Geldanlagen

Die Inflationszahlen normalisieren sich allmählich

Die Inflation flacht sich vielerorts ab. Das könnte eine positive Signalwirkung für die Notenbanken und die Börse haben. 

Christoph Sax
Chief Investment Officer
Publiziert am
15. November 2023

Im Oktober ist die Jahresteuerung mehrheitlich weiter gesunken. Sie nähert sich schrittweise dem langjährigen Zielbereich der Notenbanken von 2 Prozent (vgl. Grafik). Für die Notenbanken verringert sich dadurch der Bedarf, die Leitzinsen weiter anzuheben.

Bereits Mitte 2024 könnten erste Leitzinssenkungen erfolgen – was wiederum wichtig für Anlegerinnen und Anleger ist, da die Zinserwartungen die Kurse von Aktien und Obligationen massgebend beeinflussen. Das VZ hat die Daten und Aussichten für die Eurozone, die Schweiz und die USA zusammengefasst:

Eurozone
Die Gesamtinflation ist im Oktober deutlich von 4,3 auf 2,9 Prozent gefallen. Sie notiert damit nur noch unweit des Inflationsziels der EZB von 2 Prozent. Die Kerninflation, welche die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert, ging von 4,5 auf 4,2 Prozent zurück. Zu beachten ist, dass es sich erst um provisorische Werte handelt und keine Detailinformationen zu einzelnen Komponenten enthält. Der Rückgang war durch einen starken Basiseffekt begünstigt, der sich über den Winter abschwächen wird. Das heisst, dass die Teuerung im November und Dezember nicht in diesem Tempo weiter fallen dürfte, wahrscheinlicher ist ein Seitwärtstrend bis zum Jahresbeginn.

Der starke Rückgang der Teuerung im Oktober ist dennoch eine gute Nachricht für die Europäische Zentralbank (EZB). Die Währungshüter werden die Zinsen mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr weiter anheben. Stattdessen könnte sie die EZB bereits im zweiten Quartal 2024 erstmals wieder senken. Das ist deutlich früher, als ursprünglich erwartet wurde.

Schweiz
Im Gegensatz zur Eurozone ist die Teuerung in der Schweiz von 1,6 auf 1,7 Prozent gestiegen. Der Anstieg ist vor allem den Kerngütern zuzuschreiben. Er dürfte auch mehrheitlich saisonale Gründe haben. So haben sich unter anderem Heizöl und Winterkleider verteuert. Es ist davon auszugehen, dass auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) an ihrer nächsten Sitzung im Dezember die Zinsen nicht weiter erhöht.

USA
Die Inflation ist im Oktober mit 3,2 Prozent knapp tiefer als erwartet ausgefallen. Das hat am Dienstag eine kleine Rally an den Finanzmärkten ausgelöst. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist um 0,20 Prozentpunkte gefallen, der Aktienindex S&P 500 legte fast 2 Prozent zu. Seit Jahresanfang liegt der Index in Franken gerechnet fast 15 Prozent im Plus. Der Rückgang der Teuerung in den USA stärkt die Zuversicht, dass die Zinsen im Dollar – der globalen Leitwährung - nicht weiter angehoben werden müssen. Die jüngsten Makrodaten entsprechen dem, was die US-Notenbank anstrebt: Der ausgetrocknete Arbeitsmarkt schwächt sich ab und die Teuerung lässt nach.

Folgen für Anlegerinnen und Anleger
Der jüngste Aufschwung an den Märkten zeigt, wie schnell sich die Stimmung der Anleger ändern kann. In den vergangenen Monaten drückte die Angst vor weiteren Zinserhöhungen auf die Aktienkurse. Sobald sich diese Furcht in Hoffnung auf Zinssenkungen wandelt, reagieren die Finanzmärkte äusserst positiv. Sollte sich bewahrheiten, dass der Zinsgipfel erreicht ist und die Zinsen mittelfristig wieder etwas sinken werden, dürfte sich das positiv auf die Börse auswirken.

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