Corona-Pandemie: Die häufigsten Fragen zu Pensionierung und Vorsorge

Viele Erwerbstätige machen sich Sorgen um ihre finanzielle Zukunft. Zurecht, denn die Corona-Krise setzt die Vorsorge noch stärker unter Druck. Mehrere Tausend Schweizerinnen und Schweizer haben sich deshalb beim VZ VermögensZentrum gemeldet. Hier eine Zusammenfassung der Fragen zu Vorsorge und Pensionierung, die besonders oft gestellt wurden. 

Fragen

 

Die Covid-19-Pandemie hat viele Schweizer Betriebe stillgelegt: Praktisch jeder dritte Arbeitsplatz in der Schweiz ist von Kurzarbeit betroffen. Laut Seco waren Anfang Mai 1,91 Millionen Menschen in 187'000 Betrieben für Kurzarbeit angemeldet.

Viele Erwerbstätige fragen sich, ob die Lohnbeiträge an die Pensionskasse aufgrund des tieferen Lohnes sinken. In der Regel ist das nicht der Fall. Bei Kurzarbeit bekommt man mindestens 80 Prozent des üblichen Salärs. Der versicherte Lohn ändert sich aber nicht, auch wenn der Lohn vorübergehend tiefer ist. Und weil sich die Beiträge nach dem versicherten Lohn richten, bleiben sie gleich hoch.

Gut zu wissen: Auch während der Kurzarbeit darf der Arbeitgeber den Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen vom Lohn abziehen. Netto bleibt bei gleichbleibenden Abzügen also weniger Geld.

Das folgende Beispiel illustriert, was das bedeutet: Eine Frau verdient vor der Kurzarbeit 10'000 Franken pro Monat. Nach Abzügen von 1300 Franken für die Sozialversicherungen bleiben ihr netto 8700 Franken. Wegen der Kurzarbeit wird ihr Lohn auf 8000 Franken gekürzt, die Abzüge bleiben aber unverändert. Solange die Kurzarbeit dauert, werden also nur 6700 Franken pro Monat auf ihr Konto überwiesen.

Achtung: Unabhängig davon müssen viele Pensionskassen ihre Rentenversprechen laufend kürzen. Grund sind die anhaltend tiefen Zinsen und die immer höhere Lebenserwartung. Nehmen Sie das Heft selbst in die Hand, wenn Sie Ihren Lebensstandard im Alter halten möchten.

Merkblatt: So können Sie Ihre Rente retten

Merkblatt: Rente oder Kapital beziehen?

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Oft bieten Arbeitgeber bessere Leistungen in der Pensionskasse als gesetzlich vorgeschrieben, zum Beispiel höhere Sparbeiträge. Seit Ausbruch der Corona-Krise geben viele Pensionskassen den Arbeitgebern nach Absprache mit den Mitarbeitenden die Möglichkeit, die überobligatorischen Sparbeiträge vorübergehend auszusetzen.

Wichtig: Durch diese Massnahme sparen Sie als Arbeitnehmer weniger Geld in Ihrer Pensionskasse an. Allerdings hilft das dem Arbeitgeber, die Kosten kurzfristig zu reduzieren, um dadurch die Arbeitsplätze in der Firma zu erhalten.

Merkblatt: So können Sie Ihre Rente retten

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Die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Laut den Behörden gab es noch nie so viele Kündigungen innert so kurzer Zeit. Trotz Staatshilfe und Kurzarbeit müssen viele Firmen Angestellte entlassen. Eine Befragung der ZHAW bei mehreren hundert Firmen zeigt: Ende April 2020 erachteten mehr als ein Drittel Entlassungen in den kommenden 12 Monaten als wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich.

Die Erfahrung zeigt: Wer mit 55 seine Stelle verliert, bleibt wahrscheinlich längere Zeit oder im schlechtesten Fall für immer arbeitslos. Für die Altersvorsorge kann das gravierende Folgen haben.

