Geldanlagen

Der Weltwirtschaftsmotor China schwächelt

Während dreissig Jahren war Chinas konjunktureller Aufstieg zugleich auch der Motor der Weltwirtschaft. Das könnte sich wegen der Pandemie nun ändern – mit einigen Folgen. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
24. August 2022

Die Weltwirtschaft kann sich derzeit nicht mehr alleine auf China abstützen. Während dreissig Jahren war Pekings Aufstieg der Treiber der globalen Konjunktur. Jahrelang glänzte das Land mit zweistelligen Wachstumsraten.

Doch nun schwächelt das ehemalige Wirtschaftswunder – wenn auch mit etwas Verspätung. Denn die chinesische Volkswirtschaft profitierte während der Pandemie davon, dass es zu keinen längeren Schliessungen kam. 2020 wuchs die Wirtschaft um 2,3 Prozent und 2021 gar um 8,1 Prozent. Doch im laufenden Jahr wird China das selbst definierte Wachstumsziel von 5,5 Prozent verpassen.

In den vergangenen Monaten haben Ökonomen die Wachstumserwartungen für China immer mehr nach unten revidiert. Aktuell geht die Konsensschätzung des Finanzdatenanbieters Bloomberg von 3,7 Prozent Wirtschaftswachsum aus. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet gar nur noch mit 3,3 Prozent. Darin spiegelt sich die Null-Corona-Politik, von der Peking nicht abrücken will.

Das Politbüro hatte im Juli bestätigt, dass diese Strategie sowie weitere Regulierungsmassnahmen eine höhere Priorität haben als das Wachstumsziel. Zwar sind in den vergangenen Monaten kleinere Zinssenkungen getätigt worden. Diese hatten aber eher einen symbolischen Charakter. Wirklich signifikante Stimulierungsmassnahmen sind – im Gegensatz zu früheren Krisen – keine geplant.

Wie sich die Null-Covid-Politik mit ihren häufigen Lockdowns auf die Wirtschaft auswirkt, zeigt sich etwa an den Einzelhandelsumsätzen von Juli. Diese wuchsen annualisiert um 2,7 Prozent. Das lag deutlich unter der erwarteten Zunahme von 4,9 Prozent. Auch die Industrieproduktion schrammte deutlich an den Erwartungen vorbei. Diese legte statt 4,6 Prozent lediglich 3,9 Prozent zu. Auch bei den Frühindindikatoren wie dem Einkaufsmanagerindex (PMI) sieht es nicht viel rosiger aus. Dieser wurde im Juli teils unter die Wachstumsgrenze von 50 Zählern gedrückt.

Das zeigt: Unternehmen und Konsumenten werden vorsichtiger. Statt zu investieren oder konsumieren, sparen sie lieber. Zumindest einen Lichtblick bietet die schleppende chinesische Konjunktur. Die Lieferkettenprobleme in China haben sich spürbar entspannt: Während die Häfen dank ihrer Öffnung kein Nadelöhr mehr sind, fallen auch die Kosten für die Container-Verschiffung von Asien nach Europa.

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