-Zolldrohungen. Die Bewertung von Schwellenländer-Aktien liegt zwar über dem langjährigen Durchschnitt, jedoch nicht so stark wie jene der Industriestaaten. Rund um das Thema künstliche Intelligenz verfügen auch die asiatischen Technologie-Titel über Innovationskraft und Potenzial. Schwellenländer bleiben daher eine Anlageklasse, die sowohl Chancen als auch erhöhte Risiken birgt – eher eine "Schönwetteranlage" als ein stabiler Hafen.
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