Geldanlagen

Ein Ausblick auf das Anlagejahr 2023

Die Weltwirtschaft wird dieses Jahr weniger stark wachsen. Die schwächere globale Nachfrage hilft aber, die Teuerung einzudämmen. Für Anlegerinnen und Anleger ergeben sich daraus neue Chancen.

Christoph Sax

Chief Investment Officer
Publiziert am
04. Januar 2023

An den Börsen macht sich wieder etwas mehr Zuversicht breit. Im vierten Quartal des letzten Jahres konnten zumindest die Aktien einen Teil des erheblichen Jahresverlustes wieder wettmachen. Einzig Obligationen verloren weiter leicht an Terrain. Das lag daran, dass die Notenbanken die Zinsen weiter anhoben. Aktien hingegen orientieren sich mehr an den langfristigen Zinsen.

Diese tendierten zuletzt seitwärts. Doch was erwartet nun die Anlegerinnen und Anleger in diesem Jahr? Die jüngsten Konjunkturdaten zeigen, dass die Inflationsbekämpfung der Notenbanken eine erste Wirkung zeigt. Sowohl in den USA wie in der Eurozone liegt die Teuerung unter den Höchstwerten (vgl. Grafik).

Gegen Sommer dürften die Inflationsraten rascher abnehmen. Deshalb werden die Notenbanken in den kommenden Quartalen behutsamer vorgehen und abwarten, wie sich die geldpolitische Straffung auswirkt. Das zeigt sich auch an den Zinsprognosen der Marktteilnehmer. Sowohl in den USA wie in der Eurozone dürfte der Höhepunkt des Zinserhöhungszyklus Mitte Jahr erreicht werden.

Am Markt werden bereits in der zweiten Hälfte des Jahres erste Zinssenkungen erwartet. Das geht einher mit einer wirtschaftlichen Abkühlung, die von den Notenbanken gewollt ist. Denn nur so lässt sich der Preisauftrieb bremsen. Die Eurozone dürfte in eine leichte Rezession rutschen, für die USA wird für 2023 ein Miniwachstum von 0,3 Prozent erwartet. Bereits nächstes Jahr dürfte sich die Entwicklung der grossen Wirtschaftsräume wieder etwas normalisieren.

Aktien: Für die Aktienmärkte sind dies grundsätzlich positive Vorzeichen. Zwar stehen noch nicht alle Ampeln auf Grün, aber die Aussichten haben sich für die Anleger verbessert. Denn mit der starken Kurskorrektur der vergangenen Monate haben die Finanzmärkte die schlechteren Aussichten für die Wirtschaft weitgehend vorweggenommen. Und die Börsen setzen meist schon am Anfang einer Rezession zur Erholung an. Deshalb dürfte 2023 ein besseres Anlagejahr werden als 2022. Bei den Aktien könnten jene Werte ein Comeback erleben, die unter dem Anstieg der Zinsen besonders gelitten haben.

Mit den markanten Kurseinbussen bei diesen Titeln hat der Markt auch tiefere Gewinnmargen vorweggenommen. Börsenkotierte Unternehmen können einen moderaten Rückgang der Profitabilität verkraften. Denn sie haben ihre Margen während der Pandemie kräftig ausgedehnt, in dem sie die weltweite Knappheit an Waren ausgenutzt haben, um ihre Preise zu erhöhen. Dieser Margendruck dürfte voraussichtlich bald nachlassen.

Obligationen: Auch bei Obligationen und breit gefassten Portfolios mit Aktien und Obligationen gibt es eine ermutigende Perspektive – auch wenn die langfristigen Zinsen in der ersten Jahreshälfte womöglich nochmals etwas anziehen, falls die Teuerung nur zögerlich nachlassen sollte. Der Trend scheint hingegen klar: Ab Mitte Jahr dürfte sich das Zinsniveau stabilisieren.

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