12 Wochen Iran-Krieg: Aktienmärkte zeigen sich erstaunlich robust

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Die Aktienmärkte haben den anfänglichen Krisenmodus abschütteln können. Es dominieren stattdessen fundamentale Treiber wie ein erneuter Umsatzsprung und eine Margenausweitung.

Publiziert vor 12 Stunden

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Knapp drei Monate nach Ausbruch des Iran-Kriegs scheint die Angst an den Aktienmärkten verflogen zu sein. Während unmittelbar nach Beginn der Eskalation Ende Februar Unsicherheit und Kursverluste dominierten, haben die Aktienmärkte den Krisenmodus inzwischen weitgehend hinter sich gelassen. Der Schweizer Aktienmarkt (SPI) konnte seine Einbussen vom März per heute wettmachen, und der US-Leitindex S&P 500 notiert sogar wieder klar im Plus. 

Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung in den Schwellenländern. Regionen wie China, die aufgrund ihrer Abhängigkeit von iranischem Öl als besonders verletzlich galten, zeigten sich widerstandsfähig. Der MSCI Emerging Markets liegt seit Kriegsbeginn 6 Prozent im Plus. Dank Notfallplänen und alternativer Lieferketten ist ein grösserer wirtschaftlicher Schaden bislang ausgeblieben. 

Öl und Zinsen reagieren – Aktien bleiben gelassen

Deutlich stärker als die Aktienmärkte reagierten der Öl- und der Zinsmarkt auf die geopolitischen Spannungen. Die Ölpreise legten spürbar zu, und auch die langfristigen Zinsen in den USA und Europa stiegen im Zuge höherer Inflationserwartungen an. Dennoch blieb eine nachhaltige Belastung für Aktien aus. Ein Grund dafür liegt im veränderten Zinsumfeld der letzten Jahre. Seit dem deutlichen Inflationsanstieg im Jahr 2022 haben sich Investoren an höhere Zinsen gewöhnt. Entsprechend reagieren die Aktienmärkte heute weniger empfindlich auf steigende Finanzierungskosten als noch vor wenigen Jahren. 

Zudem fehlt es weiterhin an attraktiven Alternativen. Obligationen sind angesichts unsicherer Zinsentwicklungen wenig gefragt, und Gold hat nach seinem starken Lauf im Vorjahr an Dynamik eingebüsst. Für viele Anleger bleiben Aktien damit die bevorzugte Anlageklasse. 

Technologischer Fortschritt stützt die Märkte 

Ein zentraler Treiber für die positive Entwicklung an den Aktienmärkten ist nach wie vor der technologische Fortschritt. Insbesondere Investitionen in künstliche Intelligenz versprechen Effizienzgewinne, sinkende Kosten und steigende Margen. Gleichzeitig führt die Nachfrage im IT-Bereich zu einem kräftigen Umsatzplus. Diese strukturellen Trends überlagern kurzfristige geopolitische Risiken und stützen die Bewertungen.

Gewinnerwartungen bieten weiteres Aufwärtspotenzial 

Auch aus fundamentaler Sicht spricht einiges für Aktien. Die Gewinnerwartungen sind sowohl in den USA als auch in der Schweiz weiterhin positiv. Für den S&P 500 wird gemäss LSEG und Yardeni Research im laufenden Jahr 2026 ein Gewinnwachstum von etwas über 20 Prozent erwartet. Für die Schweiz liegt das erwartete Gewinnwachstum bei 7,5 Prozent. Das bedeutet: Selbst ohne steigende Bewertungen besteht noch Aufwärtspotenzial, sofern die Unternehmen ihre Gewinnprognosen erfüllen.

Die Märkte werden damit stärker durch reale Ergebnisse als durch Bewertungsanpassungen getragen. Zwar bleibt der Ölmarkt ein wesentlicher Risikofaktor. Die Befürchtung knapper werdender Reserven und möglicher Angebotsengpässe ist weiterhin präsent. Doch auch hier zeigt sich, dass viele Länder und Unternehmen vorbereitet sind. Strategische Reserven, Diversifikation der Bezugsquellen und Effizienzsteigerungen dämpfen die Auswirkungen. Bislang deutet wenig darauf hin, dass steigende Ölpreise die Aktienmärkte nachhaltig belasten. Die Risiken werden daher von den Märkten aktuell eher als beherrschbar eingeschätzt. 

Fazit

Drei Monate nach Ausbruch des Iran-Kriegs zeigt sich ein überraschend stabiles Bild: Während Ölpreise und Zinsen sensibel reagierten, bleiben die Aktienmärkte robust. Unterstützt durch solide Gewinnerwartungen, fehlende Anlagealternativen und strukturelle Wachstumstreiber besteht weiterhin Potenzial nach oben. Die Sorge vor auslaufenden Ölreserven erscheint derzeit übertrieben. Entscheidend bleibt, dass Unternehmen ihre Gewinnziele erreichen – dann dürften Aktien auch im weiteren Jahresverlauf gefragt bleiben.