VZ Analyse
Wer in Aktien investiert, denkt oft an US-Technologiekonzerne, internationale Indizes oder an den SMI. Dabei wird leicht übersehen, dass sich auch in der unmittelbaren Umgebung zahlreiche investierbare Unternehmen finden. Kennen Sie die börsenkotierten Unternehmen aus Ihrer Nachbarschaft?
Publiziert vor 2 Stunden
Beschreibung
Lokales Investieren bezeichnet den gezielten Fokus auf Unternehmen, die ihren Sitz oder einen wesentlichen Teil ihrer Geschäftstätigkeit in der Region haben. In der Schweiz ist das Universum solcher Titel vergleichsweise gross.
Mit wenigen Ausnahmen ist jeder Kanton mit mindestens einem Unternehmen im Swiss Performance Index (SPI) vertreten (nicht vertreten: Neuenburg und Appenzell IR). Beispiele sind Stadler Rail aus Bussnang (TG), SIG Group aus Neuhausen (SH), V-Zug aus Zug. Es gibt aber auch gelistete Firmen aus dem Kanton Uri oder Aarau. Die Grafik gibt eine Übersicht.
Die regionale Nähe kann für Anlegerinnen und Anleger eine wichtige Rolle spielen – sowohl aus finanztechnischen als auch aus psychologischen Gründen. Selbst dann, wenn das Unternehmen lediglich den Hauptsitz in der Nähe hat und einen Grossteil der Umsätze im Ausland erzielt.
Warum lokal investieren – oder warum nicht?
Ein Argument für lokale Aktien ist die Verbundenheit mit der Region. Wer das Unternehmen, seine Produkte oder seine Geschichte kennt, empfindet das Investment oft als greifbarer. Aus rationaler Sicht ist jedoch entscheidend, ob sich daraus konkrete Vorteile im Anlageentscheid ergeben.
Vorteile lokaler Aktien
1. Besseres Verständnis des Geschäftsmodells
Anleger kennen lokale Unternehmen häufig aus eigener Erfahrung, etwa als Kunden, Mitarbeitende oder Beobachter der regionalen Wirtschaft. Produkte, Marken oder Standorte sind bekannt, Geschäftsentwicklungen lassen sich leichter einordnen – etwa bei Expansionen, Investitionen oder konjunkturellen Rückschlägen. Das reduziert zwar keine Risiken, kann aber die Qualität der Einschätzungen verbessern.
2. Informationsnähe und Transparenz
Regionale Unternehmen stehen oft stärker im Fokus lokaler Medien. Generalversammlungen sind leichter zugänglich, und auch der Kontakt zum Management ist häufig direkter als bei internationalen Grosskonzernen. Besonders bei kleineren Unternehmen profitieren Anleger aus der Nachbarschaft von dieser Nähe.
3. Bewertungsineffizienzen und Nischenchancen
Lokale und kleinere Unternehmen stehen weniger im Fokus internationaler Analysten. Geringere Marktaufmerksamkeit kann dazu führen, dass Preise fundamentale Werte nicht jederzeit effizient widerspiegeln. Für gut informierte Anleger können sich daraus Nischenchancen ergeben, insbesondere bei langfristigem Anlagehorizont.
4. Förderung der regionalen Wirtschaft
Ein oft genannter Aspekt ist die wirtschaftliche Nebenwirkung lokaler Investitionen. Kapital bleibt im Wirtschaftsraum, lokale Arbeitgeber und Infrastrukturen werden gestützt. Vor allem für Pensionskassen, Stiftungen oder Anleger mit regionalem Fokus kann dieser Punkt relevant sein – ohne gleich als explizites Impact Investing ausgestaltet zu sein. Vom daraus gewonnenen Nutzen profitiert aber meist eher die Region oder das Unternehmen, nicht aber der Anleger selbst.
Nachteile lokaler Aktien
Einige der genannten Vorteile können sich auch als Nachteile erweisen. Erstens bedeutet ein Hauptsitz in der Nachbarschaft nicht zwingend eine starke regionale wirtschaftliche Verankerung. Viele Unternehmen sind global tätig und unterliegen denselben internationalen Risiken wie andere Grosskonzerne.
Zweitens sind Bewertungsineffizienzen keine Einbahnstrasse. Geringe Aufmerksamkeit kann ebenso dazu führen, dass Risiken zu spät erkannt werden oder Fehlbewertungen länger bestehen bleiben.
Drittens besteht die Gefahr mangelnder Diversifikation. Wer Aktien aus der eigenen Region übergewichtet, wählt Titel aus einem kleineren Universum, in welchem möglicherweise gewisse Branchen überproportional vertreten sind.
Noch lokaler: Nebenwerte ausserhalb des Prime Segments
Neben den rund 216 Unternehmen im SPI existiert in der Schweiz ein weiteres Universum lokal stark verankerter Nebenwerte. Dazu gehören Firmen, die nicht im Prime Segment der SIX kotiert sind, sondern im Nebenwerte- oder ausserbörslichen Segment gehandelt werden (nicht in der Grafik aufgeführt). Beispiele sind die NZZ oder Hotelgesellschaften wie das Dolder Grand.
Diese Unternehmen sind oft kleiner, regional stärker verankert und geografisch breit über die Schweiz verteilt. Gleichzeitig sind die regulatorischen Anforderungen geringer: Es bestehen eingeschränkte Offenlegungs- und Informationspflichten, etwa keine Pflicht zur halbjährlichen Berichterstattung. Umso wichtiger ist bei diesen Titeln die Informationsnähe. Der Handel erfolgt bei vielen Banken nur per Telefon oder E Mail, Market Maker fehlen, was zu deutlich breiteren Geld /Brief-Spannen führt.
Fazit
Wer gezielt nach Aktien aus der eigenen Region sucht, wird in der Schweiz durchaus fündig. Lokale Titel können das Portfolio ergänzen, insbesondere für Anleger mit langfristigem Horizont und Interesse an regionalen Unternehmen. Entscheidend bleibt jedoch, dass lokale Aktien als Beimischung verstanden werden – nicht als Ersatz für eine breite Diversifikation.
Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.