Damit die Einbussen nicht zu gross werden, muss man rasch entscheiden, was mit der AHV und der Pensionskasse passieren soll. Nur sehr wenige Pensionskassen bieten die Möglichkeit an, nach der Entlassung versichert zu bleiben – oft zu erschwerten Bedingungen. In der Regel muss man alle Beiträge selbst zahlen, also auch die des Arbeitgebers.

Das können sich nur wenige leisten. Den anderen bleibt nichts anderes übrig, als vorzeitig in Pension zu gehen oder das Guthaben zu beziehen, das sie angespart haben.

Bei den meisten Pensionskassen kann man sich zwischen 58 und 60 vorzeitig pensionieren lassen. Die AHV kann man ein oder zwei Jahre vor 64/65 beziehen. Das sind die Folgen:

AHV: Bei einem Vorbezug um ein Jahr schrumpft die AHV-Rente um 6,8 Prozent, bei einem Vorbezug um zwei Jahre sind es 13,6 Prozent. Meistens lohnt sich das nur, wenn man von einer verkürzten Lebenserwartung ausgeht. Viele Pensionskassen bieten eine AHV-Überbrückungsrente bis 64/65 an. In der Regel muss man diese aber selbst finanzieren oder sich zumindest an den Kosten beteiligen.

Pensionskasse: Die Rente wird meistens um 3 bis 5 Prozent pro Vorbezugsjahr gekürzt. Grund dafür sind die fehlenden Beitragsjahre und Zinsgutschriften. Auch muss die Rente länger ausbezahlt werden, weshalb die Pensionskassen den Umwandlungssatz tiefer ansetzen. Auch die Taggelder der Arbeitslosenversicherung fallen tiefer aus, denn die Arbeitslosenkasse rechnet die Rente als Einkommen an.

Bei einem Vorbezug wird die AHV-Rente lebenslang gekürzt

Beispiel: So entwickelt sich die maximale AHV-Rente, wenn man sie ein oder zwei Jahre vorbezieht; Angaben in Franken (gerundet) 

  Regulärer Bezug Vorbezug 1 Jahr Vorbezug 2 Jahre
Jahresrente in CHF 28'440 26'505 24'570
Kürzung in CHF p.a.   1'935 3'870
Kürzung in % p.a.   -6,8% -13,6%

Wer nach der Entlassung erwerbstätig bleiben möchte, muss das der Pensionskasse schriftlich mitteilen oder eine Anmeldebestätigung der Arbeitslosenkasse vorlegen. Sein Pensionskassen-Guthaben muss man dann beim Austritt aus der Pensionskasse auf ein Freizügigkeitskonto oder auf eine Freizügigkeitspolice überweisen, wenn man noch keine neue Stelle gefunden hat.

Ist die Stellensuche erfolglos, bleibt nur noch der Kapitalbezug, denn man kann sein Pensionskassen-Guthaben nicht mehr als Rente beziehen. Immerhin: Diesen Bezug kann man bis 70 aufschieben (Frauen bis 69), was aus steuerlichen Gründen sinnvoll ist. Denn die Zinsen und Dividendenerträge auf Freizügigkeitskonten müssen nicht als Einkommen versteuert werden und das Guthaben nicht als Vermögen.

Tipp: Oft kann man noch mehr Steuern sparen, wenn man sein Guthaben von der Pensionskasse auf zwei separate Freizügigkeitskonten überweisen lässt und es später gestaffelt bezieht.

Wer weiterhin eine Erwerbstätigkeit anstrebt und nicht auf eine Rente verzichten möchte, sollte prüfen, ob ein Anschluss an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG in Frage kommt. Wichtig: Die Anmeldung muss innert 90 Tagen seit der Erwerbsaufgabe erfolgen.

Merkblatt: Stellenverlust kurz vor der Pensionierung

Merkblatt: Frühpensionierung – das müssen Sie wissen

VZ-Dossier: AHV – gut zu wissen

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Schon vor dem Ausbruch der Pandemie war es alles andere als banal, seine Pensionierung vorzubereiten. Denn es gehören schwierige Entscheidungen dazu, die den Lebensstandard im Alter prägen. Diese Fragen sind jetzt noch dringender geworden.

