Geldanlagen

Die Inflationserwartungen sind im Sinkflug

Es mehren sich die Anzeichen, dass der Höhepunkt der Inflation überschritten ist. Das sind gute Nachrichten für die Finanzmärkte. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
17. August 2022

Die Finanzmärkte zweifeln zunehmend an, dass die Phase mit hohen Inflationsraten lange anhalten könnte. Als Grundlage dienen ihnen Daten der New York Fed. Diese führt monatlich detaillierte Umfragen bei US-Konsumenten durch. Dabei sammelt sie Informationen über einen breiten Bereich von Erwartungen – von Ein-kommen über Häuserpreise und Jobverlustrisiken bis hin zu Chancen auf eine Anstellung.

Nun zeigt sich, dass vor allem die Erwartungen von weiter steigenden Nahrungsmittel- und Benzinpreisen – zwei der wichtigsten Treiber der Inflation – so deutlich gesunken sind wie noch nie seit Erhebungsbeginn im Juni 2013. Auch die Erwartungswerte für die Inflation ist gesunken. So gehen die Befragten davon aus, dass die Teuerungsrate in drei Jahren noch bei knapp über 3 Prozent liegt, in fünf Jahren bei 2,3 Prozent. Dies würde wieder in der Nähe des langfristigen Inflationsziels der US-Notenbank von 2 Prozent liegen.

Auch in der Gegenwart kommen von der Inflationsfront wieder mehr positive als negative Nachrichten. Im Juli ging in den USA die Inflation starker als erwartet zurück – von 9,1 auf 8,5 Prozent im Jahresvergleich. Diese Entwicklung ist als äusserst positiv zu werten. Interessant ist, dass die Preise für Hotelübernachtungen und Flugpreise zuletzt rückläufig waren.

Diese zwei Komponenten der Inflationsberechnung sind von Bedeutung, weil sich diese bis Mai übermässig stark verteuert hatten und mithalfen, die Teuerung anzufeuern. Beide Faktoren dürften für den weiteren Verlauf der Inflations-Kernrate (ohne Energie und Lebensmittel) eine wichtige Rolle spielen.

Auch in zahlreichen anderen Bereichen gibt es Anzeichen, dass sich die Teuerung allmählich abkühlt. Die für den Hausbau benötigten Materialien haben sich deutlich vergünstigt. Bauholz kostet heute noch rund die Hälfte wie noch vor wenigen Monaten. Aber auch die für die Industrie und den Fahrzeugbau gesuchten Rohstoffe wie Aluminium und Stahl sind deutlich billiger geworden. Eine wesentliche Entlastung sieht man auch bei den Container-Frachtraten von Asien nach Europa. Diese Preise hatten sich seit vergangenem Jahr zwischenzeitlich verzehnfacht – nun haben sie sich wieder um einen Drittel vergünstigt.

Angesichts dieser Entwicklungen wird es je länger je wahrscheinlicher, dass die US-Notenbank bei ihrer Sitzung im September der Leitzins nicht wie aktuell erwartet um 75 Prozentpunkte erhöht, sondern lediglich um 50. Sollten die Wirtschaftsdaten in den kommenden Wochen dies bestätigen, könnte sich die Börsenerholung fortsetzen.

Informieren Sie sich jede Woche über die neuesten Entwicklungen an den Finanzmärkten:

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Positive Konsumentenstimmung

Die Konsumentenstimmung in den USA ist im August deutlich besser ausgefallen, als von Ökonomen eingeschätzt wurde. Das Barometer, das die Stimmung wiedergibt, ist von 51,1 auf 55,1 Zähler gestiegen. Die dafür befragten Experten hatten lediglich einen Anstieg auf 52,5 Zähler erwartet. Zudem schätzen die Konsumenten die Aussichten für die kommenden Monate deutlich besser ein als noch im Vormonat. Allerdings liegen diese Werte im langfristigen Kontext auf einem äusserst tiefen Niveau.

Hohe Teuerung in Grossbritannien

Noch keine Besserung bezüglich Inflation ist im Vereinigten Königreich in Sicht. Für August wird eine Teuerungsrate von 10,1 Prozent angegeben. Das ist zugleich der höchste Anstieg seit über 40 Jahren. Angetrieben wird die Inflation vor allem durch höhere Nahrungsmittelpreise.

Schwache Daten aus China

Wichtige Wirtschaftsdaten sind im Juli hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nicht nur das Wachstum der Einzelhandelsumsätze hat sich verlangsamt, auch die chinesische Industrieproduktion legte weniger zu als prognostiziert. Um der Wirtschaft neuen Schwung zu geben, hat Chinas Zentralbank überraschend die Zinsen leicht gesenkt.