Geldanlagen

Aufwind für den Euro

Der Euro hat sich in den letzten Wochen zum Franken wieder gestärkt gezeigt. Doch wie lange hält dieser Höhenflug noch an?

Christoph Sax

Chief Investment Officer
Publiziert am
18. Januar 2023

Der Euro hat in den letzten Wochen erheblich Boden gutgemacht – auch gegenüber dem Schweizer Franken. Die Gemeinschaftswährung notierte zwischenzeitlich erstmals seit Juli wieder über der Parität (1 Franken = 1 Euro). Noch im vergangenen Herbst war der Euro gegenüber dem Franken bis auf 95 Rappen abgerutscht.

Doch was ist der Grund für diese Gegenbewegung, nachdem der Euro zuvor über Jahre hinweg sich zum Franken abgeschwächt hatte? Für Auftrieb sorgten die Aufhellung der Konjunkturperspektiven und die restriktiven Signale der Europäischen Zentralbank (EZB). In Marktkreisen setzt sich zunehmend die Ansicht durch, dass der für dieses Jahr befürchtete Einbruch der Konjunktur in der Eurozone nicht so stark ausfällt wie zunächst prognostiziert.

Die Investoren bevorzugen deshalb vermehrt den Euro gegenüber dem Dollar. Der Euro ist in der Folge auch gegenüber dem Franken erstarkt. Der Aufwärtstrend könnte kurzfristig somit noch mehr Dynamik entwickeln, zumal der Euro-Franken-Kurs noch immer rund 3 Prozent tiefer liegt als vor einem Jahr.

Was die langfristigen Perspektiven des Euro anbelangt, ist weiterhin Vorsicht angebracht. In der Eurozone hält sich die Inflation hartnäckiger als in der Schweiz oder auch in den USA. Die Energieknappheit ist noch nicht überwunden. Sie dürfte das Wirtschaftswachstum in Europa noch länger hemmen. Ausserdem kann die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen nicht beliebig weit erhöhen, ohne ab einem gewissen Niveau die finanzielle Stabilität einzelner Mitgliedstaaten zu gefährden.

Darum kann sie ihr Mandat zur Bekämpfung der Inflation nicht gleich entschlossen wahrnehmen wie die Notenbanken der USA und der Schweiz. Hochverschuldeten Mitgliedstaaten der EU kommt das tendenziell entgegen, weil sie ihre Schulden leichter zurückzahlen können, wenn die Inflation erhöht bleibt.

Aus diesen Gründen könnte es länger dauern als in den USA oder in der Schweiz, bis die Teuerung in der Eurozone in den Zielbereich zurückgeführt ist. Die langfristigen Perspektiven für den Euro bleiben deshalb verhalten.

Informieren Sie sich jede Woche über die neuesten Entwicklungen an den Finanzmärkten:

Weitere Wirtschaftsnews

China wächst stärker als erwartet

Im vierten Quartal 2022 ist China zwar nur 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Allerdings lag dieser Wert über den Erwartungen der Ökonomen. Im Gesamtjahr 2022 legte die chinesische Volkswirtschaft 3,0 Prozent zu. Damit wurde das offizielle Ziel von 5,5 Prozent deutlich verfehlt. Zum Vergleich dazu: 2021 hatte das Wirtschaftswachstum noch 8,4 Prozent betragen. Gemäss Umfragen sollte sich das Wirtschaftswachstum dieses Jahr auf 4,9 Prozent erholen können.

US-Konsumenten in Kauflaune

Die Konsumentenstimmung ist zum Jahresauftakt deutlich besser ausgefallen als erwartet. Das Barometer, das die Konsumentenstimmung misst, stieg im Januar um 4,9 auf 64,4 Zähler. Gemäss der Umfrage bewerten Konsumenten ihre Lage deutlich besser als im Vormonat und blicken auch optimistischer in die Zukunft. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate rechnen sie mit einer Inflationsrate von 4,0 Prozent, aktuell liegt sie bei 6,5 Prozent.

Erwartungen für Deutschland verbessern sich

Finanzexperten erwarten für Deutschland eine verbesserte Konjunkturentwicklung. Der Stimmungsbarometer des ZEW-Instituts stieg erstmals seit fast einem Jahr wieder in den positiven Bereich auf 16,9 Zähler. Es ist zugleich der vierte Anstieg in Folge.

Schweizer Unternehmen wollen mehr investieren

Derzeit ist die Agenda der Führungskräfte geprägt von einem umfassenden Krisenmanagement wegen Energiemangels, Lieferengpässen, Inflation und Arbeitskräftemangel. Trotz teils getrübter Aussichten wollen sie vermehrt in Technologien und ins Personal investieren. Zwei Fünftel der Unternehmen sind zuversichtlich, dass ihre Umsätze in diesem Jahr wachsen würden, das liegt unter dem globalen Durchschnitt. 43 Prozent der befragten Unternehmen sehen in der Inflation das grösste Risiko für die nächsten zwölf Monate.