Geldanlagen

Die US-Notenbank wird den Leitzins nochmals anheben

Die amerikanische Wirtschaft zeigt sich weiterhin stark. Das fordert die US-Notenbank Fed. Die monatliche Einschätzung von VZ-Anlagechef Christoph Sax.

Christoph Sax
Chief Investment Officer
Publiziert am
12. Juli 2023

In den letzten Wochen sind die Dollar-Zinsen über alle Laufzeiten gestiegen. Es zeichnet sich ab, dass die US-Notenbank den Leitzins nochmals anheben muss, weil der Inflationsdruck zögerlicher nachlässt als erhofft. Grund dafür ist die anhaltend hohe Nachfrage im Dienstleistungssektor.

Die privaten Haushalte zehren noch immer von grosszügigen staatlichen Stützungsmassnahmen während der Pandemie. Subventionen zur Stärkung des Werkplatzes USA befeuern zudem die Investitionstätigkeit und stützen den Bausektor. Die grossen Halbleiterproduzenten planen Investitionen in US-Produktionsstätten im dreistelligen Milliardenbereich. Die wachstumsstützende Wirtschafts- und Fiskalpolitik erfordert auf der Gegenseite einen stärkeren Straffungskurs der Notenbank zur Kontrolle der Inflation.

Solide US-Wirtschaft

Die US-Wirtschaft expandiert noch immer relativ stark. Die Konjunktur dürfte sich aber schrittweise abschwächen. Der starke Zinsanstieg wird mittelfristig auch in den USA eine Rezession zur Folge haben. Allzu stark dürfte der konjunkturelle Einbruch jedoch nicht ausfallen.

Etwas weiter fortgeschritten ist der Konjunkturzyklus in Europa. Gemäss neusten Daten ist die Wirtschaftsleistung der Eurozone seit dem 4. Quartal 2022 leicht rückläufig. Vor allem in Deutschland bleiben die Aussichten verhalten. Die Eurozone dürfte vorerst höchstens stagnieren.

Schweiz als Inflationsinsel

In der Schweiz ist die Teuerung in der ersten Jahreshälfte überraschend schnell gesunken. Sie notierte im Juni noch bei 1,7 Prozent und damit wieder im Zielbereich der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die SNB wird den Leitzins voraussichtlich aber nochmals anheben, weil steigende Mieten und eine weitere Erhöhung der Strompreise die Teuerung erneut anheizen werden. Dank der niedrigen Teuerung wird die Kaufkraft hierzulande weniger geschmälert als in der Eurozone. Demensprechend dürfte sich der Privatkonsum in der Schweiz auch etwas dynamischer entwickeln und die Konjunktur stützen. Die Vorlaufindikatoren zeigen für die Schweiz vorerst ein unterdurchschnittliches Wachstum an.

Investoren bleiben zuversichtlich

Die Inflationsraten sind weltweit rückläufig. Vielerorts dürften sie aber frühestens Ende 2024 wieder unter 2 Prozent fallen. Die Geldpolitik bleibt deshalb restriktiv. Leitzinssenkungen sind bis auf weiteres nicht zu erwarten. Was die gegenwärtige geldpolitische Straffung jedoch von anderen Zinswenden unterscheidet, ist das proaktive Eindämmen von Systemrisiken durch den Staat. In den USA hat der Staat die Kosten der Bankeninsolvenzen übernommen und den Finanzmärkten damit gewisse Sicherheiten gewährt. Dadurch verringert sich auch das Risiko einer Wirtschaftskrise. Die Stimmung an den Börsen blieb deshalb freundlich – den höheren Dollar-Zinsen zum Trotz.

Fazit

  • Einige Bereiche der US-Wirtschaft expandieren noch immer kräftig.
  • Das Fed wird den Leitzins deshalb weiter anheben.
  • Die staatliche Eindämmung von Systemrisiken stützt das Investorenvertrauen.