Angriff auf Visa & Mastercard: Digitaler Euro und Twint machen Druck

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Der Zahlungsverkehr ist ein Milliardengeschäft mit aussergewöhnlich hohen Margen. Doch die Einführung des digitalen Euro und das Wachstum von Alternativen wie Twint bedroht die Margen der dominanten Anbieter.

Publiziert 12. Mai 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Visa und Mastercard gehören zu den profitabelsten Unternehmen der Welt. Bei einem Umsatz von rund 40 Milliarden Franken im Geschäftsjahr 2025 erzielt Visa eine Gewinnmarge von über 50 Prozent, Mastercard kommt auf rund 46 Prozent.

Diese Zahlen verdeutlichen die Stärke ihres Geschäftsmodells: Beide Unternehmen agieren als zentrale Schnittstelle im Zahlungsverkehr. Sie profitieren von jeder Transaktion, ohne selbst signifikante Kreditrisiken tragen zu müssen. Skaleneffekte und globale Netzwerke sorgen dafür, dass zusätzliche Transaktionen kaum Kosten verursachen – die Margen steigen entsprechend.

Der wahre Gewinntreiber: Internationale Zahlungen

Besonders lukrativ ist der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr. Besonders relevant sind die Einnahmen aus Zahlungen ausserhalb der USA. Bei Visa stammen mehr als 25 Prozent der Erlöse aus internationalen Transaktionen. Auch Mastercard erzielt einen bedeutenden Teil seines Umsatzes in Regionen ausserhalb von Nord- und Lateinamerika, insbesondere in Europa, Asien und Afrika.

Gerade Europa spielt dabei eine zentrale Rolle. Hier sind Visa und Mastercard stark im Zahlungsverkehr verankert. Genau an diesem Punkt setzt die Idee eines digitalen Euro an. Ziel ist es, innerhalb der Eurozone ein eigenes Zahlungssystem zu etablieren und unabhängiger von globalen Anbietern zu werden. Sollte sich ein solcher Ansatz durchsetzen, könnten insbesondere in Europa Marktanteile und damit ein Teil der Einnahmen von Visa und Mastercard unter Druck geraten.

Digitaler Euro & Twint - Angriff auf die Gebührenstruktur

Mit dem digitalen Euro könnte erstmals eine staatlich gestützte Alternative entstehen, die den Zahlungsverkehr unabhängiger und günstiger macht. Transaktionen könnten direkter abgewickelt werden – mit weniger Intermediären und niedrigeren Gebühren. Für Händler und Konsumenten wäre das ein klarer Vorteil. Für Visa und Mastercard steigt hingegen der Druck auf ihre margenstärksten Einnahmequellen.

Auch der Kursverlauf seit Jahresbeginn zeichnet ein eher verhaltenes Bild. Visa und Mastercard liegen unter dem Ausgangsniveau, während PayPal im gleichen Zeitraum noch deutlicher zurückbleibt. Im Vergleich zum Gesamtmarkt schneiden die Zahlungsdienstleister damit schwächer ab.

Auch ein Blick in die Schweiz zeigt, wie sich solche Entwicklungen konkret auswirken können. Mit Twint hat sich bereits eine weit verbreitete, lokale Zahlungslösung etabliert, die insbesondere im Alltag, vom Detailhandel bis zum Peer-to-Peer-Zahlungsverkehr, stark genutzt wird. Twint umgeht in vielen Fällen klassische Karteninfrastrukturen und reduziert damit die Abhängigkeit von internationalen Zahlungsnetzwerken.

Ähnliche Modelle könnten in einem europäischen Kontext durch den digitalen Euro entstehen oder zumindest gestärkt werden. Die Kombination aus staatlicher Infrastruktur und lokalen Zahlungslösungen deutet darauf hin, dass sich der Wettbewerb im Zahlungsverkehr strukturell verschärfen könnte.

Was bedeutet das für Anleger?

Obwohl Zahlungsdienstleister eher verhalten ins Jahr gestartet sind, ist kurzfristig kaum mit einer Disruption zu rechnen. Die Netzwerkeffekte, die technologische Infrastruktur und die globale Akzeptanz von Visa und Mastercard bleiben starke Wettbewerbsvorteile.

Doch langfristig könnte sich das Umfeld verändern. Die heutigen Margen zeigen, wie viel Spielraum im System steckt. Mit neuen regulatorischen und technologischen Lösungen, wie dem digitalen Euro, dürfte genau dieser Spielraum schrumpfen.

Für Anleger heisst das: Die Geschäftsmodelle von Visa und Mastercard bleiben qualitativ stark positioniert, gleichzeitig bewegen sich die Margen in einem sich verändernden Marktumfeld. Der digitale Euro stellt keinen unmittelbaren Umbruch dar, könnte aber langfristig die Profitabilität beeinflussen.

Entscheidend ist dabei jedoch, ob die neue Lösung überhaupt breite Akzeptanz findet. Für Nutzer entsteht nur dann ein echter Mehrwert, wenn ein digitaler Euro einfacher, günstiger oder sicherer ist als bestehende Angebote. Solange Karten und digitale Zahlungsdienste reibungslos funktionieren, ist der Anreiz zum Wechsel begrenzt. Die tatsächliche Wirkung auf Visa und Mastercard hängt daher weniger von der Einführung selbst als von der Nutzung im Alltag ab.

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