Apple vor dem Machtwechsel: Bilanz und Ausblick

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Tim Cook gibt nach 15 Jahren die Führung von Apple ab. Unter ihm wuchs der Konzern zur Börsenmacht und zum Effizienzvorbild. Mit John Ternus beginnt nun eine neue Phase.

Publiziert 30. Apr 2026

Autor

Christian Huber

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

EInmal mehr kann der Tech-Gigant Apple mit seinen Quartalszahlen überzeugen. In den ersten drei Monaten des Jahres übertraf der Konzern mit fast allen Eckdaten die Erwartungen der Analysten: Der Umsatz lag bei 111,2 Milliarden Dollar, erwartet wurden 109,7 Milliarden. Der Gewinn pro Aktie betrug 2.01 Dollar, prognostiziert wurden 1.95 Dollar. Einzig das Geschäft mit iPhones fiel leicht enttäuschend aus. Die erwarteten 57,2 Milliarden Dollar Umsatz in diesem Bereich wurden leicht untertroffen. Dennoch gab die Aktie nachbörslich leicht nach.  

Mit diesen Zahlen krönte sich CEO Tim Cook einmal mehr zum Apple-König – auch wenn lange und prägende Amtszeit bald endet. Cook kündigte kürzlich an, Anfang September als CEO zurückzutreten und in den Verwaltungsrat zu wechseln. Seine Nachfolge übernimmt John Ternus, bisher verantwortlich für Apples Hardware.

Als Cook 2011 auf Steve Jobs folgte, war die Skepsis gross. Viele trauten ihm nicht zu, die Rolle des visionären Firmengründers auszufüllen. Cook selbst stellte früh klar, dass ein zweiter Steve Jobs nicht existiert. Statt auf Visionen setzte er auf Lieferkettenoptimierung und operative Exzellenz – und das mit Erfolg.

Die Börse als Gradmesser

Der Erfolg dieser Strategie zeigt sich vor allem am Aktienkurs. Seit Cooks Amtsantritt legte die Apple Aktie um mehr als 2200 Prozent zu. Mit diesem Aufschwung ist Apple zu einem 4 Billionen Dollar schweren Unternehmen und damit zum drittgrössten börsenkotierten Unternehmen weltweit geworden. Im gleichen Zeitraum kam der breite S&P 500 Index auf rund 680 Prozent. Kaum ein anderes Unternehmen schlug den Markt über so viele Jahre so deutlich wie Apple.


Apple als Margenmaschine

Ein zentraler Grund für diese Entwicklung ist die aussergewöhnliche Profitabilität des Konzerns. Apple arbeitet effizienter als fast jeder Konkurrent. Im Jahr 2025 lag die Nettomarge bei rund 27 Prozent. Zum Vergleich: Samsung kam im selben Zeitraum auf etwa 13 Prozent.


Dieser Unterschied zeigt, wie konsequent Apple seine Produkte positioniert, Preise durchsetzt und Kosten kontrolliert. Tim Cook formte den Konzern zu einer Maschine, die selbst bei enormer Grösse hohe Gewinne erzielt. Diese Fähigkeit unterscheidet Apple von vielen anderen Hardwareherstellern.

Reduktion des iPhone-Geschäfts

Cook wusste, dass der Erfolg des iPhones nicht ewig trägt. Deshalb begann er früh, Apple breiter aufzustellen. Besonders deutlich wird das im langfristigen Blick auf die Verteilung der Umsätze.

Die Grafik zeigt eine klare Entwicklung. Der iPhone Anteil erreichte 2015 mit rund 66 Prozent seinen Höhepunkt. Seither ging er kontinuierlich zurück und liegt heute bei gut 50 Prozent. Gleichzeitig wuchs das Servicegeschäft stetig. 2025 erzielte Apple damit erstmals mehr als 100 Milliarden US Dollar Umsatz. Inzwischen stammt mehr als ein Viertel der Erlöse aus Dienstleistungen. Zu den Services zählen unter anderem Erlöse aus dem App Store, Abonnementdienste wie Apple Music und Apple TV, und die iCloud.

Dieser Wandel machte Apple weniger abhängig von einzelnen Gerätezyklen und sorgt für planbare, wiederkehrende Einnahmen. Er gilt als eines der wichtigsten Elemente von Cooks Vermächtnis.

John Ternus und die nächste Phase

Mit John Ternus übernimmt ein Manager, der tief in der Produktentwicklung verankert ist. Er verantwortete unter anderem AirPods, die Apple Watch, die ersten 5G iPhones und neue Mac Generationen. Der Umstieg der Macs auf eigene Chips im Jahr 2020 fiel ebenso in seine Zuständigkeit wie das iPhone Air. Auch das Macbook Neo stellte er selbst auf grosser Bühne vor.

Ternus übernimmt jedoch ein reifes Unternehmen, was weiteres Wachstum in den angestammten Bereichen herausfordernd macht. Zudem stellt künstliche Intelligenz das Unternehmen und die ganze Branche vor neue Herausforderungen. Hier hat Apple bislang keinen Vorsprung. Apple Intelligence und Siri können mit Angeboten von Google oder OpenAI bislang noch nicht mithalten.

Hinzu kommt ein strategisches Dilemma. Apples Stärke liegt im engen Zusammenspiel von Hardware, Software und Diensten. Der KI Markt belohnt derzeit jedoch Offenheit, schnelle Entwicklung und breite Zugänge. Ternus muss entscheiden, wie weit Apple sich öffnet, ohne Kontrolle, Datenschutz und Qualität zu gefährden.

Als Hardware Manager gilt er als vorsichtig, aber auch als jemand, der neue Produktkategorien erkennt. Foldables (faltbare Geräte) und Brillen gehören zu den Feldern, die bereits in seine Zeit fallen. Nach Jahren der perfekten Verwaltung beginnt für Apple nun eine Phase, in der wieder stärker gestaltet werden muss.
 
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