VZ Analyse
Die Titel von Fluggesellschaften haben seit dem Kriegsbeginn deutlich gelitten. Ihnen machen nicht nur geschlossene Flugräume zu schaffen, sondern auch der steigende Ölpreis. Was das nun für Anleger heisst.
Publiziert vor 4 Stunden
Beschreibung
Aktien im Tief, Geschäfte im Hoch: So lässt sich die Lage der Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Swiss gehört, aktuell in Kürze zusammenfassen. Zwar ist der Aktienkurs innerhalb einer Woche um rund 10 Prozent zusammengesackt, auf der operativen Ebene läuft das Geschäft noch ziemlich rund.
Bei den heute Freitag publizierten Geschäftszahlen für 2025 gab CEO Carsten Spohr einen Rekordumsatz von 39,6 Milliarden Euro bekannt – fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Beim operativen Gewinn gab es eine Zunahme um fast 20 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro. Dieser Wert übertraf die Analystenerwartungen deutlich.
Lufthansa mit zuversichtlichem Ausblick
Auch beim Ausblick gibt sich die Lufthansa zuversichtlich: Dieses Jahr soll der Umsatz noch weiter steigen – auch wegen des Nahost-Konflikts. Durch den temporären Wegfall von Konkurrenz können Ticketpreise angehoben werden, zudem bleibt die Reiselust ungebrochen.
Gleichzeitig hat der Konflikt aus heutiger Sicht noch kaum kalkulierbare Folgen für den Flugverkehr. Aktuell müssen Flugzeuge wegen gesperrten Lufträumen grosse Umwege in Richtung Asien fliegen, was den Treibstoffverbrauch nach oben treibt. Gleichzeitig sind viele Ziele im Nahen Osten bis auf Weiteres nicht mehr erreichbar.
Und was auch auffällt: Es gibt keine regionalen Unterschiede zwischen den Airlines. US-Gesellschaften sind von den Anlegersorgen genauso betroffen wie solche aus Europa oder Asien. Sie alle haben in den vergangenen Tagen deutlich an Terrain eingebüsst – vor allem wegen der drohenden höheren Kerosinpreise.
Mit diesen Problemen kämpft nicht nur die Lufthansa, sondern alle grossen Gesellschaften – wie etwa AirFrance-KLM oder IAG, die Besitzerin von British Airways. Andere Anbieter wie etwa Emirates oder Etihad sind gar tagelang komplett gegroundet worden und beginnen erst langsam, erste Flüge wieder ins Programm aufzunehmen
Der Kostendruck: Kerosin als Margenfresser
Fluggesellschaften arbeiten mit hohen Fixkosten (Leasing, Personal, Wartung). Der Ölpreis, der zuletzt infolge der Krise in Richtung 90 Dollar pro Barrel tendierte, wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die Kostenstruktur. Da Treibstoff oft bis zu 30 Prozent der Gesamtausgaben ausmacht, fressen steigende Kerosinpreise die mühsam erkämpften Margen sofort wieder auf. Zwar sichern sich Konzerne wie die Lufthansa gegen steigende Ölpreise ab, doch diese bieten nur einen zeitlich begrenzten Schutz gegen dauerhaft hohe Preise.
Trotz der aktuellen Turbulenzen bleibt das Fundament der Branche jedoch intakt. Der langfristige Trend zeigt weltweit nach oben: Die Mittelschicht in Asien wächst, und das Bedürfnis nach globaler Mobilität steigt von Jahr zu Jahr, wie entsprechende Branchenstudien auch immer wieder zeigen. Experten gehen davon aus, dass sich das Flugverkehrsaufkommen bereits bis 2040 verdoppeln könnte. Für Anleger bedeutet das: Die aktuelle Krise ist eher ein zyklisches Hindernis als ein strukturelles Ende des Geschäftsmodells.
Jetzt einsteigen?
Ein Blick in die Vergangenheit gibt wertvolle Einblicke. Während der Corona-Pandemie (2020) verloren Airline-Aktien teils über 70 Prozent an Wert. Der beste Einstiegszeitpunkt war damals paradoxerweise der Moment der grössten Angst – im Frühling 2020, als der globale Flugverkehr fast vollständig am Boden lag.
Ähnliches galt für die Zeit nach dem 11. September 2001 oder der Finanzkrise 2008. Historisch gesehen boten Airlines die besten Renditen, wenn sie zu Kurs-Buch-Verhältnissen weit unter 1 gehandelt wurden und die Nachrichtenlage am düstersten war.
Dennoch sind Airline-Aktien nicht einfach ein blinder Kauf. Wer solche Titel hält, braucht oft starke Nerven. Vor allem eignen sie sich nicht als Langfristanlage. Denn jegliche Krisen – von Rezessionen über Kriege bis hin zu Pandemien – trifft die Branche jeweils mit voller Wucht. Das zeigt sich auch an der längerfristigen Kursentwicklung, bei der dieser Sektor nicht mit dem Gesamtmarkt mithalten kann.