Geldanlagen

In der Schweiz werden die Zinsen wohl weiter nach oben gehen

Letzte Woche hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinsen deutlich angehoben. Damit sind Negativzinsen in der Schweiz jetzt Geschichte. Doch wie geht es nun mit den Zinsen weiter – und von was hängt die Entwicklung ab?

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
28. September 2022

Seit einer Woche befindet sich die Schweiz wieder im positiven Zinsbereich. Am vergangenen Donnerstag hatte SNB-Präsident Thomas Jordan die Zinsen in der Schweiz gleich um 0,75 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent angehoben – eine in diesem Umfang ungewöhnliche Massnahme, die aber wegen der immer höher kletternden Inflation erwartet wurde.

Allerdings hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) beim Zinsschritt klar gemacht, dass weitere Erhöhungen wohl folgen werden.

Die bedingte Inflationsprognose – das heisst: bei unverändertem Leitzinssatz – liegt für das kommende Jahr bei 2,4 Prozent. Das liegt noch immer über dem langfristigen Ziel von 2 Prozent. Um die Inflation zu bremsen, liegt es auf der Hand, dass weitere Zinsschritte folgen werden. Aktuell wird davon ausgegangen, dass an der nächsten Zinssitzung der SNB im Dezember ein weiterer Zinsschritt von 0,5 bis 0,75 Prozent beschlossen wird.

Damit würde der Leitzins in der Schweiz auf 1 bis 1,25 Prozent steigen. Im internationalen Vergleich ist dieses Zinsniveau noch immer tief. In den USA dürfte der Leitzins bis Ende Jahr auf 4,25 bis 4,5 Prozent steigen und damit den Höhepunkt des aktuellen Zinserhöhungszyklus erreichen.

Im Euroraum gehen Ökonomen davon aus, dass die EZB den Leitzins bis im Dezember auf 2 Prozent oder noch höher anhebt. Inzwischen ist davon auszugehen, dass die Notenbanken die Zinsen weniger schnell als ursprünglich erwartet ab 2023 wieder senken werden. Der Grund dafür ist die Teuerung, die sich als hartnäckiger als erhofft zeigt.

Erst wenn sich zeigt, dass sich die Zinserhöhungen dämpfend auf die Inflation auswirken, dürften mögliche Zinssenkungen auf den Tisch kommen.

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