Vieles spricht für Schwellenländer

Die Aktienmärkte vieler Schwellenländer haben sich seit Anfang 2009 kräftig erholt. Eine Investition birgt neben Chancen aber auch Risiken.

Es gibt gute Gründe, weshalb sich Anlagen in Schwellenländer langfristig auszahlen könnten. Sechs von sieben Menschen leben in Schwellenländern. Und Jahr für Jahr kommen Dutzende von Millionen hinzu. Um all diese Menschen versorgen und ihre steigenden Bedürfnisse decken zu können, müssen die Staaten ihre Infrastruktur weiter aufbauen. Sie müssen Wohnungen und Strassen bauen und die Energieversorgung und das Gesundheitssystem verbessern. Diese Entwicklung bricht wegen der Krise nicht ab, sie erhält lediglich einen Dämpfer.

Die Emerging Markets waren Ende 2007 bereits für die Hälfte des globalen Wachstums verantwortlich – Tendenz steigend. Dank des Wirtschaftsbooms in vielen Schwellenländern entwickelte sich eine schnell wachsende Mittelschicht. Diese Mittelschicht hat grosse Konsumbedürfnisse. Sie kauft mehr Nahrungsmittel, Kühlschränke, Fernsehgeräte, Autos. War das Wachstum vieler Schwellenländer bisher stark vom Export abhängig, wird die Binnennachfrage künftig zu einem weiteren wichtigen Treiber für die konjunkturelle Entwicklung werden.

Auch die Geld- und Fiskalpolitik diverser Schwellenländer hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Die Inflationsraten sind deutlich gesunken. Viele Staaten weisen positive Haushalte und eine relativ tiefe Staatsverschuldung auf.

Investitionen in Schwellenländer sind allerdings auch mit Risiken behaftet. Die Abkopplung von den Industriestaaten hat bis heute nicht stattgefunden. Eine konjunkturelle Schwäche in den USA, Europa oder Japan trifft demnach auch die Emerging Markets.

Die Aktienmärkte von Schwellenländern schwanken stärker als die Börsen von Industrienationen. Investoren steigen schneller in ihre Märkte ein, aber auch schneller wieder aus. Eine erneute Verschärfung der Krise könnte die Investoren dazu bewegen, sich wieder im grossen Stil aus den Schwellenländern zurückzuziehen.

Die aktuelle Kreditkrise erschwert und verteuert auch Unternehmen in Schwellenländern die Kapitalaufnahme. Das bremst die Investitionstätigkeit. Weil Rohstoffe in US-Dollar gehandelt werden, leiden Rohstoffexporteure zudem unter der momentanen Dollarschwäche. Auch die politischen Risiken sind in den Emerging Markets nicht ausser Acht zu lassen. Die Gefahr einer Regierungskrise mit möglicherweise verheerenden Folgen für die Wirtschaft ist nach wie vor grösser als in entwickelten Staaten.

In den kommenden Quartalen wird ein tieferes, aber immer noch deutlich positives Wachstum erwartet. Für die vier so genannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China rechnen Analysten mit rund 5 Prozent Wachstum. Eine schnelle Rückkehr zum Wirtschaftsboom der Jahre vor der Krise zeichnet sich aber nicht ab.

Die Investition in Schwellenländer sollte über Aktienfonds erfolgen. Die Fonds unterscheiden sich allerdings stark. Während einzelne nur in die BRIC-Staaten investieren, legen andere den Fokus auf eine bestimmte Region wie Südostasien, Südamerika und Osteuropa oder gar auf einzelne Länder.

Der Investor sollte sich vor dem Entscheid für einen bestimmten Fonds über dessen Investitionsschwerpunkt informieren und einen Fonds wählen, der in die bevorzugten Länder investiert. Anleger mit durchschnittlicher Risikobereitschaft sollten maximal 20 Prozent ihrer Aktienanlagen in Schwellenländer investieren.

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