Grund ist, dass die Pandemie und die bevorstehende Rezession unser Vorsorgesystem zusätzlich unter Druck setzen. Die Krise betrifft die AHV ebenso wie die Pensionskassen und die privaten Geldanlagen – also alle drei Säulen unserer Vorsorge und damit die Renten und das Vermögen aller Schweizerinnen und Schweizer.

Tipp: Nur wer sorgfältig plant, kann schmerzliche Einbussen im Alter noch kompensieren. Klären Sie darum heute, wie Ihre Situation in Zukunft aussieht. Hier finden Sie die wichtigsten Aufgaben im Überblick.

Merkblatt: Checkliste für die Planung der Pensionierung

Merkblatt: So budgetieren Sie Ihre Pensionierung

VZ-Studie: Frühpensionierung

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Angehende Pensionierte lassen sich beim Entscheid für eine Rente oder den Kapitalbezug oft von der aktuellen Lage an den Finanzmärkten leiten. Wenn die Börsenkurse steigen, scheint vielen die Auszahlung des Pensionskassenguthabens attraktiver; sie versprechen sich ein höheres Einkommen als mit der Rente, wenn sie ihr Geld selbst anlegen.

Während einer Börsenkrise hingegen entscheiden sich deutlich mehr dafür, das gesamte Altersguthaben als Rente zu beziehen. Die Auszahlung des Pensionskassenguthabens erscheint vielen in solchen Phasen zu riskant. Sie fürchten sich davor, ihr Vermögen zu verspekulieren und im Alter mit leeren Händen dazustehen.

Bei diesem wichtigen Entscheid verdienen langfristige Überlegungen jedoch viel mehr Gewicht als die aktuelle Börsenlage. Statistisch gesehen leben Männer nach der Pensionierung mit 65 Jahren noch rund 20 Jahre. Frauen können bei der Pensionierung mit 64 noch mit rund 23 Lebensjahren rechnen. Der Anlagehorizont für ihre Vorsorgegelder beträgt also 20 Jahre und länger.

Wenn man sich diesen langen Zeithorizont vor Augen hält, verliert die aktuelle Börsenlage an Bedeutung. Kurzfristige Schwankungen nach oben wie nach unten wirken sich nämlich nur geringfügig auf die langfristige Wertentwicklung aus.

Auch sollte man nicht vergessen: Die Höhe der Rente hängt vom Umwandlungssatz ab, mit dem das vorhandene Altersguthaben multipliziert wird. Ein Guthaben von 100'000 Franken ergibt bei einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent eine Rente von 6800 Franken pro Jahr.

Allerdings machen es die tiefen Zinsen und die Überalterung den Pensionskassen schwer, ihre Leistungsversprechen zu erfüllen. Darum senken die Pensionskassen laufend ihre Umwandlungssätze. Von 2010 bis 2019 sank der durchschnittliche Umwandlungssatz gemäss einer Studie von Swisscanto von 6,74 auf 5,73 Prozent. Mit den Eckwerten im Beispiel unten bedeutet das 5050 Franken weniger Rente pro Jahr. Bis 2023 fällt dieser Satz voraussichtlich auf 5,45 Prozent: Die Rente schrumpft um 6450 Franken oder knapp 20 Prozent.

Sinkende Umwandlungssätze: So gross ist die Renteneinbusse
Beispiel: 65-jähriger Mann; PK-Guthaben 500'000 CHF; Umhüllende Umwandlungssätze: Mittelwerte von über 500 Pensionskassen; PK-Renten in CHF
Sinkende Umwandlungssätze: So gross ist die Renteneinbusse

Quellen: Swisscanto Pensionskassen-Studie 2019, VZ VermögensZentrum

Fazit: Bei den immer tieferen Umwandlungssätzen kann es sich lohnen, einen Teil des Pensionskassengeldes nicht als Rente zu beziehen, sondern als Kapital, das Sie selbst anlegen und Schritt für Schritt verzehren. Das ist eine grosse Verantwortung. Mit dem Ertrag aus der Geldanlage müssen Sie einen Grossteil des bisherigen Einkommens ersetzen.

