Frühpensionierung: Was Sie wissen sollten

Eine Frühpensionierung ist nicht billig. Setzt man sich früh genug mit dem Thema auseinander, kann der vorzeitige Berufsausstieg trotzdem gelingen.

 

 

 

So lässt sich die Einkommenslücke überbrücken

Wer früher in Pension geht, muss die Einkommenslücke zwischen der Frühpensionierung und der ordentlichen Pensionierung überbrücken. Am besten eignen sich dazu private Ersparnisse wie zum Beispiel Guthaben in der Säule 3a, die man grundsätzlich bis zu fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters beziehen kann.

Ebenfalls geeignet sind Guthaben aus Kapitallebensversicherungen – vorausgesetzt, sie kommen während der Frühpensionierung zur Auszahlung. Eine vorzeitige Auflösung der Police lohnt sich oft nicht, weil ein Rückkaufsverlust entsteht.

Die AHV-Rente kann man schon ein oder zwei Jahre vor dem regulären Rentenalter beziehen, und die meisten Pensionskassen lassen einen Bezug der Altersleistungen ab 58 oder 60 Jahren zu. Pensionskassen kürzen die Renten von Frühpensionären in der Regel lebenslang um 3 bis 5 Prozent pro Vorbezugsjahr. Wer mit 63 statt 65 in Rente geht, verzichtet demnach auf 6 bis 10 Prozent Rente.

Ein Vorbezug der AHV-Rente um zwei Jahre führt sogar zu einer Rentenkürzung von 13,6 Prozent. Bei einem Vorbezug um ein Jahr sind es 6,8 Prozent. Viele Pensionskassen bieten Frühpensionierten eine Überbrückungsrente an, mit der sie einen Vorbezug der AHV-Rente umgehen können.

Eine weitere Finanzierungsquelle kann auch das Eigenheim sein. Man kann die Hypothek aufstocken und dieses Geld zur Überbrückung der Einkommenslücke verwenden. Viele Banken verweigern älteren Kreditnehmern jedoch wegen der fehlenden Tragbarkeit die Aufstockung der Hypothek, auch wenn sie sich die höhere Hypothek bei den tiefen Zinsen problemlos leisten könnten.

 

Was kostet eine Frühpensionierung?

Die Kosten einer Frühpensionierung mit 64 statt mit 65 Jahren entsprechen etwa einem Jahresgehalt. Es fällt ein Jahreseinkommen weg, bereinigt um die niedrigeren Einkommenssteuern und die AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige, die bis zum regulären AHV-Alter gezahlt werden müssen. Zudem fallen die AHV- und die Pensionskassenrente wegen des Vorbezugs lebenslang tiefer aus.

Lässt sich der alleinstehende Mann in unserem Beispiel mit 64 Jahren frühpensionieren, betragen die Kosten rund 100'000 Franken (siehe Tabelle). Bei einer Pensionierung mit 62 Jahren machen sie fast 300'000 Franken aus.

 

  

PK-Einkauf für die Frühpensionierung

Immer mehr Pensionskassen bieten die Möglichkeit an, eine Leistungskürzung bei einer Frühpensionierung mit freiwilligen Einkäufen auszugleichen. Versicherte, die sich bereits für die vollen ordentlichen Leistungen in der Pensionskasse eingekauft haben, können dann zusätzliche Einkäufe tätigen.

Die zusätzlichen Altersleistungen dürfen die Altersleistungen bei einer ordentlichen Pensionierung allerdings höchstens um 5 Prozent übersteigen. Diese Leistungsgrenze überschreiten Versicherte unter Umständen, wenn sie doch länger arbeiten als geplant. Mit dem Aufschub ihrer Pensionierung zahlen sie nicht nur weiterhin in die Pensionskasse ein, auch ihr Rentenumwandlungssatz fällt höher aus als erwartet.

Fragen Sie Ihre Pensionskasse, was mit dem zu viel einbezahlten Kapital geschieht, bevor Sie diese Einkaufsmöglichkeit nutzen. In der Regel verfällt es zu Gunsten der Pensionskasse.

 

Wie verbreitet ist eine Frühpensionierung?

 

Laut einer Umfrage des VZ VermögensZentrums unter 1588 Personen, die 2018 an den kostenlosen Infoveranstaltungen des VZ zum Thema Pensionierung teilnahmen, zieht knapp die Hälfte der Befragten eine Frühpensionierung in Erwägung. Dass eine Frühpensionierung oft nicht nur ein frommer Wunsch bleibt, zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik: Im Jahr 2016 bezogen 49 Prozent der Neurentner und 43 Prozent der Neurentnerinnen ihre Pensionskassenleistungen vorzeitig. Die AHV-Rente haben lediglich 9 Prozent aller Neubezügerinnen und Neubezüger bereits vor dem gesetzlichen Rentenalter abgerufen. Das dürfte insbesondere daran liegen, dass sich ein AHV-Vorbezug oft nicht lohnt.

 

Teilpensionierung: Die günstige Alternative zur Frühpensionierung

Prüfen Sie eine schrittweise Reduktion des Arbeitspensums, wenn eine Frühpensionierung zu teuer ist, Auf dem Teilzeiteinkommen sind weiterhin AHV-Beiträge fällig. Die Beitragspflicht ist damit oft bereits erfüllt, und es fallen keine zusätzlichen AHV-Beiträge an wie es bei einer vollständigen Frühpensionierung.

Eine gestaffelte Pensionierung kann sich auch steuerlich lohnen, wenn man das Pensionskassenguthaben in Kapitalform bezieht. Bei mehreren Teilbezügen fallen wegen der Steuerprogression insgesamt weniger Steuern an als bei einem einmaligen Bezug des gesamten Kapitals.

Die meisten Steuerbehörden akzeptieren zwei Kapitalbezüge in verschiedenen Jahren. Wer drei oder mehr Bezüge plant, sollte sich von der Steuerbehörde vorgängig bestätigen lassen, dass sie dieses Vorgehen akzeptiert.

Wer sein Arbeitspensum nach 58 reduziert, kann bei manchen Pensionskassen bis zum Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters weiterhin den vollen Lohn versichern, den er bis dahin bezogen hat – sofern er aufgrund des kleineren Pensums maximal 50 Prozent weniger verdient und noch keine Altersleistungen bezieht. Damit fallen die Altersleistungen gleich hoch aus wie ohne Arbeitszeitreduktion.

Der Arbeitgeber muss nur seinen Anteil der Pensionskassenbeiträge auf dem effektiven Lohn übernehmen. Die restlichen Sparbeiträge und die Risikoprämien auf dem fiktiv versicherten Lohnteil zahlt der Arbeitnehmer ein.

So viel kostet eine Frühpensionierung
Beispiel: Alleinstehender Mann, Nettolohn 90'000 Franken, versicherter BVG-Lohn 80'000 Franken
So viel kostet eine Frühpensionierung

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