Pensionskasse

BVG-Reform: Die Debatte geht in die nächste Runde

Im Frühling 2023 berät das Parlament wieder über die berufliche Vorsorge. Zentrale Punkte wie die Senkung des Umwandlungssatzes oder die Absicherung der Frauen dürften zu reden geben.

Jasmin Salmina

Leiterin Legal Services Firmenkunden
Publiziert am
18. Januar 2023

Die steigende Lebenserwartung und die tiefen Anlageerträge belasten die Pensionskassen. Sie sind gezwungen, ihre Umwandlungssätze zu senken. Gleichzeitig verteilen sie jedes Jahr Milliarden von den Aktiven zu den Pensionierten um. Nur so können sie ihre Rentenversprechen überhaupt einhalten.

Die BVG-Reform soll Gegensteuer geben. Doch bei wichtigen Punkten herrscht in Bundesbern Uneinigkeit. Bisher haben National- und Ständerat je einmal über die Vorlage debattiert. In der Frühjahrsession (27. Februar – 17. März 2023) ist nun wieder der Nationalrat dran. Informieren Sie sich schon heute, um was es bei der BVG-Reform geht:

Tieferer Umwandlungssatz

Der Mindest-Umwandlungssatz im Obligatorium ist mit 6,8 Prozent zu hoch. Die Reform will ihn auf 6,0 Prozent senken. Das entspricht einer Rentenkürzung von rund 12 Prozent für alle im Obligatorium versicherte Löhne bis 88'200 Franken. Nach Bundesrat und Nationalrat hat im vergangenen Dezember auch der Ständerat Ja gesagt zur Senkung des Umwandlungssatzes (siehe auch Tabelle weiter unten).

Dieser Mindest-Umwandlungssatz gilt nur für den obligatorischen Teil des Altersguthabens. Im Überobligatorium können die Pensionskassen schon heute deutlich tiefere Sätze anwenden. 

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Bei einer Reihe von Pensionskassen beträgt der Umwandlungssatz für überobligatorische Guthaben zwischen 5 und 5,5 Prozent, bei manchen ist er sogar noch tiefer. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 85 Prozent der Versicherten im Überobligatorium (statt nur im Obligatorium) versichert sind. Für sie dürfte sich nichts ändern, wenn im Obligatorium der gesetzliche Umwandlungssatz sinken sollte.

Ausgleichsmassnahmen

Um den tieferen Umwandlungssatz abzufedern, soll es Kompensationszahlungen geben. Die drei Vorschläge von Bundes-, National- und Ständerat sehen Zuschläge von 100 bis 200 Franken im Monat vor. Umstritten ist aber, wer wie viel bekommt. Der Bundesrat will für nahezu alle künftigen neuen Rentnerinnen und Rentner einen lebenslangen Zuschlag auszahlen. Im Vorschlag des Nationalrates sollen nur die direkt von der Senkung des Umwandlungssatzes Betroffenen einen Rentenzuschlag erhalten. Der Ständerat will die Höhe des Zuschlages von der Höhe des Altersguthabens abhängig machen. Nur wer bei der Pensionierung über ein Altersguthaben von 215'100 Franken oder weniger verfügt, soll den vollen Zuschlag bekommen. 15 Übergangsjahrgänge würden Rentenzuschläge erhalten.

Eintrittsschwelle und Koordinationsabzug

Die Reform verfolgt ein weiteres Ziel: Menschen mit tieferem Einkommen sowie Teilzeitarbeitende – das sind häufig Frauen – sollen besser im BVG abgedeckt werden. Heute sind nur Löhne über 22'050 Franken im Jahr versichert. Das Parlament will diese Eintrittsschwelle auf 12’863 Franken (Nationalrat) respektive 17’640 Franken (Ständerat) reduzieren.

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Mit der Reform soll auch der Koordinationsabzug sinken. Heute sind die ersten 25‘725 Franken Jahreslohn nicht in der zweiten Säule versichert, weil dieser Betrag schon durch die AHV abgedeckt ist. Bundesrat und Nationalrat wollen diesen Koordinationsabzug halbieren. Das Modell des Ständerates will ihn auf 15 Prozent des AHV-pflichtigen Lohnes senken.

Altersgutschriften

Die Lohnbeiträge in die Pensionskasse sollen abgeflacht werden. Für ältere Arbeitskräfte würden tiefere Altersgutschrift gelten. Das soll ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Neu sind zwei Stufen vorgesehen: 9 Prozent Lohnabzug im Alter 25 bis 44 und 14 Prozent von 45 bis 65. Heute gibt es vier Stufen, mit einer Spannweite von 7 bis 18 Prozent.

Die BVG-Reform beinhaltet einige weitere Punkte. Umstritten ist etwa, wie die Ausgleichsmassnahmen finanziert werden sollen oder ab welchem Alter man im BVG versichert sein soll. Die Expertinnen und Experten des VZ haben die unterschiedlichen Vorschläge von Bundes-, National- und Ständerat übersichtlich für Sie zusammengefasst:

Wie geht es weiter?

Die Tabelle macht auch deutlich: Die drei Vorschläge unterscheidet sich in zentralen Punkten. Als nächstes geht die Vorlage zur Differenzbereinigung zurück in den Nationalrat. Ob sich die Politik auf einen Vorschlag wird einigen können, ist ungewiss. Dazu kommt: Es droht das Referendum. Die Vorlage muss also auch vor dem Volk mehrheitsfähig sein.

Warten Sie nicht. Was schon heute klar ist: Die Pensionskassenrenten sinken seit Jahren. Im Merkblatt "So können Sie Ihre Rente retten" erfahren Sie, was Sie dagegen tun können. 

KMU sollten zudem prüfen, ob sie bei der richtigen Pensionskasse sind. Der kostenlose Check vom VZ zeigt, wie es Ihrer Pensionskasse wirklich geht.