Angst vor Kurssturz: Jetzt auf Puts setzen?

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Seit dem Jahreshöchst Ende Februar hat die Schweizer Börse rund zehn Prozent nachgegeben. Warum sich der Kauf von Put-Optionen nun dennoch nicht lohnt, auch wenn die Kurse weiter fallen könnten.

Publiziert 31. März 2026

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Viele Anlegerinnen und Anleger fragen sich im aktuellen Marktumfeld, wie sie ihr Vermögen, das sie in Wertschriften investiert haben, vor weiteren Verlusten schützen können. In diesem Zusammenhang liest man von sogenannten Put-Optionen oder Put-Zertifikaten. Diese ermöglichen es, sich gegen fallende Kurse abzusichern.

Nach einem starken Kursrückgang scheint der Kauf von Put-Optionen auf den ersten Blick logisch: Wer weiter fallende Kurse erwartet, möchte davon profitieren. Doch genau in solchen Phasen sind Put-Optionen meist ungewöhnlich teuer. Der Grund ist die stark gestiegene Volatilitätsprämie.

Bei einem Markteinbruch steigt die Angst der Anleger sprunghaft. Diese erhöhte Nervosität spiegelt sich in der Volatilität wider – und diese ist ein zentraler Bestandteil des Optionspreises. Je höher die erwarteten Kursschwankungen, desto teurer werden Optionen. Wer nach einem Kurssturz Put-Optionen kauft, bezahlt deshalb oft einen hohen Aufpreis für diese Unsicherheit.

Wie hoch dieser Aufpreis sein kann, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Bei einer einfachen europäischen Put-Option auf den amerikanischen S&P 500 mit einjähriger Laufzeit, die am Strike-Preis notiert und bei der die Volatilität von 20 Prozent auf 30 Prozent steigt, verteuert sich der Preis um 47 Prozent - ceteris paribus. Damit muss der Index bis zum Ende der Optionenlaufzeit anstelle von 6,5 neu rund 10 Prozent fallen, damit sich der Optionen-Kauf überhaupt gelohnt hat. Der Anstieg der Volatilität von 20 auf 30 entspricht dem Anstieg des VIX, welcher in den vergangenen Wochen am Markt beobachtet werden konnte. 

Ausserdem: Beruhigt sich der Markt anschliessend – selbst wenn die Kurse weiter leicht fallen oder seitwärts laufen – sinkt die Volatilität wieder. Dies kann den Wert der Put-Option deutlich reduzieren. Anleger verlieren dann Geld, obwohl ihre Markterwartung teilweise eingetroffen ist. Put-Optionen unmittelbar nach einem starken Kursrutsch zu kaufen, ist deshalb in vielen Fällen keine gute Idee.

Um diese teure Absicherungsfalle zu vermeiden, gibt es aber auch andere Strategien, die ihr Portfolio schützen können:

Aktien reduzieren
Durch den Verkauf von schwankungsreichen Titeln lässt sich die Abhängigkeit vom Aktienmarkt reduzieren. So bringt man sprichwörtlich einen Teil der Gewinne in trockene Tücher. Allerdings fällt es den meisten Anlegern schwer, an der Seitenlinie zu stehen und zu warten, bis sich die Lage entspannt. Es muss ausserdem nicht nur der richtige Zeitpunkt für die Aktienreduktion gefunden werden, sondern auch der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg. Deshalb wird diese Strategie meist nur dann empfohlen, wenn es auch einen Plan gibt, was man mit den freigewordenen Mitteln machen möchte. Sonst ist es nämlich langfristig betrachtet besser, an der Strategie festzuhalten.

Stop-Loss setzen
Stop-Loss-Orders sind ein bewährtes Instrument, um Verluste zu begrenzen. Anleger legen dabei ein Kursniveau fest, bei dessen Erreichen die Aktie oder der ETF automatisch verkauft wird. So lassen sich emotionale Entscheidungen vermeiden und das Risiko plötzlicher Verluste kontrollieren. Diese Massnahme empfiehlt sich, wenn man auf einen Teil des investierten Vermögens angewiesen ist und es schützen möchte. 

Ein Allheilmittel gegen Bewertungssorgen existiert am Finanzmarkt nicht. Die Entscheidung zur Absicherungsstrategie sollte vielmehr von den persönlichen und finanziellen Umständen abhängig gemacht werden. Sogenanntes Markt-Timing sollte dabei jedoch kein Grund sein. Wissenschaftliche Studien zeigen nämlich unstrittig, dass dies den wenigsten Anlegern gelingt. Dann doch besser an der bewährten Anlagestrategie langfristig festhalten.

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