Geldanlagen

Fünf wirtschaftliche Entwicklungen, die Mut machen

Die Börsen haben seit Anfang Jahr deutlich nachgegeben. Dennoch gibt es viele Entwicklungen, die eigentlich positiv für die Zukunft stimmen sollten. Das sind die fünf Highlights im Überblick. 

Markus Lackner

Leiter Research
Publiziert am
17. August 2022

1. So wenig Arbeitslose wie schon lange nicht mehr

Der Arbeitsmarkt in den USA zeigt sich in Hochform. Im Juli wurden viel mehr neue Stellen ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen als prognostiziert. Erwartet wurden 250'000 neue Jobs, tatsächlich waren es aber 528'000 neue Stellen. Das war zugleich der grösste Stellenzuwachs der vergangenen fünf Monate und über alle Sektoren breit abgestützt. Damit ist die Beschäftigung wieder auf dem Stand wie vor der Pandemie im Februar 2020.

Auch die Arbeitslosenquote ging im Juli weiter zurück. Mit 3,46 Prozent liegt diese nun sogar unter dem Stand vor der Pandemie. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit auf den tiefsten Stand seit Mai 1969 gefallen – und dies alles trotz Inflation und Rezessionssorgen. Der Arbeitsmarkt gilt zwar als nachlaufender Konjunkturindikator. Das heisst, dass eine wirtschaftliche Flaute sich erst mit Verzögerung im Arbeitsmarkt zeigt. Dass derzeit in den USA der Arbeitsmarkt derart boomt, überrascht aber sogar die Ökonomen.

Aber auch in der Schweiz läuft der Arbeitsmarkt heiss, auch wenn noch keine Überhitzung droht. Im Juli verharrte die Arbeitslosenquote bei tiefen 2 Prozent. Das ist so tief wie letztmals vor zwanzig Jahren. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote hierzulande bei 2,8 Prozent.

2. Die Unternehmensgewinne sprudeln weiter

Die aktuell laufende Zahlensaison zum ersten Halbjahr 2022 zeigt: Vielerorts läuft das Geschäft auf Hochtouren. Mehrheitlich haben die Unternehmen die an sie gestellten Erwartungen übertroffen. Das zeigen Daten zum S&P-500-Index, nachdem über 90 Prozent der Gesellschaften Einblick in die Geschäftszahlen gewährt haben. Das durchschnittliche Gewinnwachstum betrug fast 9 Prozent, mehr als drei Viertel der Unternehmen lagen mit ihren Zahlen über den Erwartungen. Zudem wurde der erwartete Gewinnzuwachs für 2022 und 2023 nur geringfügig nach unten korrigiert. Für das Jahr 2024 wird mit einem weiteren Gewinnsprung von rund 8 Prozent zum Vorjahr gerechnet. 

Alle Sektoren im S&P-500-Index haben deutlich positiv überrascht, von Kommunikation (65% der Ergebnisse über den Erwartungen) bis hin zu Technologie, Energie und Immobilien (bis zu 87% positive Überraschungen). Im Schnitt lag die Quote der Ergebnisse, die über den Prognosen ausfielen, bei 80 Prozent. Auffällig ist, dass sich weder die Unsicherheiten rund um die Konjunktur noch die Zinssorgen bislang spürbar negativ auf die Unternehmen ausgewirkt haben. 

3. Dividendenrenditen sind attraktiver geworden

Seit Anfang Jahr haben die Aktienkurse in der Schweiz um gut 12 Prozent nachgegeben, zwischenzeitlich waren es gar gegen 20 Prozent gewesen. Das hat viele Anlegerinnen und Anleger verunsichert. Wer aber Aktien mit attraktiven Dividendenrenditen sucht, ist in diesem negativen Umfeld vielerorts fündig geworden.

Denn je tiefer der Aktienkurs sinkt, desto höher steigt die Dividendenrendite – vorausgesetzt, dass das Unternehmen die Ausschüttungen nicht kürzt. Denn die Dividendenrendite errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen Dividenden und Aktienkurs.

Aktuell werfen im Schweizer Aktienuniversum von den rund 220 gelisteten Unternehmen fast ein Fünftel eine Dividendenrendite von 4 Prozent oder höher ab. Das ist eine attraktive Zusatzrendite zu den Kursgewinnen. Wenn man diese jeweils direkt nach der Auszahlung wieder in die entsprechende Aktie investiert, profitiert der Anleger zudem vom Zinseszinseffekt.

