Geldanlagen

Pharma und Uhren beflügeln die Exportwirtschaft

Der Schweizer Aussenhandel ist im dritten Quartal auf einen Rekordstand geklettert. Allerdings leiden die meisten Branchen unter einem Margenzerfall. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
26. Oktober 2022

Die Nachfrage nach Schweizer Produkten nimmt weiterhin zu. So hat sich das Wachstum des Schweizer Aussenhandels auch im dritten Quartal des laufenden Jahres fortgesetzt. Gegenüber dem Vorquartal nahmen die Exporte nominal um 1,3 Prozent zu, in realen Werten (also zu konstanten Preisen) um 0,7 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchsen die Importe nominal um 0,8 Prozent, real nahmen sie hingegen um 0,5 Prozent ab.

Damit bleibt die Handelsbilanz der Schweiz deutlich im positiven Bereich. Das unterstreicht die Stärke der Schweiz, sich im internationalen Wettbewerb behaupten zu können.

Interessant ist die Entwicklung auf Branchenebene. Das Exportwachstum wurde fast ausschliesslich von der Pharma- und Uhrenbranche getragen. Beiden Sektoren konnten im dritten Quartal zulegen – Pharma steigerte das Exportvolumen um 1,3 Prozent, die Uhrenindustrie um 4,9 Prozent. In vielen anderen Branchen sind die Volumen und die durchschnittlichen Absatzpreise tendenziell gesunken.

Das heisst, dass die Aufwertung des Frankens (noch) nicht vollumfänglich auf die Absatzpreise im Ausland überwälzt werden konnte. Wertschöpfungsstarke Branchen konnten damit einmal mehr ihre Preissetzungsmacht unter Beweis stellen. Das hilft zugleich, die Margen besser zu schützen.

Bei den Importen zeigt sich, dass das Wachstum vor allem bei Fahrzeugen (+17,2 Prozent) und Energieträgern (+8,3%) zu finden war. Bei den Fahrzeugen hat – vor allem bei den PKW – das Volumenwachstum stark zugelegt. Bei den Energieträgern war der Anstieg hauptsächlich auf Preiserhöhungen und Wechselkursveränderungen zurückzuführen. Das Volumen hingegen stagnierte.

Unter dem Strich zeigt sich auch, dass trotz des starken Frankens Inflation aus dem Ausland importiert wird. Bei den meisten Warenkategorien sind die durchschnittlichen Einfuhrpreise (in Franken gemessen) gestiegen. So belief sich die importbedingte Teuerung im dritten Quartal 1,3 Prozent.

Dennoch sind die Zahlen alles in allem ein positives Signal für die Schweizerische Nationalbank (SNB). Im Gegensatz zu früheren Jahren (Stichwort Frankenschock) scheint die aktuelle Frankenstärke die Exportindustrie weniger in Mitleidenschaft zu ziehen.

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