Geldanlagen

Die Wirtschaftslage ist robuster als erwartet

Die Wirtschaftsleistung ist in den USA und der Eurozone im dritten Quartal stärker gewachsen als angenommen. Das könnte darauf hindeuten, dass der befürchtete Abschwung in den kommenden Monaten weniger deutlich ausfällt.

Christoph Sax

Chefökonom
Publiziert am
02. November 2022

Die Wirtschaft trotzt weiterhin dem anspruchsvollen Umfeld. Im dritten Quartal ist vielerorts das Wirtschaftswachstum besser ausgefallen, als es die vorlaufenden Stimmungsindikatoren erwarten liessen.

Der befürchtete Abschwung hält sich bislang in Grenzen. So legte das Bruttoinlandprodukt (BIP) zwischen Juli und September in den USA um 0,7 Prozent zu, nachdem die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr rückläufig war. Auch die Eurozone konnte sich noch knapp im Wachstumsbereich halten.

Für die Schweiz liegen die Daten zum dritten Quartal noch nicht vor. Sie werden erst am 29. November publiziert. Im ersten und zweiten Quartal des Jahres hatte die Schweizer Wirtschaft jeweils um 0,3 Prozent zulegen können. Gestützt wurde dieses hauptsächlich vom privaten Konsum.

Auch in anderen Regionen hält sich die inländische Nachfrage solide. Aufgrund der vorliegenden Daten ist zumindest in den USA vorläufig kein Rückfall in eine Rezession zu befürchten. Die relativ starke Verfassung der US-Wirtschaft stützt sich derzeit vor allem auf den Aussenhandel. Aber auch der Privatkonsum expandierte weiter – trotz der stark gestiegenen Preise. Dienstleistungen waren besonders gefragt.

Für die Eurozone sind noch keine Details zu den BIP-Daten verfügbar. Es deutet aber vieles darauf hin, dass der private Konsum auch in Europa weiter zugelegt hat. In der Eurozone dürfte im laufenden Quartal das Wirtschaftswachstum nachgeben. Der Rückgang wird sich voraussichtlich aber in engen Grenzen halten. Die Chancen stehen gut, dass der Abschwung geringer als befürchtet ausfällt. Die Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank haben die Wirtschaft bislang nur moderat gehemmt. 

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