Pensionierung

So kann es sich lohnen, nach der Pensionierung weiterzuarbeiten

Ein wachsender Teil der Schweizerinnen und Schweizer arbeitet länger als bis 65 – oft als Selbstständige, aber auch als Angestellte. Es lohnt sich, ein paar Regeln zu befolgen, damit vom zusätzlichen Einkommen möglichst viel übrig bleibt.

Peter Meier
Pensionierungsexperte
Publiziert am
17. Oktober 2023

Das ist erstaunlich: Gemäss Bundesamt für Statistik bleiben etwa jede vierte Frau und jeder dritte Mann beruflich aktiv nach 64 bzw. 65. Und das nicht unbedingt aus finanzieller Not: Die meisten behalten ein reduziertes Pensum, weil sie sich fit fühlen, Freude an der Arbeit haben und die Wertschätzung geniessen.

Merkblatt

Erwerbstätig nach der Pensionierung

Das sollten Sie zu AHV, Pensionskasse und 3. Säule wissen, wenn Sie nach der Pensionierung erwerbstätig bleiben möchten.

Dieser Trend ist auch für Arbeitgebende interessant. Gute Fachkräfte sind sehr gefragt. Darum wollen immer mehr KMU erfahrene Mitarbeitende mit gezielten Programmen im Arbeitsprozess halten – zum Beispiel, indem sie ihnen ermöglichen, mit einem reduzierten Pensum weiterzuarbeiten, um etwa bestimmte Projekte zu begleiten.

Länger erwerbstätig zu bleiben, kann sich lohnen. Anders als bei einer Frühpensionierung bekommt der Mann im Beispiel unten jeden Monat rund 800 Franken mehr Rente, wenn er mit 67 statt mit 65 aufhört. 

Aber: Wer Lohn und Rente nicht richtig aufei­nander abstimmt, zahlt unnötig hohe Steuern. Unter Umständen gehen mehr als 40 Prozent der AHV-Rente an den Fiskus. Darum sollte man frühzeitig prüfen, ob man auf die Rente angewiesen ist oder sie aufschieben kann. Dazu sollte man die folgenden Regeln kennen.

AHV

Die AHV-Rente darf man bis 70 aufschieben – auch nach der AHV-Reform, die 2024 in Kraft tritt. Künftig soll es aber nur noch einen lebenslangen Rentenzuschlag pro Aufschubjahr von voraussichtlich 4,3 statt 5,2 Prozent geben. 

Handkehrum wird man die erste AHV-Rente flexibler zwischen 63 und 70 beziehen können. Zudem soll es möglich sein, vorerst nur 20 bis 80 Prozent der Rente zu beziehen und den Rest auf später aufzuschieben.

Tipp: Informieren Sie Ihre Ausgleichskasse spätestens ein Jahr nach Erreichen des ordentlichen Rentenalters über den Aufschub. Sonst bekommen Sie den Zuschlag nicht, wenn Sie die Rente später abrufen. Bestätigt die Ausgleichskasse den Aufschub nicht, fragen Sie sicherheitshalber nach. Wichtig: Klären Sie auch ab, ob die AHV-Beiträge, die Sie nach 65 bezahlen, auch wirklich zu einer höheren Rente führen.

Pensionskasse

Wer erwerbstätig ist, kann weiter in die Pensionskasse einzahlen. Der Vorteil: Die Sparbeiträge erhöhen das vorhandene Kapital, und meistens steigt auch der Satz, mit dem das Kapital in eine Rente umgerechnet wird (siehe Tabelle). Sieht die Pensionskasse keinen Aufschub vor, kann es sinnvoll sein, einen Teil als Kapital zu beziehen. Damit sinkt in der Regel auch das steuerbare Einkommen so weit, dass die Steuerbelastung nicht unnötig steigt.

Tipp: Wenn Sie weiterhin erwerbstätig sind, können Sie weiter­hin freiwillig in die Pensionskasse einzahlen und so viel Steuern sparen. Falls Sie Ihr Guthaben oder einen Teil davon als Kapital beziehen, sollten Sie sich spätestens drei Jahre vorher einkaufen. Sonst zahlen Sie das zurück, was Sie mit den Einkäufen gespart haben.

Steuermindernd wirkt sich auch der möglichst späte Bezug der Freizügigkeit aus, weil Sie die Erträge nicht als Einkommen und das Guthaben nicht als Vermögen versteuern müssen. Bei den meisten Freizügigkeitsstiftungen lässt sich der Bezug bis 70 aufschieben. Vor Kurzem hat der Bundesrat präzisiert, dass das weiterhin möglich sein soll, wenn man nach 65 im Job bleibt.

Säule 3a

Wer weiterarbeitet, darf auch den Bezug der Säule 3a aufschieben und weiterhin einzahlen – längstens bis Alter 70. Auch das senkt die Steuerrechnung. Vorsicht: Das lohnt sich nicht immer. In einigen Kantonen ist der allgemeine Versicherungsabzug in der Steuererklärung höher, wenn keine 3a-Beiträge geleistet werden.

Tipp: Im Jahr, in dem Sie 65 werden, können Sie doppelt einzahlen: für die Monate bis zur ordentlichen Pensionierung den «kleinen» Maximalbetrag von 7056 Franken und für die restlichen Monate des Jahres 20 Prozent des Nettoein­kom­mens – insgesamt aber höchstens 35’280 Franken. Den «kleinen» Betrag sollten Sie spätestens einen Tag vor Ihrem 65. Geburtstag einzahlen.

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