Saron: Fragen und Antworten

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Einer der bisher wichtigsten Referenzzinssätze der Welt ist der Libor (London InterBank Offered Rate). Doch seine Tage sind weltweit gezählt. In der Schweiz wird der Libor bis Ende 2021 durch den Saron abgelöst. Die Swiss Average Rate OverNight, kurz Saron, ist der Zinssatz, zu dem die Banken und Versicherungen bei der Schweizerischen Nationalbank ihre überschüssige Liquidität anlegen oder kurzfristig Geld aufnehmen können.

Der Saron wird von der Schweizer Börsenbetreiberin SIX Swiss Exchange berechnet und publiziert. Gemäss der SIX fliessen täglich rund 110 Transaktionen von 160 Banken und Versicherungen in die Berechnung des volumengewichteten Durchschnittssatzes ein. 

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Der Libor wird täglich von rund einem Dutzend Banken in London festgelegt und für verschiedene Währungen und Zeiträume ermittelt. Beim täglichen "Libor fixing" geben die beteiligten Banken an, zu welchem Zins sie unbesicherte Kredite vergeben haben oder bereit wären, zu gewähren.

Seitdem die Notenbanken die Geld- und Kapitalmärkte mit Geld fluten, ist dieses Verfahren nicht mehr repräsentativ, denn oft gibt es nur wenige oder gar keine echten Transaktionen mehr. Die gestellten Zinsen basieren heute also meist nur auf Abschätzungen der teilnehmenden Banken.

Aufgrund dieser Entwicklung hat die britische Finanzmarktaufsicht entschieden, den Libor nur noch bis Ende 2021 zu unterstützen.

Den Banken dient der Libor unter anderem als Referenz für die Festlegung der Zinsen von Krediten und Hypotheken. Das wohl bekannteste Produkt ist die Geldmarkthypothek, die auch Libor-Hypothek genannt wird. Der Libor muss also schnellstmöglich ersetzt werden.

Zu diesem Zweck hat die Schweizerische Nationalbank eine nationale Arbeitsgruppe (NAG) beauftragt. Seit Ende 2018 steht die Empfehlung der Arbeitsgruppe fest, der Saron (Swiss Average Rate OverNight) soll den Libor ersetzen.

Der Saron hat allerdings einen gewichtigen Nachteil: Er ist ein Übernachtzins, während der Libor Zinsbindungen für drei, sechs oder zwölf Monate umfasst. Dafür basiert der Saron im Gegensatz zum Libor komplett auf echten Transaktionen von 160 Banken und Versicherungen.

Dennoch kann der Saron nicht wie der Libor als Referenz für Drei- oder Sechs-Monatszinsen verwendet werden, wie es insbesondere im Hypothekargeschäft notwendig ist. Die NAG hat deshalb ein Vorgehen ausgearbeitet, mit dessen Hilfe aus dem Übernachtzins ein längerfristiger Satz hergeleitet werden kann: der sogenannte Compounded Saron.

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Wie wird der Compounded Saron berechnet?

Der Saron ist ein Übernachtzins. Für Geldmarkthypotheken sind jedoch längerfristige Kontrakte wie ein, drei, sechs oder mehr Monate notwendig.

Die von der Schweizerischen Nationalbank eingesetzte Arbeitsgruppe (NAG) hat eine Lösung für die Berechnung eines langfristigeren Saron ausgearbeitet und dazu sieben Varianten vorgestellt. Den Banken steht es frei, welche Variante sie anwenden und ob sie diese modifizieren möchten.

Bei sechs der sieben Varianten wird der sogenannte Compounded Saron berechnet. Beim Compounded Saron handelt es sich um einen aufgezinsten Saron, der aus einer Folge von eintägigen Saron berechnet wird. Die Varianten unterscheiden sich massgeblich in der Anzahl der eintägigen Saron und damit in der sogenannten Beobachtungsperiode. Ausserdem finden die Bekanntgabe des Zinses und die Zinsfälligkeit der verschiedenen Varianten zu unterschiedlichen Zeitpunkten statt.

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