Geldanlagen

Aktien sind so günstig wie seit Jahren nicht mehr

Es gibt inzwischen zwei gute Argumente für Aktien: Die tiefe Bewertung ist nur das eine, die drohende Rezession das zweite. Das klingt nach einem Widerspruch, ist es aber nicht. 

Rolf Biland

Chief Investment Officer
Publiziert am
05. Oktober 2022

Noch immer liegen Wertschriften wie Aktien oder Obligationen seit Jahresbeginn im tiefroten Bereich. Dennoch hellt sich der Ausblick auf. Denn die fundamentale Lage für Aktien hat sich verbessert. Einiges deutet darauf hin, dass das Schlimmste an der Börse bereits gelaufen sein dürfte.

Dies zeigt sich zum Beispiel an der Entwicklung des Verhältnisses des Aktienkurses zu den geschätzten Gewinnen für das Gesamtjahr 2022 (Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV). Dieses ist mit der Korrektur je nach Region auf eines der tiefsten Niveaus der vergangenen acht bis zehn Jahre gefallen.

Auch in Bezug auf allfällige Rezessionsrisiken in Regionen wie den USA oder der Eurozone sollten sich Anleger nicht unnötige Sorgen machen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Aktien in Rezessionsphasen vor allem in den zwölf Monaten vor sowie in den ersten sechs Monaten nach dem Beginn einer wirtschaftlichen Schrumpfung auf Kursverluste anfällig sind.

Bereits zwölf Monate nach Ausbruch einer Rezession liegen Aktien im Schnitt 7 Prozent im Plus, nach drei Jahren gar 26 Prozent. Eine solche Erholung sollten Anleger auf keinen Fall verpassen. In der aktuellen Phase dürfte offiziell eine Rezession – eine solche dauert im Schnitt zehn Monate – frühestens Anfang des nächsten Jahres ausgerufen werden.

Das deutet darauf hin, dass die Börsen schneller aus dem Tal herausfinden als die Wirtschaft und dass die Aussichten für Anleger im kommenden Jahr deutlich rosiger sein könnten als heute angesichts der geopolitischen Unsicherheiten befürchtet werden.

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