Geldanlagen

In sechs Schritten zum passenden ETF

Den richtigen ETF zu finden ist so schwierig wie etwa die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Deshalb sollte man strukturiert vorgehen. 

Nino Zebiri
Anlageexperte
Publiziert am
11. Oktober 2023

ETF sind günstig, transparent und liquide. Sie bieten auch unter dem Gesichtspunkt der Diversifikation Vorteile gegenüber anderen Anlageprodukten. Entsprechend gross ist die Nachfrage. Und auch das Angebot wächst laufend. Den richtigen ETF zu finden, ist also alles andere als einfach. Folgende sechs Schritte helfen bei der Wahl des richtigen ETF.

1. Herleitung der Anlagestrategie

Vor einer Investition sollte sich ein Anleger zuallererst über die Anlagestrategie im Klaren werden. Sie gibt die langfristige Aufteilung des Sparbatzens auf die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe vor. Verschiedene Studien zeigen, dass eine klar definierte Anlagestrategie der wichtigste Faktor für den Anlageerfolg ist.

Für die Herleitung der Anlagestrategie müssen zwei Faktoren berücksichtigt werden: die Risikofähigkeit und die Risikobereitschaft (siehe Grafik).

  • Die Risikofähigkeit besagt, in welchem Zeitraum der Anleger welchen Anteil seines Vermögens benötigt. Wer beispielsweise im kommenden Jahr einen Grossteil seines Vermögens für den Kauf eines Hauses verwenden will, hat eine tiefe Risikofähigkeit.
  • Die Risikobereitschaft drückt aus, wie gut der Anleger vorübergehende Kursverluste auf seinen Investitionen emotional verkraftet. Wer schlecht mit Verlusten umgehen kann, hat eine tiefe Risikobereitschaft. Ein Anleger mit einer hohen Risikofähigkeit kann eine tiefe Risikobereitschaft haben und umgekehrt.

Eine Anlagestrategie lässt sich heute ausschliesslich mit ETF umsetzen. An der Schweizer Börse stehen über 1700 ETF zur Auswahl, die in eine Vielzahl von Anlageklassen, Märkten und Währungen investieren und eine breite Diversifikation des Vermögens ermöglichen.

2. Index wählen

Anleger müssen sich bewusst sein, dass ETF-Anlagen die Wertschwankung des Indexes vollumfänglich mitmachen. Die Wahl des richtigen Indexes ist deshalb von zentraler Bedeutung. Um eine Vorstellung für die Wertentwicklung eines ETF zu bekommen, empfiehlt sich ein Blick auf die historischen Renditen und Kursschwankungen des zugrundeliegenden Indexes. Dabei sollte ein möglichst langer Zeitraum betrachtet werden. Hilfreich ist auch ein Verständnis für die Berechnung und Zusammensetzung des Indexes. Viele Indizes gewichten die Titel entsprechend ihrem Börsenwert. Dadurch können sich Klumpenrisiken ergeben. Beim SMI und beim SPI beispielsweise machen die drei Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche rund 50 Prozent des Indexes aus.

3. Abbildungsqualität prüfen

Viele Anleger gehen davon aus, dass ein ETF seinen Vergleichsindex eins zu eins abbildet. Das hätte zur Folge, dass die ETF-Rendite der Benchmark-Rendite entsprechen würde. Das ist aber nicht der Fall. Zwischen einzelnen ETF auf einen bestimmten Index kann es zu Renditeunterschieden von mehreren Prozentpunkten pro Jahr kommen. Um die Abbildungsqualität eines ETF zu messen, lohnt es sich, die ETF-Rendite mit der Indexrendite zu vergleichen. Unterscheiden sie sich stark, ist Vorsicht geboten.

4. Replikationsart wählen

Unter Replikationsart versteht man die Art und Weise, wie ein ETF einen Index abbildet. Grundsätzlich wird zwischen physischer Replikation und synthetischer Replikation unterschieden. Bei der physischen Replikation investiert der ETF in die im Index enthaltenen Wertschriften. Die synthetische Replikation funktioniert über Finanzderivate. Sie ist komplizierter und weniger transparent als die physische Indexnachbildung. Gewisse Märkte lassen sich jedoch nur durch synthetische Replikation abbilden.

Die Risiken von physisch replizierenden ETF werden häufig als geringer eingestuft. Unter gewissen Umständen kann die synthetische Replikation aber durchaus sinnvoll sein. Die passende Replikationsart muss deshalb von Fall zu Fall beurteilt werden.

5. Kosten vergleichen

Einen Hinweis auf die Höhe der jährlich anfallenden Kosten in einem ETF gibt die Gesamtkostenquote TER. Sie umfasst neben den Verwaltungsgebühren auch die Kosten für Werbung und Vertrieb des Produkts. Eine tiefe TER sorgt aber nicht zwangsläufig für eine höhere Rendite. Denn zum einen sind in der TER sind nicht alle Kostenkomponeten eines ETF enthalten. Zum anderen wird die Rendite auch von der Replikationsart beeinflusst.

6. Handelsgebühren optimieren

Beim Kauf und Verkauf eines ETF fallen bankübliche Gebühren, Stempelsteuern und Börsenabgaben an. Zudem muss auch der Kauf- bzw. Verkaufspreis eines ETF genauer analysiert werden. Bei börsengehandelten Wertpapieren wie ETF besteht üblicherweise eine Spanne zwischen Geld- und Briefkurs. Diese Spanne (auch Spread genannt) entspricht der Preisdifferenz zwischen Ankaufkurs (Brief) und Verkaufskurs (Geld). Anleger sollten auf eine tiefe Geld-Brief-Spanne achten. Als Faustregel gilt, dass Anleger ihre Transaktionen in der Mitte der Handelszeit tätigen sollten, da die Spreads zu Beginn und am Ende des Tages oft höher sind. An der SIX Swiss Exchange werden ETF von Montag bis Freitag zwischen 9.15 und 17.15 Uhr gehandelt.

Wichtig beim Kauf oder Verkauf eines ETF ist zudem, dass die im ETF enthaltenen Wertschriften zum Zeitpunkt der Transaktion gehandelt werden. Ein ETF auf den US-Aktienmarkt beispielsweise sollte dann an der Schweizer Börse gekauft werden, wenn die US-Börsen geöffnet sind. Andernfalls ist mit höheren Spreads zu rechnen.

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