Geldanlagen

Der Ausblick auf das kommende Jahr hellt sich auf

Einiges deutet darauf hin, dass die Inflation in den USA den Höhepunkt erreicht hat und sich ab 2023 wieder abschwächt. Das könnte sich auf die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank auswirken. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
19. Oktober 2022

Die derzeitige Nachrichtenlage suggeriert, dass die wirtschaftliche Entwicklung sich überall verschlechtert. Vielerorts sind die Inflationsraten auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten gestiegen, und einigen Ländern droht schon bald eine Rezession.

Wenn man allerdings unter die Oberfläche schaut, zeigen sich doch einige ermutigende Entwicklungen. So hat sich die Gesamtteuerung in den USA zuletzt abgeflacht, wie übrigens auch in der Schweiz.

Zwar liegen die Zuwachsraten noch immer weit über dem langfristigen Inflationsziel von 2 Prozent. Allerdings zeigt sich, dass sich die Treiber der Teuerung allmählich abschwächen. Das lässt sich am Beispiel der Kernteuerung illustrieren. Diese ist in den USA zuletzt wieder leicht angestiegen.

Die Warenpreise entwickelten sich im September jedoch stabil, Bei den Dienstleistungen hielt sich der starke Preisauftrieb hingegen hartnäckig, vor allem im Gesundheitssektor. Wegen einer Eigenheit der Erhebungsmethode dürfte die Teuerung im Gesundheitsbereich aber deutlich überzeichnet sein. In den kommenden Monaten ist davon auszugehen, dass die Preise in diesem Bereich sogar sinken.

Die grosse Frage für die Finanzmärkte ist nun, was dies für die weitere Zinsentwicklung bedeutet. In diesem Zusammenhang ist essenziell, was sich in den USA abspielt. Denn die US-Notenbank ist die wichtigste Zentralbank der Welt. Ihr Kurs ist wegweisend für die globalen Konjunkturaussichten. Da sich Zinserhöhungen erst nach einigen Quartalen in der Wirtschaft niederschlagen und der Teuerungsdruck kleiner wird, besteht die Gefahr, dass die US-Notenbank die Geldpolitik gar zu stark straffen wird.

Es gibt deshalb gute Gründe, die unterstreichen, dass die Inflation spätestens Ende Jahr schneller als erwartet fallen wird. Das würde dazu führen, dass die US-Notenbank den Zinszyklus ab 2023 stark verlangsamen oder gar beenden könnte – mit entsprechend positiven Folgen für die Finanzmärkte.

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Höhere Unternehmenssteuern in Grossbritannien

Nach einer wohl beispielslosen Kehrtwende erhöht die britische Regierung den Unternehmenssteuersatz ab 2023 von 19 auf 25 Prozent. Zusätzlich wird die Absicht für eine Reduktion der Einkommenssteuer definitiv zur Seite gelegt. Das gab Anfang Woche der neue Schatzkanzler Jeremy Hunt bekannt. Sein Vorgänger Kwasi Kwarteng musste sein Amt bereits nach sechs Wochen verlassen, nun verliert auch Premierministerin Liz Truss in ihrer Partei an Unterstützung. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich ein neuerlicher Regierungswechsel abzeichnet.

Lieferkettenprobleme lassen spürbar nach

In den USA lassen die Probleme mit den Lieferketten sukzessive nach. Inzwischen sind die Lager der Gross- und Einzelhändler gut gefüllt. Gleichzeitig normalisiert sich die Nachfrage nach Konsumgütern, nachdem die Pandemie einen Shopping-Boom ausgelöst hatte. Im Weihnachtsgeschäft ist deshalb verstärkt mit Rabatten zu rechnen. Das wird den Inflationsdruck senken.

US-Industrie überrascht positiv

Die nordamerikanische Industrie hat im September ihre Produktion stärker ausgeweitet als erwartet. Im Vergleich zum Vormonat wurde die Fertigung um 0,4 Prozent hochgefahren, Ökonomen hatten nur mit einem halb so grossen Zuwachs gerechnet.

Europäische Zentralbank vor weiterem Zinsschritt

Am kommenden Donnerstag hält die Europäische Zentralbank (EZB) ihre nächste Zinssitzung ab. Erwartet wird ein weiterer Jumbo-Schritt von 0,75 Prozentpunkten. Damit soll der weiterhin galoppierenden Teuerungsentwicklung entgegengewirkt werden. Die Finanzmärkte werden ihre Blicke auch auf die hohen Anleihebestände der EZB werfen. Zur Diskussion steht hier, die auslaufenden Anleihen nicht mehr mit neuen Käufen zu ersetzen.