Geldanlagen

Achtung Greenwashing: Bei diesen Behauptungen sollten Anleger hellhörig werden

Oftmals versprechen Banken, dass sich nachhaltiges Geldanlegen positiv auf das Klima auswirkt. Der Beweis dafür lässt sich jedoch nicht erbringen. Das VZ hat diese und andere Behauptungen einem Faktencheck unterzogen.

Manuel Rütsche
Leiter Asset Management
Publiziert am
08. November 2023

Derart kreativ sieht man Banken und Vermögensverwalter selten, wenn es nicht gerade um nachhaltige Anlagen geht. So hat unlängst eine Bank damit geworben, dass man mit ESG-Anlagen «etwas Gutes fürs Klima und die Gesellschaft» tun könne. Denn das Investieren unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien (Abkürzung für die drei Bereiche Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung) wird immer beliebter. Davon wollen sich alle ein Stück abschneiden.

Allerdings ist es der Finanzbranche bis heute nicht gelungen, klare Kriterien zur Messung der nachhaltigen Wirkung von Anlagen einzuführen, die allgemeingültig und unmissverständlich sind. Aus diesem Grund hat der Bundesrat kürzlich seine Bedenken zu Versprechen von ESG-Anlagen wie dem positiven Beitrag für das Klima geäussert.

Er gibt der Finanzbranche noch eine Chance, dass sie sich bis Ende August 2024 eigene Regeln gibt, mit denen sie ihre Kunden vor Grünfärberei (Greenwashing), also von Aussagen, die weder beleg- noch messbar sind, schützen. Das VZ hat kürzlich eine Studie publiziert, in der es einige der häufigsten Behauptungen zu ESG einem Faktencheck unterzogen hat.

VZ-Studie

7 Behauptungen zur nachhaltigen Geldanlage – ein Faktencheck

Die VZ-Studie untersucht, was Anleger beim Investieren mit ESG-Kriterien wissen müssen.

In Bezug auf das eingangs erwähnte Beispiel heisst das: Um zu sagen, dass mit einem Finanzprodukt ein positiver Beitrag für das Klima geleistet wird, müsste eine messbare positive Wirkung erzielt werden – zum Beispiel in Form einer Reduktion von Treibhausemissionen. Allerdings sind solche Veränderungen kaum zu messen.

Auch haben Anlegerinnen und Anleger grundsätzlich keinen direkten Einfluss auf die Emissionen. Sie können allerdings die Tätigkeiten von Unternehmen beeinflussen, die wiederum eine Wirkung auf das Klima haben können. Wie funktioniert das genau? Es gibt dazu drei Möglichkeiten:

  1. Je nachdem, wie ein grosser Investor sein Portfolio zusammensetzt, kann er die Tätigkeit eines Unternehmens beeinflussen. So kaufen nachhaltige Fonds vor allem Aktien von Unternehmen, die gute Nachhaltigkeitseigenschaften aufweisen (z. B. tiefe Treibhausgasemissionen oder hohe ESG-Ratings). Dieser Aktienkauf findet allerdings an der Börse statt. Dabei wird zwar der Aktienkurs des gehandelten Unternehmens beeinflusst, es erhält aber kein zusätzliches Kapital für nachhaltige Investitionen. Zudem ein Aktienkauf keinen direkten Einfluss auf das zukünftige Verhalten der Unternehmen hat.
     
  2. Nachhaltige Fonds können ebenfalls eine aktive Aktionärspolitik ins Spiel bringen. Häufig setzen sie ihr Stimmrecht für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung ein. Zusätzlich können Fonds ihre Nachhaltigkeitsanliegen direkt bei der Unternehmensführung einbringen. Es gibt wissenschaftliche Anhaltspunkte, dass dies zu einer positiven Wirkung führen kann. Jedoch ist die Wirkung auch hier indirekt und daher schwer messbar.
     
  3. Die erhöhte Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen führt auch zu einem stärkeren Interesse an Nachhaltigkeitsthemen. Dies schafft ein grösseres Bewusstsein und trägt zu mehr Informationsfluss im Bereich der Nachhaltigkeit bei. Das wiederum kann die Reputation von Unternehmen positiv oder negativ beeinflussen. Diese sehr indirekten Effekte sind bisher allerdings wenig erforscht und auch kaum messbar.

Zurück zur Frage, ob man durch nachhaltiges Anlegen einen positiven Beitrag für das Klima erzielen kann: Sie ist nicht abschliessend beantwortbar. Wie man sieht, gibt es gute Gründe für die Bedenken des Bundesrates. Werden positive Wirkungen versprochen, aber nicht nachgewiesen, dann es dies Etikettenschwindel.

Im Falle der Nachhaltigkeit hat dieser Etikettenschwindel einen Namen: Greenwashing. Um selbst nicht Opfer von Greenwashing zu werden, sollten Anlegerinnen und Anleger unbedingt hellhörig werden, wenn Banken eine positive Nachhaltigkeitswirkung von Anlagen versprechen. Nicht selten handelt es sich dabei lediglich um Marketingversprechen, die unter anderem dazu dienen sollen, hauseigene, teurere Produkte zu verkaufen.

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