Erbe annehmen oder ausschlagen?

Jeder Erbe kann eine Erbschaft ausschlagen, wenn sie überschuldet ist.

Wenn er das nicht innerhalb von drei Monaten tut, seit er vom Tod des Erblassers erfahren hat, gilt das Erbe als angenommen. Der Erbe haftet dann auch für Schulden, die vielleicht erst später zum Vorschein kommen.

Wer keinen Überblick über die finanziellen Verhältnisse des Verstorbenen hat, kann ein öffentliches Inventar verlangen. Auch das öffentliche Inventar nimmt alle vorhandenen Vermögenswerte auf. Zusätzlich wird der aktuelle Verkehrswert ermittelt, und auch die Schulden des Verstorbenen sind im Inventar aufgelistet.

Zu diesem Zweck werden die Gläubiger des Verstorbenen im Amtsblatt oder in einer Tageszeitung aufgerufen, ihre Forderungen anzumelden – in der Regel innert einem Monat. Nach Abschluss des Inventars müssen sich die Erben innerhalb eines Monats entscheiden, ob sie ihr Erbe ausschlagen, es vorbehaltlos oder nur im Rahmen des öffentlichen Inventars annehmen wollen.

In letzterem Fall haften sie nur für Schulden, die im Inventar registriert sind, allerdings nicht nur in Höhe ihres Erbteils, sondern mit ihrem ganzen Vermögen. Statt das Erbe anzunehmen oder abzulehnen, können es die Erben auch amtlich liquidieren lassen. Sie erhalten dann, was nach Abzug aller Schulden noch übrig bleibt.         

Wer sich in eine Erbschaft einmischt, hat das Erbe automatisch angenommen, auch wenn er dies nicht ausdrücklich erklärt hat. Als Einmischung gilt zum Beispiel, wenn ein Erbe einzelne Vermögenswerte oder -gegenstände der verstorbenen Person an sich nimmt, bevor die Erbteilung abgeschlossen ist.

Stellt sich im Nachhinein heraus, dass die verstorbene Person überschuldet war, kann er das Erbe nicht mehr ausschlagen. Wer auch nur den leisesten Verdacht hat, das Erbe könnte überschuldet sein, sollte vorher genau abklären, was er tun darf und was nicht, damit er das Erbe später noch ausschlagen kann.

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