Tiefere Hauspreise wegen Babyboomern?

Peter Ilg, Leiter Swiss Real Estate Institute

Herr Ilg, als Wissenschaftler sind Sie am Puls des Immobilienmarkts: Zeichnet sich eine Blase ab?

Die Nachfrage nach Wohneigentum ist wieder etwas grösser als das Angebot. Darum dürften die Preise in den nächsten zwei, drei Jahren noch leicht steigen. Eine Blase erwarte ich in diesem Segment allerdings nicht: Investoren wie Generalunternehmer nehmen den Bau von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen erst dann in Angriff, wenn sie die Hälfte ab Plan verkauft haben. Das schützt den Eigenheimmarkt vor einer Überproduktion.

Greift dieser Mechanismus auch bei den Mietobjekten?

Nein, hier nehmen die Risiken zu. Mietwohnungen werden in der Regel ja nicht ab Plan vermietet. Mehrfamilienhäuser werden meistens in der Hoffnung gebaut, später die passenden Mieter zu finden. Das führt aktuell zu einer Überproduktion.

Was passiert, wenn die Wohnungsmieten fallen und die Hypothekar­zinsen steigen?

Dann reduziert sich der Bankwert dieser Mehrfamilienhäuser. Das kann dazu führen, dass die Hypothek über 80 Prozent des neuen Bankwerts ausmacht, auch wenn die Liegenschaften vorher nur mit einer ersten Hypothek belehnt waren. In so einer Situation muss man die Hypothek schnell amortisieren. Darum sollten Eigentümer schon heute Massnahmen treffen – zum Beispiel, indem sie genügend liquide Reserven bilden.

Müssen Eigenheimbesitzer damit rechnen, dass ihre Liegenschaften in Zukunft an Wert verlieren?

Kurzfristig eher nicht. Allerdings geht die Generation der Babyboomer jetzt in Pension. Die Erfahrung zeigt, dass sehr viele ihr Eigenheim ab 70 verkaufen – vor allem, weil es zu gross und zu umständlich wird. Mit 75 verkaufen die ersten ihre Eigentumswohnung. Ab 2025 werden darum mehr Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen auf den Markt kommen. Das steigende Angebot dürfte die Preise künftig eher etwas drücken.

Zur Person

Prof. Dr. Peter Ilg leitet seit 2012 das Swiss Real Estate Institute der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und des Schweizerischen Verbands der Immobilienwirtschaft SVIT. Davor war er CFO von Mikron, stellvertretender CFO von SR Technics, CFO von Allreal und Leiter des Group-Controllings der Zurich Financial Services. Nach seinem BWL-Studium an der Uni Zürich stieg Peter Ilg als Wirtschaftsprüfer und Berater bei PwC ein.

Diese Seite teilen