Erfahrungsgemäss ist das Risiko gross, dass man von einer falschen Rendite ausgeht. Am besten erstellen Sie darum einen Finanzplan, um den Vermögensverzehr gut zu organisieren. Der Plan zeigt, wie sich Einkommen, Ausgaben und Vermögen bis zur Pensionierung und darüber hinaus entwickeln.

Merkblatt: Rente oder Kapital beziehen?

VZ-Studie: Vermögensverzehr im Alter

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Die genauen Folgen der Corona-Krise für die AHV sind zwar noch schwer abschätzbar. Klar ist aber, dass das wichtigste Schweizer Sozialwerk den wirtschaftlichen Einbruch stark zu spüren bekommt.

Die AHV finanziert sich aus Abzügen von den Einkommen der Berufstätigen. Weil die Schweiz wegen der Pandemie in eine Rezession rutscht, gehen diese Einnahmen zurück. Gleichzeitig steigen die Ausgaben, weil mit den Babyboomern mehr Menschen in Pension gehen. Das Defizit wird also grösser – und eine "echte" Reform wird noch dringender.

Tipp: Die meisten werden die Folgen der Krise auf die AHV-Renten kaum zu spüren bekommen. Trotzdem ist es empfehlenswert, sich zu informieren, denn die AHV ist ein komplexes Regelwerk. Die wichtigsten Fragen zur AHV-Rente finden Sie hier.

Merkblatt: AHV und Pensionierung

VZ-Dossier: AHV – gut zu wissen

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Wegen der Pandemie spitzt sich die Lage der Pensionskassen zu – und die Renten sinken weiter. Schuld ist der toxische Mix aus tiefen oder sogar negativen Zinsen, steigender Lebenserwartung, starrem Rentenalter und zu hohen Renten.

Dazu kommen jetzt auch noch die Folgen der Corona-Pandemie: Die Turbulenzen an den Finanzmärkten kratzen an den Reserven der Pensionskassen. Laut einer Studie von Complementa war das Kapitalpolster, das im vergangenen Jahr geschaffen wurde, Ende April vollständig aufgebraucht.

Wie stark die PK-Renten schrumpfen können, zeigt dieses Beispiel: 2002 konnte ein 55-Jähriger mit 45'300 Franken Rente pro Jahr rechnen. Heute sind es nur noch 29'400 Franken – pro Monat sind das 1325 Franken weniger. Weil Zinsen und Umwandlungssätze weiter sinken, schrumpft die monatliche Rente voraussichtlich sogar um 1575 Franken (siehe Tabelle).

Pensionskasse: So stark schrumpfen die Renten
Beispiel: 55-jähriger Mann; versichertes Einkommen: 120'000 Franken; Altersgutschriften 18 Prozent; Guthaben mit 55: 250'000 Franken, davon 125'000 Franken BVG-Obligatorium (Angaben in Franken)
Pensionskasse: So stark schrumpfen die Renten

Tipp: Wer ohne finanzielle Sorgen in Pension gehen will, muss alle Optionen prüfen, um die tieferen Renten auszugleichen:

  • Prüfen Sie eine Früh- oder Teilpensionierung, um Steuern zu sparen und das aktuelle Niveau der Renten mindestens teilweise zu sichern.
  • Bleiben Sie länger berufstätig oder schieben Sie die AHV-Rente auf, wenn Sie noch nicht darauf angewiesen sind. So fällt Ihre Rente lebenslang höher aus.
  • Falls möglich: Zahlen Sie freiwillig in Ihre Pensionskasse und in die Säule 3a ein.
  • Sparen Sie Gebühren, Zinsen und Prämien, indem Sie günstige Finanzdienstleister wählen.

Merkblatt: Rente oder Kapital beziehen?

