Geldanlagen

Weshalb Börsenprognosen so häufig daneben liegen

Jetzt ist wieder die Zeit, in welcher Banken ihre Kursziele für das ganze Börsenjahr publizieren. Weshalb Sie sich davon nicht beeindrucken lassen sollten. 

Daniel Weinmann

Finanzexperte
Publiziert am
11. Januar 2023

Viel deutlicher daneben hätten die Börsenexperten kaum liegen können. Das Anlagejahr 2022 hat nicht nur viele Privatanleger auf dem falschen Fuss erwischt, sondern auch fast alle Finanzanalysten und Ökonomen. Das lässt sich zumindest von den optimistischen Prognosen ableiten, die sie vor einem Jahr publiziert hatten.

Die Banken und Vermögensverwalter gingen Anfang 2022 fast durchwegs von einem positiven Jahr für Aktien aus. Einzig Lombard Odier rechnete mit einem kleinen Rücksetzer, alle anderen Kursziele für den Swiss Market Index (SMI) für Ende 2022 lagen über dem Niveau von Anfang des Jahres (siehe Grafik).

Tatsächlich ist das Gegenteil eingetroffen. Die Experten hatten in ihren Prognosen viele Ereignisse während des Jahres nicht berücksichtigt. Neben der Zinswende hatten auch die steigende Inflation und der Krieg in der Ukraine die Märkte belastet. Auffällig ist, dass die Prognostiker Jahr für Jahr mit ihren Analysen häufig daneben liegen.

Das wirft einige Fragen auf: Weshalb ist die Prognosefähigkeit an den Finanzmärkten so bescheiden, wenn doch die Finanzanalyse in den vergangenen Jahrzehnten mit riesigem Aufwand mit dem Ziel, die Qualität der Prognose zu verbessern, verfeinert worden ist? Weshalb werden Anleger immer wieder von Börsencrashs oder von Kursfeuerwerken überrascht?

Falsche Annahmen von Ökonomen

Die Antworten darauf sind einfach. Der Mensch selber spielt den komplexen Modellen der Wirtschaftswissenschaftler immer wieder einen Streich. Die Mehrheit der Ökonomen geht immer noch fälschlicherweise davon aus, dass der Mensch stets rationale Investitionsentscheide fällt und sich nicht von seinen Emotionen leiten lässt. Aufgrund dieser Fehlannahme versuchen Wirtschaftswissenschafter, die Kursentwicklung mit naturwissenschaftlichen Methoden vorherzusagen.

Merkblatt

Depot-Check: So vermeiden Anleger unnötige Risiken

Das Merkblatt deckt die typischen Schwächen von Portfolios auf und beschreibt die häufigsten Anlegerfehler.

Im Unterschied zur Meteorologie und anderen Naturwissenschaften beeinflusst der Mensch mit oft irrationalem Verhalten die Entwicklungen an den Finanzmärkten direkt. Seine unberechenbaren Entscheidungen wirken sich unmittelbar auf die Aktienkurse aus.

Die klassische Finanzmarkttheorie berücksichtigt diese Erkenntnis bis heute allerdings kaum.

Prognosen sind nur Momentaufnahmen

Deshalb sollten Anleger Prognosen als das betrachten, was sie letztlich sind: Momentaufnahmen, die schon schnell wieder überholt sein können. Auf die Aktualität übertragen heisst das: Unvorhersehbare Einflüsse wie etwa eine neue Virusvariante, eine plötzlich zurückgehende Teuerungsrate in den USA oder eine sich unerwartet ändernde Geldpolitik der Notenbanken können das Marktumfeld derart verändern, dass sämtliche Prognosen vom Jahresbeginn stark überarbeitet werden müssten.

Für Anleger bedeutet dies, dass sie besser fahren, wenn sie an ihrer strategischen Positionierung langfristig festhalten anstatt sie jedes Jahr von neuem aufgrund von Prognosen anzupassen. Denn mit einem breit aufgestellten Portfolio ist man an der Börse auch für 2023 gut gerüstet – unabhängig davon, was prophezeit wird.

Tipp: Um zu wissen, ob das eigene Wertschriftendepot wirklich sinnvoll diversifiziert ist, lohnt sich ein unabhängiger Depot-Check. Ein Depot-Check deckt die Schwächen eines Depots und die offensichtlichen Interessenskonflikte der Banken auf. Er zeigt, wenn ein Anleger zu hohe Risiken eingeht und Chancen zu wenig nutzt.

Sie interessieren sich für Anlagen mit börsenkotierten Indexfonds? Dann bestellen Sie jetzt das kostenlose Merkblatt "Sparen und Anlegen mit ETF"

Haben Sie weitere Fragen? Vereinbaren Sie einen Termin im VZ in Ihrer Nähe.