Geldanlagen

Die Inflation bildet sich auch in Europa zurück

In den vergangenen Monaten war die Teuerung in den USA rückläufig, nun folgt auch die Eurozone dieser Entwicklung. Das ist positiv zu werten. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
07. Dezember 2022

Nun zeigt sich auch in der Eurozone, dass die Inflationsraten ihren Höhepunkt überschritten haben könnten. Die Daten für November zeigen erstmals seit längerer Zeit eine sichtbare Verlangsamung der Teuerung. Nach 10,7 Prozent im Oktober ist die Inflation nun auf 10,0 Prozent zurückgekommen. Diese Schrumpfung beruht auf langsamerem Kostenwachstum für Energie und Dienstleistungen.

Zwar sind die Inflationsraten noch immer hoch, aber es lässt die Hoffnung aufkommen, dass sich die Inflation auch in den kommenden Monaten weiter zurückbilden könnte. Auch die Kerninflation, bei der die volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise herausgerechnet werden, hat stagniert. Es zeigt sich, dass sich zumindest der Inflationsdruck nicht verstärkt hat, was auch ein positives Zeichen ist.

Die Inflation hat sich im November in allen Ländern der Eurozone zurückgebildet, am deutlichsten waren die Rückgänge in Spanien, den Niederlanden und Belgien, die im November 2021 besonders starke Teuerungsschübe erfahren hatten.

Trotz der positiven Entwicklung darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Daten eines einzigen Monats noch nicht wegweisend sind. Erst wenn die Richtung in den kommenden Monaten bestätigt wird, dürfte sich an der Zinsfront eine allmähliche Entspannung einsetzen.

Dennoch spielen die aktuellen Inflationszahlen eine wichtige Rolle. Nächste Woche halten die US-Notenbank (14. Dezember) und die Europäische Zentralbank (EZB, 15. Dezember) ihre Zinssitzungen ab. Eine abnehmende Inflationsdynamik könnte durchaus eine wichtige Rolle für das Entscheidungsgremium der EZB spielen. Aktuell gehen die Märkte von einem mittelgrossen Zinsschritt von 0,5 Prozentpunkten aus, ein grösserer Schritt ist weniger wahrscheinlich geworden – ein Schritt, den die Börsen begrüssen dürften. 

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