Geldanlagen

Schweizer Wirtschaft zeigt sich robust

Ukraine-Krieg, drohender Energiemangel, schwächelnde Weltwirtschaft – trotz dieser Herausforderungen zeigt sich die Schweizer Konjunktur äusserst robust. Das gibt Mut für die kommenden Monate. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
07. September 2022

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern zeigt sich die Schweizer Wirtschaft in vergleichsweise guter Verfassung. Im zweiten Quartal nahm die Schweizer Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandprodukt, kurz BIP) um 0,3 Prozent zu.

Damit ging das Wachstum gegenüber dem ersten Quartal zwar leicht zurück, aber zumindest sind die Schweizer Unternehmen weiterhin auf Wachstumskurs.

Der Haupttreiber war der private Konsum. Dieser hatte wesentlich zum Wachstum beigetragen. Aber auch die Ausrüstungsinvestitionen entwickelten sich positiv. Auf der anderen Seite gingen die Bauinvestitionen deutlich zurück. Die grundsätzlich erfreuliche Entwicklung hängt auch mit der Aufhebung sämtlicher Corona-Massnahmen im Frühling zusammen.

Ein interessantes Detail ist, dass trotz des positiven privaten Konsums die Konsumentenstimmung in der Schweiz auf einem Allzeittief ist. Die Konsumenten erwarten eine schwache wirtschaftliche Entwicklung und eine zukünftig knappere finanzielle Lage. Das hat vor allem mit der Diskussion um eine mögliche Energieknappheit zu tun. Dennoch liegen die Ersparnisse der Schweizerinnen und Schweizer auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Eine derart schwache Stimmung scheint deshalb nicht gerechtfertigt zu sein.

Die wichtigste Frage ist, wie es nun weitergeht. Im dritten Quartal wird sich zeigen müssen, ob der private Konsum weiterhin eine Stütze bleibt – oder ob er rückläufig sein wird. Anzunehmen ist, dass gerade bei grösseren Anschaffungen eine grössere Zurückhaltung sichtbar wird. Das Schweizer Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) hatte im Juni noch ein BIP-Wachstum im Gesamtjahr 2022 von 2,9 Prozent erwartet. Nach den Zahlen zum zweiten Quartal dürfte dieses Ziel als äusserst optimistisch gelten.

Denn neben dem Privatkonsum ist die Handelsbilanz eine weitere wichtige Stütze. Die Handelsbilanz zeigt, ob ein Land mehr Güter exportiert oder importiert. Unter anderem wegen des starken Frankens ist der Handelsbilanzüberschuss um 27 Prozent eingebrochen. Trotz des etwas eingetrübten Ausblicks ist die Ausgangslage für die Schweizer Wirtschaft nach wie vor gut.

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