Geldanlagen

Worauf man bei der Wahl einer Bank achten muss

Kein Institut ist in jedem Bereich führend. Deshalb gilt es, bei der Wahl seiner Hausbank ein paar Punkte zu beachten. Die wichtigsten Tipps vom Experten.

Karl Flubacher

Geschäftsleiter Region Nordwestschweiz und Westschweiz

Vom Sparen bis zum Anlegen, von der Vorsorge bis zur Hypothek: Es ist ein grosses Feld, das Banken beim Anbieten von Finanzdienstleistungen anbieten. Umso wichtiger ist es, für sich die wichtigen Punkte zu notieren und davon die Wahl seiner Hausbank abhängig zu machen. Es kann sich deshalb auch lohnen, seine Bankgeschäfte von einem unabhängigen Berater prüfen zu lassen. Oft kann man so jährlich mehrere Tausend Franken einsparen.

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Warum soll ich zu einer günstigeren Bank wechseln?

Weil es sich finanziell auszahlt. Wer Kundin oder Kunde bei einer Bank ist, wird mit einer Vielzahl von Gebühren konfrontiert. Auch bei einem simplen Privatkonto lässt sich mit der passenden Wahl des Anbieters einiges an Geld sparen. Besonders lohnenswert ist ein Gebührenvergleich für jene, die mit Wertschriften handeln. Viele Banken verlangen überhöhte Depotgebühren und Courtagen. Ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter zahlt sich trotz der Transferkosten oft schon im ersten Jahr aus.

Meine Bank empfiehlt mir, ihre eigenen Fonds zu kaufen. Was soll ich machen?

Es kann problematisch sein, wenn eine Bank ihre eigenen Anlageprodukte den Kunden verkaufen will. Das liegt am Interessenskonflikt der Banken. Denn diese verdienen an eigenen Produkten mehr als an solchen von Drittanbietern. Gemäss einer Studie bestehen Depots von Privatanlegern meist zu gut zwei Dritteln aus bankeigenen Fonds. Doch mit steigendem Anteil an hauseigenen Produkten wird die Rendite kleiner.

Lohnt sich ein Sparkonto noch?

Kaum, denn mit Sparkonten lässt sich kein Geld mehr sparen. Banken wälzen immer mehr die negativen Zinsen auf die Sparer ab, zudem werfen Sparkonten pro Jahr meist höchstens noch 0,05 Prozent ab. Bei einem Guthaben von 200'000 Franken entspricht dies gerade mal 100 Franken. Wenn man Inflation, Kontogebühren und Vermögenssteuern berücksichtigt, sind Sparkonten heute sogar ein Verlustgeschäft. Wer langfristig Geld ansparen möchte, sollte sich deshalb nach Alternativen umschauen. Sinnvoller ist es, das Geld regelmässig in einen ETF-Sparplan einzuzahlen.

Merkblatt

Sparen und Anlegen mit ETF

Erfahren Sie in diesem Merkblatt, wie Sie mit ETF Sparen und Anlegen können.

Merkblatt

Tipps zur Säule 3a

Das Merkblatt informiert, wo und wann sich Einzahlungen am meisten lohnen, und wie man am besten vorgeht.

Was ist besser – ein ETF-Sparplan oder ein Fondssparplan?

Heute gibt es verschiedene Varianten, um mit regelmässigen Einzahlungen Gelder anzulegen. Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen gehören die Kosten. Denn hohe Gebühren sind langfristig ein bedeutender Renditekiller. Die meist teure Variante sind Fondssparpläne, die auf aktiv verwaltete Fonds setzen. Sie haben das Ziel, bei der Rendite den Vergleichsindex zu schlagen - was aber in den allerwenigsten Fällen gelingt. Dennoch gehen oft 1,5 Prozent oder mehr an Gebühren weg, und zwar jedes Jahr. Bei ETF-Sparplänen betragen die jährlichen Kosten in der Regel weniger als ein Prozent. ETF wollen keinen Index übertreffen, sondern durch dessen Nachbildung möglichst die Marktrendite erzielen.

Soll man eine Zweitmeinung zum Anlagedepot einholen

Ja, unabhängige Depot-Checks sind sehr sinnvoll. Solche Checks decken die Schwächen eines Wertschriftendepots sowie Interessenskonflikte der Banken schonungslos auf. So finden sich in vielen Depots zu viele bankeigene Anlagefonds sowie Strukturierte Produkte. Beide Arten von Produkten wirken sich negativ auf die Rendite aus. Zudem zeigt ein Depot-Check auch auf, wie man sonst noch unnötige Risiken beim Anlegen vermeiden kann - etwa bei den Gebühren oder bei der Evaluierung einer passenden Anlagestrategie.

Ich bin an Bitcoins interessiert. Was gilt es zu berücksichtigen?

Es lohnt sich, eine Bank zu suchen, die einen sicheren Handel und eine sichere Aufbewahrung anbietet. Immer mehr Finanzinstitute offerieren das. Auch auf spezialisierten Kryptobörsen lassen sich digitale Coins wie Bitcoin, Ether oder Ripple kaufen und aufbewahren. Allerdings ist es schon mehrfach vorgekommen, dass Handelsplätze von Hackern angegriffen und erhebliche Beträge gestohlen wurden. Zudem werden Kryptobörsen bislang nur teilweise durch Aufsichtsbehörden reguliert

3a-Zinskonto – lohnt sich das?

Kaum. Zwar zahlen rund drei von vier Schweizerinnen und Schweizer ihre Vorsorgegelder auf ein 3a-Konto ein. Allerdings wachsen diese Guthaben kaum noch, denn mit den tiefen Zinsen fällt auch der Zinseszinseffekt weg. Lohnenswert sind heute praktisch nur noch günstige 3a-Lösungen mit Wertschriften. Damit nehmen Vorsorgesparer angesichts möglicher Kursschwankungen kurzfristig mehr Risiken in Kauf. Langfristig kann so aber mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich mehr Rendite erzielt werden.

Retrozessionen bei Finanzprodukten – worauf muss ich achten?

Eigentlich ist der Fall klar: Das Bundesgericht hat mehrmals entschieden, dass Retrozessionen ohne Wenn und Aber den Kunden gehören. So werden die Provisionen genannt, welche die Bank kassiert, wenn sie Finanzprodukte vermittelt. Trotzdem müssen Anleger bei vielen Banken auf eine Rückerstattung verzichten, weil dies in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausdrücklich ausgeschlossen wird. Das ist nicht nur unfair, sondern führt oft auch zu Interessenskonflikten. Die Bank erhält so deutlich grössere Anreize, nicht die besten Produkte ihren Kunden zu empfehlen, sondern solche, für die sie die höchste Provision erhält.

Hypotheken – mit welchem Modell fahre ich am besten?

In den letzten Wochen haben die Banken bei den Festhypotheken die Zinsen angehoben. Das heisst aber nicht, dass die Zinswende bereits Tatsache ist. Zum Kerngeschäft vieler Banken gehört das Zinsdifferenzgeschäft. Das heisst: Banken legen kurzfristige Einlagen ihrer Sparer langfristig an - etwa in Festhypotheken. Weil das Geld in diesen Hypotheken viel länger gebunden ist, können die Banken dafür einen höheren Zins verlangen, als sie den Sparern für ihre Einlagen bezahlen. Darum empfehlen viele mittel- bis langfristige Festhypotheken, obwohl es günstigere Modelle gibt. Dazu gehören Geldmarkthypotheken oder ein Mix von Fest- und Geldmarkthypothek.