Replikationsarten von ETF

ETF wollen einen bestimmten Index möglichst exakt nachbilden. Dieses Ziel lässt sich auf verschiedene Arten erreichen. ETF-Anleger sollten die wesentlichen Unterschiede zwischen physischer und synthetischer Replikation kennen.

Die Replikationsart gibt an, wie ein passiver Fonds – ein ETF oder Indexfonds – seinen zugrundeliegenden Index nachbildet. Grundsätzlich wird zwischen der physischen (direkten) und der synthetischen (indirekten) Replikation unterschieden. Bei der physischen Replikation wird direkt in die im Index enthaltenen Titel investiert. Diese Replikationsart ist für Anleger leichter nachzuvollziehen als die komplexere synthetische Replikation.

Bei der physischen Replikation gibt es drei Ansätze. Die klassische und einfachste Methode ist die volle Replikation. Dabei enthält das Fondsportfolio alle Indextitel mit exakt den gleichen Gewichtungen wie der Index. Ein voll replizierender Fonds auf den Schweizer Aktienindex SMI beispielsweise kauft die 20 im Index enthaltenen Titel mit exakt derselben Index-Gewichtung.

Allerdings bestehen einige Indizes aus einer deutlich höheren Anzahl Titel (mehrere Hundert oder Tausend) als der SMI. Um die Kosten der Indexnachbildung zu begrenzen, werden bei Produkten auf solche Indizes oft Stichprobenverfahren angewendet. Dabei wird der jeweilige Index nur mit einem Teil der im Index enthaltenen Titel abgebildet. Bei der repräsentativen Stichprobe werden nur die Titel mit der höchsten Gewichtung berücksichtigt und proportional neu gewichtet. Fonds, die eine optimierte Stichprobe anwenden, bestimmen die neuen Gewichtungen anhand statistischer Optimierungsmethoden, um den Index möglichst genau abzubilden.

Synthetische Replikation

Während bei der physischen Replikation nur Titel aus dem zugrundeliegenden Index verwendet werden, kann das Portfolio eines synthetisch replizierenden ETF aus Titeln bestehen, die nicht den im Vergleichsindex enthaltenen Titeln entsprechen. So kann beispielsweise ein synthetischer Rohstoff-ETF Aktien enthalten. Die Indexnachbildung erfolgt mittels eines Tauschgeschäfts, eines sogenannten Swaps: Der ETF-Anbieter tauscht die Rendite seiner Titel gegen die Rendite des abzubildenden Indexes.

Die Gegenpartei eines solchen Tauschgeschäfts ist oft eine Investment Bank. Dabei kommt es zu Gegenparteirisiken, weil die Investment Bank in Konkurs gehen kann. Allerdings dürfen diese Risiken nicht mehr als 10 Prozent des ETF-Vermögens betragen. In der Praxis sind die Gegenparteirisiken allerdings tiefer, und die ETF-Anbieter schützen sich mit hinterlegten Sicherheiten vor einem Konkurs der Gegenpartei oder sie verteilen die Risiken auf mehrere Gegenparteien.

Die synthetische Replikation eignet sich besser, um beispielsweise illiquide Märkte abzubilden. Gewisse Märkte etwa im Rohstoffbereich lassen sich nur synthetisch abbilden.

Auch physisch replizierte ETF können Gegenparteirisiken aufweisen

Bei einem physisch replizierten ETF kann der ETF-Anbieter die Aktien für eine bestimmte Zeit und gegen Sicherheiten an eine andere Partei ausleihen. Er geht dabei das Risiko ein, dass die Gegenpartei die Aktien nicht mehr zurückgeben kann.

Um sich vor Verlusten zu schützen, erhält der ETF-Anbieter von der Gegenpartei Sicherheiten wie andere Aktien, Obligationen und sonstige Wertpapiere. Diese Titel müssen den Wert der ausgeliehenen Aktien übersteigen, von hoher Qualität und sehr liquide sein. Zudem verlangt der ETF-Anbieter von der Gegenpartei eine Leihgebühr, die teilweise dem ETF-Vermögen gutgeschrieben wird und zur Rendite des ETF beiträgt. Damit profitiert auch der Anleger von solchen Wertpapierleihen.

Gemäss der europäischen Fonds-Richtlinie UCITS sowie nach Schweizer Kollektivanlagegesetz darf die Höhe der ausgeliehenen Wertpapiere bis zu 100 Prozent des ETF-Vermögens betragen. In der Praxis ist die durchschnittliche Leihquote aber deutlich geringer. Gewisse ETF-Anbieter beschränken sie beispielsweise auf 50 Prozent, andere schliessen sie ganz aus und wiederum andere garantieren ihren Anlegern, einen allfälligen Verlust auf Grund einer Wertpapierleihe selbst zu tragen.

Ende 2018 wurden rund 75 Prozent aller an der Schweizer Börse SIX erhältlichen ETF physisch und rund 25 Prozent synthetisch repliziert. Während ursprünglich sämtliche ETF physisch repliziert waren, wurden im Laufe der Zeit immer mehr ETF synthetisch aufgesetzt. Vor ein paar Jahren wurden synthetische ETF vor allem wegen ihrer Gegenparteirisiken scharf kritisiert, weshalb in den letzten Jahren vermehrt wieder die physische Replikation angewendet wird und gewisse ETF-Herausgeber von der synthetischen auf die physische Replikation gewechselt haben.

Qualität der Replikation messen

Die Qualität der Indexnachbildung kann sich je nach Replikationsart, aber selbst bei identischer Replikationsart je nach Fonds unterscheiden. Die Qualität der Replikation wird meist anhand des Tracking Error und der Tracking Difference gemessen.

Die Tracking Difference misst den Renditeunterschied zwischen dem Fonds und dem Index, während der Tracking Error die Standardabweichung dieser Renditeunterschiede aufzeigt.

Was Sie über ETF wissen müssen

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