Vorsorge

Herausforderung Altersvorsorge: Was Sie jetzt tun sollten

Wer den Lebensstandard im Alter halten will, muss selber aktiv werden. In der AHV, Pensionskasse und Säule 3a kann man schon heute die richtigen Hebel in Bewegung setzen.

Tim Zemp

Bereichsleiter
Publiziert am
25. Oktober 2022

Es knarzt und rumpelt im Schweizer Vorsorgesystem: Die Menschen werden älter und beziehen länger eine Rente. In den nächsten Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Pension – was die Lage noch weiter verschärft. Dieser demografische Wandel trifft unsere Altersvorsorge hart. Die Politik versucht, Gegensteuer zu geben und das System zu reformieren.

Eine kurzzeitige Linderung kommt nun für die AHV. Voraussichtlich 2024 tritt die AHV-Reform in Kraft. Sie soll die AHV für einige Jahre auf sichere finanzielle Füsse stellen. Das Rentenalter der Frauen wird schrittweise auf 65 Jahre erhöht.

Zwischen 1961 und 1969 geborene Frauen gehören zur Übergangsgeneration. Sie erhalten lebenslang einen Zuschlag auf ihre Renten ausbezahlt. Entscheiden sie sich für eine Frühpensionierung, zum Beispiel mit 64, fällt die Kürzung kleiner aus als bei den Männern. Mit der AHV-Reform wird es zudem für alle – Frauen und Männer – leichter, schrittweise in Pension zu gehen oder nach 65 weiterzuarbeiten. Klären Sie frühzeitig ab, was sich genau für Ihre Pensionierung ändert.

Die Renten sinken

Die AHV-Rente deckt oft nur die Grundkosten ab. Ob man nach der Pensionierung den gewohnten Lebensstandard halten kann, hängt meist von der Höhe der Pensionskassenrente ab. Die Renten sinken und sinken aber, wie eine Studie des VZ VermögensZentrums zeigt.

Derzeit steckt die Reform der beruflichen Vorsorge im Parlament fest. Was klar ist: Der gesetzliche Umwandlungssatz soll von 6,8 auf 6 Prozent sinken. Das bedeutet, dass die Pensionskassenrenten noch weiter fallen werden.

Umso wichtiger ist es, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und seine Pensionierung rechtzeitig vorzubereiten. Diese fünf Tipps helfen dabei:

1. Warten Sie nicht

Lassen Sie spätestens mit 55 berechnen, wie viel Rente Sie aus AHV und Pensionskasse bekommen. Ein solides Budget mit einem langfristigen Finanzplan zeigt, wie viel Ihnen fehlt. So bleibt Zeit, um die Lücke zu schliessen.

2. Füllen Sie die Vorsorge-Töpfe

Zahlen Sie nach Möglichkeit freiwillig in Ihre Pensionskasse ein. Dadurch sparen Sie Geld fürs Alter an – und bezahlen erst noch weniger Steuern. Aufgepasst: Wenn Sie Ihr Pensionskassen-Guthaben oder einen Teil bei der Pensionierung auszahlen lassen möchten, müssen Sie sich spätestens drei Jahre vorher einkaufen.

Merkblatt

Tipps zur Säule 3a

Das Merkblatt informiert, wo und wann sich Einzahlungen am meisten lohnen, und wie man am besten vorgeht.

Verpassen Sie keine Einzahlung in die Säule 3a. So verbessern Sie Ihre Vorsorge und sparen Steuern. Prüfen Sie eine Säule 3a mit ETF. Das rentiert meistens deutlich besser als das kaum verzinste 3a-Konto oder teure aktiv verwaltete 3a-Fonds.

3. Gehen Sie schrittweise in Pension

Eine Teilpensionierung kann helfen, die Steuerlast zu senken. Wenn Sie Ihr Pensum zum Beispiel bereits mit 63 Jahren von 100 auf 70 Prozent reduzieren, können Sie bei vielen Pensionskassen dann schon 30 Prozent Ihres Guthabens auszahlen lassen und den Rest später beziehen. Mit der AHV-Reform werden neu alle Pensionskassen verpflichtet, Teilpensionierungen zu ermöglichen.

4. Nach 65 weiterarbeiten

Überlegen Sie sich, ob Sie länger erwerbstätig bleiben können und wollen. Das wirkt sich positiv auf Ihre Rente aus. Wer zum Beispiel die AHV-Rente um ein Jahr aufschiebt, erhält ein Leben lang 5,2 Prozent mehr, als wenn man die erste Rente bereits mit 65 bezieht. Und mit der AHV-Reform wird es attraktiver, nach 65 zu arbeiten. Denn neu werden die dann einbezahlten AHV-Beiträge "rentenbildend" sein.

5. Staffeln Sie Ihre Bezüge

Wer Guthaben aus der Pensionskasse, der Freizügigkeit und der Säule 3a bezieht, zahlt Auszahlungssteuern. Je mehr man im gleichen Kalenderjahr rausnimmt, desto höher fällt die prozentuale Steuerbelastung aus. Verteilen Sie deshalb die Bezüge über mehrere Jahre. Das so gesparte Geld bleibt Ihnen zusätzlich zum Leben.