Geldanlagen

Drittquartalszahlen bringen positive Überraschungen

Im dritten Quartal haben in den USA mehr Firmen die Erwartungen übertroffen als im langjährigen Durchschnitt. Für die kommenden Quartale ist dennoch Vorsicht angesagt. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
23. November 2022

Die Unternehmen in den USA haben im dritten Quartal vielfach die Erwartungen übertroffen. Bis Ende vergangener Woche haben 95 Prozent der im S&P 500 gelisteten Unternehmen ihre Ergebnisse für die Zeit von Juli bis September 2022 publiziert. 70 Prozent haben mit ihren gemeldeten Gewinnen die Analystenschätzungen übertroffen, 26 Prozent haben die Erwartungen verfehlt.

In einem typischen Quartal schlagen 66 Prozent der Unternehmen die Prognosen, 20 Prozent verfehlen sie. Dennoch kann der im Frühling erwartete Gewinnzuwachs für das laufende und das kommende Jahr wohl nicht erfüllt werden.

Damals waren die Analysten davon ausgegangen, dass die Unternehmensgewinne vom Vor-Pandemie-Niveau bis 2023 um über 50 Prozent klettern. Nun dürfte es ein Jahr länger dauern, bis dieser Gewinnanstieg erreicht wird.

Nichtsdestotrotz zeigte sich im dritten Quartal, dass sich viele Firmen im widrigen Umfeld gut halten. So konnten viele von ihnen die Preise erhöhen und damit der drohenden Margenerosion entgegenwirken. Finanzwerte wiederum konnten durch die in den USA steil gestiegenen Zinsen ihre Zinsmargen steigern.

Getragen wurden die Quartalsergebnisse hauptsächlich vom Energiesektor. Er verzeichnete einen Gewinnsprung von 140 Prozent. Das wirkte sich stark auf den Index aus, obschon Energie im S&P 500 nur mit 5 Prozent vertreten ist. Ohne Energiewerte wären die Gewinne der übrigen 477 Unternehmen gar rückläufig gewesen. Am deutlichsten zeigte sich der Gewinneinbruch im Kommunikationssektor mit einem Minus von fast 30 Prozent.

Für die kommenden Quartale dürfte sich das Gewinnwachstum etwas eintrüben. Für das erste Halbjahr 2023 wird noch mit einem Plus im tiefen einstelligen Bereich gerechnet – auch wegen eines deutlich geringeren Beitrags des Energiesektors. Angesichts des schwierigen Umfelds mit hoher Inflation, steigenden Zinsen und geopolitischen Unwägbarkeiten haben viele Unternehmen einen sehr zurückhaltenden Ausblick für die kommenden zwei Quartale gegeben.

Das mag kurzfristig die Börsenstimmung etwas belasten, kann aber mittelfristig die Chancen für Überraschungen erhöhen.

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