Allerdings gilt es vor dem Kauf genau hinzuschauen: Die Höhe der Dividende hängt in der Regel vom Geschäftsgang des Unternehmens ab. Sinkt der Gewinn, wird auch eine geringere Summe an die Anleger ausgeschüttet – und somit sinkt auch die Dividendenrendite. Wer also vom Dividendenreigen profitieren möchte, sollte in Unternehmen investieren, die auch in der Vergangenheit relativ schadlos durch wirtschaftliche Krisen gekommen sind.

4. Rohstoffpreise haben deutlich korrigiert

Die Zeit der rekordhohen Rohstoffpreise ist vorerst vorüber. Nachdem viele von ihnen zu Beginn des Jahres richtiggehend explodiert waren, sind sie in den vergangenen Wochen wieder deutlich zurückgekommen. Tiefere Rohstoffpreise tragen dazu bei, dass die Herstellung vieler Güter und Dienstleistungen wieder günstiger wird. Hier ein paar Beispiele.

Rohöl: Noch im Februar kostete ein Fass Rohöl (159 Liter) der Sorte Brent fast 130 Dollar. Das trieb vielerorts die Benzinpreise in die Höhe. Heute notieren die Preise deutlich unter 100 Dollar – ein Rückgang von rund einem Viertel.

Kupfer: Der Kupferpreis ist einer der Gradmesser für die globale Konjunktur. Im Laufe der Pandemie hat der Kurs für Kupfer-Futures in Erwartung einer schnellen wirtschaftlichen Erholung deutlich überschossen. Im März dieses Jahres wurde ein Rekordwert von 10'800 Dollar je Tonne bezahlt. Inzwischen ist auch der Kupferpreis zurückgekommen – um ebenfalls 25 Prozent auf rund 8100 Dollar.

Eisenerz: Bereits im vergangenen Jahr erreichten die Notierungen für eine Tonne Eisenerz Rekordhöhen. Im Juli 2021 wurden bis zu 220 Dollar bezahlt – als die Konjunktur in vielen Teilen der Welt viel runder lief und sich in Europa noch kein bewaffneter Konflikt abspielte. Heute kostet eine Tonne Eisenerz noch die Hälfte davon – rund 110 Dollar. Zu den Endprodukten von Eisenerz gehört hauptsächlich Stahl. Stahl wiederum ist eine der am häufigsten verwendeten Materialien im Bauwesen und bei der Herstellung von Fahrzeugen sowie vielen anderen Gegenständen.

Gleichzeitig sind auch die zeitweise exorbitant hohen Frachtkosten wieder nach unten gekommen. Zeitweise haben sich die Kosten für die Schiffstransporte von China nach Europa fast verzehnfacht.

5. Starker Franken hilft der Schweiz

Der Franken ist in den vergangenen Monaten wieder deutlich stärker geworden. Doch im Gegensatz zur Eurokrise vor gut zehn Jahren beeinträchtigt dies die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Industrie kaum. Das liegt vor allem daran, dass die Frankenstärke eher darauf beruht, dass der Euro deutlich schwächelt.

Während der Euro in den vergangenen zwölf Monaten über zehn Prozent an Wert zum Franken eingebüsst hat, ist der US-Dollar zum Franken leicht stärker geworden. Diese gegensätzliche Entwicklung hilft vielen Schweizer Exportunternehmen, unter dem Strich den Währungsnachteil in Grenzen zu halten. Unterstützend wirkt auch, dass sich die Schweizer Industrie in den vergangenen Jahren fit trimmen musste, um trotz des erodierenden Euro-Kurses wettbewerbsfähig zu bleiben. Das kommt ihr nun zugute.

Gleichzeitig profitiert die Schweiz davon, dass dank des starken Frankens hierzulande die Inflation deutlich weniger hoch ausfällt als im Ausland. Im Juli verzeichnete die Schweiz eine Inflationsrate von 3,4 Prozent, im Euroraum liegt sie bei 8,9 Prozent, in den USA bei 8,5 Prozent. Ein starker Franken dämpft also den Preisauftrieb. Zusätzlich ist die Abhängigkeit der Schweiz von Öl und Gas kleiner. Beide Effekte machen sich nun bezahlt.

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