Geldanlagen

Höhere Zinsen: Folgen für Konten und Obligationen

Weltweit kontern Notenbanken die steigenden Inflationsraten mit immer höheren Leitzinsen – teilweise mit «Jumbo»-Schritten. Was heisst das für Barmittel auf Konten und werden Obligationen jetzt wieder attraktiv?

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
21. September 2022

Im Kampf gegen die immer höhere Inflation setzen Notenbanken teilweise Zinsschritte in der Grössenordnung von 75 Basispunkten oder sogar mehr um. 

Am Markt sind diese Schritte zu einem grossen Teil bereits eingepreist. Marktteilnehmer gehen zum Beispiel davon aus, dass die Zinsen in den USA im ersten Halbjahr 2023 mit 4,5 Prozent ihren Höchststand erreichen werden.

Das fast ruckartige Gegensteuern der Geldpolitik hat jüngst zu einem starken Anstieg der Kapitalmarktzinsen geführt. Das hat die Kurse von Obligationen stark belastet – ihr Effekt als Diversifikations-Mittel wie etwa zu Aktien wurde vorübergehend ausgehebelt. Das dürfte sich ändern. So sind die Verfallrenditen von Obligationen heute schon deutlich höher als noch vor einem Jahr (siehe Grafik). 

Hierzulande wie weltweit markieren die Zinsen laufend neue Zehnjahreshöchststände. Anlegerinnen und Anleger profitieren davon – gleichzeitig dürften Obligationen ihre Funktion als Diversifikations-Mittel in einem ausgewogenen Wertschriftendepot künftig wieder besser erfüllen.

Zudem: Schon bei einem eher tiefen Zinsniveau wie heute generiert eine Anlage in Obligationen ein Einkommen, das bei einer Jahresinflation von 1,5 Prozent die reale Kaufkraft über die Zeit in etwa erhalten oder leicht übertreffen könnte.

Anders ist es, wann man Barreserven auf Konten hortet, wo es derzeit kaum mehr als 0,1 Prozent Zins pro Jahr gibt. Weil die Teuerung höher ist als der Zinsertrag, verliert das Geld laufend an Wert. Bei einer Teuerung von 1,5 Prozent pro Jahr – das entspricht dem langfristigen Durchschnitt – verlieren Sparerinnen und Sparer über 5 Jahre bereits knapp 7 Prozent an Kaufkraft.

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