Merkblatt: Teilpensionierung – so gehen Sie schrittweise in Pension

Merkblatt: Frühpensionierung – das müssen Sie wissen

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Wer auf ein Säule-3a-Konto einzahlt, wird bestraft. Im Schnitt verzinsen Banken 3a-Zinskonten nur noch mit 0,16 Prozent – also noch weniger als 2019. Die Guthaben wachsen kaum noch, denn der Zinseszinseffekt fällt praktisch weg. Berücksichtigt man auch die Inflation, so verliert das Guthaben an Kaufkraft. Das wird sich kaum ändern: Viele Zentralbanken haben ihre Zinsen weiter gesenkt, und die Zinsen dürften noch lange sehr tief bleiben.

Tipp: Wenn Sie steuerbegünstigt für Ihr Alter sparen möchten, setzen Sie heute besser auf eine 3a-Wertschriftenlösung. Kurzfristig kann der Wert des Guthabens zwar ins Negative schwanken, dafür ist die Rendite längerfristig deutlich höher als mit einem 3a-Konto. Wählen Sie mit Vorteil eine passive Lösung mit ETF und Indexfonds.

ETF sind günstig und transparent. Und sie werfen auch dann Erträge ab, wenn die Börsenkurse nicht steigen. Bei ETF, die einen Aktienindex abbilden, sind das zum Beispiel die Dividenden: Allein diese Ausschüttungen sind in der Regel deutlich höher als der Zins auf dem 3a-Konto.

Merkblatt: Tipps zur Säule 3a

Merkblatt: Sparen und Anlegen mit ETF

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Die Kursverluste bei den Aktien treffen auch die Schweizer Pensionskassen. Das belastet die Deckungsgrade teilweise massiv.

Laut einer Complementa-Studie verbuchten die Kapitalanlagen der Pensionskassen in den ersten vier Monaten dieses Jahres eine negative Rendite von minus 3,9 Prozent. Dadurch sinkt der durchschnittliche Deckungsgrad von 107,9 Prozent auf 103,0 Prozent. Die hinzugewonnenen Deckungsgradpunkte aus dem aussergewöhnlich erfolgreichen Anlagejahr 2019 sind damit bereits fast vollumfänglich aufgebraucht.

Es ist zum aktuellen Zeitpunkt fraglich, ob die Altersguthaben im 2020 auf dem Niveau von 2019 verzinst werden können. Denn gemäss BVV2-Bestimmungen dürften Mehrverzinsungen erst gesprochen werden, wenn mindestens 75 Prozent der Zielschwankungsreserven erreicht werden.

Wichtig für Arbeitnehmer ist, dass Pensionskassen seit Jahrzehnten zu den erfolgreichen Anlegern in der Schweiz gehören. Sie haben Erfahrung mit Krisen und werden die Reserven nutzen, die sie in guten Aktienjahren aufgebaut haben.

Zudem richten Pensionskassen ihre Anlagestrategie konsequent auf ein langfristiges Kapitalwachstum aus, ohne Experimente einzugehen. Für angehende Pensionierte kann die Strategie erfolgreicher Pensionskassen eine Orientierung sein, wenn sie ihr Guthaben in der Pensionskasse auszahlen lassen – und es langfristig ertragreich anlegen möchten.

Merkblatt: Anlegen wie eine Pensionskasse

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Die Einführung der Negativzinsen war eine Notmassnahme. Heute sind sie ein Dauerprovisorium. Wegen der Coronakrise könnte eine geldpolitische Normalisierung in noch weitere Ferne rücken. Negative Zinsen belasten das Vorsorgesystem zusätzlich, denn sie verschärfen den Trend zu tieferen Renten: Fehlt der Zins auf dem Altersguthaben, kürzen die Pensionskassen ihre Leistungen weiter.

Auch stellen Negativzinsen die gewohnten Anreize auf den Kopf. Das Sparkonto ist ein Verlustgeschäft. Und Hypotheken sind seit langem extrem günstig – heute müsste man eigentlich sogar etwas dafür bekommen. Solange Hypotheken mit Spargeldern finanziert werden können, bleibt das die Ausnahme. Allerdings: Immer mehr Banken geben die Negativzinsen an die Sparer weiter, und zwar schon ab 100'000 Franken.

Tipp: Jetzt muss man Prioritäten setzen und seine Finanzen in die Hand nehmen. Diese Tipps helfen Ihnen weiter:

Heute müssen Sie mehr Risiken eingehen: Investieren Sie einen Teil der Ersparnisse in günstige ETF und Indexfonds. Vorsicht: Viele Banken bieten Fondssparpläne an. Diese Anlagen sind oft aktiv gemanagt – und das ist deutlich teurer als ein ETF-Sparplan. Nutzen Sie ETF auch für Ihre Säule 3a. Der Wert Ihres Guthabens kann zwar schwanken, dafür ist die Rendite langfristig deutlich höher als auf dem Zinskonto.

Prüfen Sie alle Massnahmen, um die tieferen Renten auszugleichen: Lassen Sie berechnen, wie gross Ihre Einkommenslücke ist. So wissen Sie, wie viel Sie zusätzlich sparen müssen, um Ihren Lebensstandard zu halten. Bei den immer tieferen Umwandlungssätzen kann es sich lohnen, einen Teil des PK-Geldes nicht als Rente zu beziehen, sondern als Kapital, das Sie selbst anlegen und Schritt für Schritt verzehren. Das ist eine grosse Verantwortung. Am besten erstellen Sie darum einen Finanzplan, um den Vermögensverzehr gut zu organisieren. Der Plan zeigt, wie sich Einkommen, Ausgaben und Vermögen bis zur Pensionierung und darüber hinaus entwickeln. Und bleiben Sie länger berufstätig oder schieben Sie die AHV-Rente auf, wenn Sie noch nicht darauf angewiesen sind. So fällt Ihre Rente lebenslang höher aus.

Merkblatt: Negativzinsen und Pensionierung

VZ-Studie: Vermögensverzehr im Alter

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Wegen der Corona-Krise und den sinkenden Renten sind immer mehr Erwerbstätige überzeugt, dass sich freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse nicht mehr lohnen. Zudem parkieren viele Schweizer Haushalte grosse Beträge auf Sparkonten. Oft sind es 50'000 bis 300'000 Franken.

Dieses Geld könnten sie besser für PK-Einkäufe nutzen, denn auf dem Bankkonto verlieren die Ersparnisse langfristig an Wert. Auch lassen sich damit Steuern sparen und Einkommenslücken im Alter vermeiden. Zudem lässt sich mit einem Einkauf dank der Steuerersparnis oft eine interessante Rendite erzielen.

Die Rendite hängt auch von den folgenden Punkten ab, die man vor jedem Einkauf prüfen sollte:

PK-Einkäufe lohnen sich umso mehr, je höher das Einkommen ist und je schneller man das Kapital wieder bezieht. Die höchste Rendite erzielt man mit Einkäufen in den Jahren vor der Pensionierung (siehe Tabelle). Achtung: Wer einen Kapitalbezug plant, muss sich spätestens drei Jahre vor der Pensionierung einkaufen. Sonst zahlt man die Steuern nach, die man durch den Einkauf gespart hat.

PK-Einkauf: je kürzer die Dauer bis zum Kapitalbezug, desto rentabler
PK-Einkauf: je kürzer die Dauer bis zum Kapitalbezug, desto rentabler

Grössere Beträge zahlt man oft am besten gestaffelt ein. Wegen der Steuerprogression ist die Ersparnis meistens grösser, als wenn man die ganze Summe auf einmal einzahlt.

Die Rendite eines PK-Einkaufs ist in der Regel höher, wenn man den freiwillig einbezahlten Betrag nicht als regelmässige Rente bezieht, sondern als einmalige Kapitalleistung auszahlen lässt.

Ab 127'980 Franken Einkommen lohnen sich Einzahlungen in eine Zusatz- oder Kadervorsorge, wenn die Pensionskasse eine separate Stiftung dafür hat. Dort kann man das Geld später unter Umständen getrennt von der Basisvorsorge beziehen – was steuerlich in der Regel ebenfalls attraktiv ist.

Merkblatt: Tipps zum Einkauf in die Pensionskasse

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