Kurse bewegen sich in Trends

Weil an den Finanzmärkten Menschen Entscheidungen fällen, enthalten Kursverläufe eine gewisse Erinnerung und bewegen sich in Mustern. So entstehen Trends, die eine Zeit lang Bestand haben.

Auf einem klassischen Markt kaufen die Kunden weniger Äpfel, wenn die Preise steigen. Und sie kaufen mehr Äpfel, wenn die Preise sinken. An den Finanzmärkten ist das nicht immer so: Steigt eine Aktie im Preis, kann der Herdentrieb dazu führen, dass weitere Investoren diesen Titel kaufen, weil auch sie mit weiter steigenden Kursen rechnen und sich Gewinne erhoffen. Verkaufen Anleger hingegen eine Aktie, trennen sich weitere Investoren vom Titel, was den Abwärtsdruck erhöht.

Die Fortschritte in der Behavioral Finance haben geholfen, solche Kursentwicklungen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Weil an den Finanzmärkten Menschen Entscheidungen fällen, enthalten Kursverläufe eine gewisse Erinnerung und bewegen sich in Mustern. So entstehen Trends, die über eine gewisse Zeit Bestand haben. Solche Trends können auch dann noch bestehen, wenn sie durch Fundamentaldaten nicht mehr erklärbar sind.

Das Momentum

Starke Aufwärtstrends sind häufig relativ widerstandsfähig gegenüber schlechten Nachrichten. Daraus lässt sich folgern, dass Aktien mit starker Kursentwicklung in der jüngsten Vergangenheit eine interessante Wahl bleiben, solange die Marktgegebenheiten nicht grundsätzlich ändern. Man spricht in diesem Zusammenhang von Momentum. Als Anleger gilt es, dieses Momentum zu nutzen. 

Momentum lässt sich nicht nur an den Finanzmärkten beobachten. Es gibt diverse Lebenssituationen, in denen sich ein solches Fortschreiben einer Stärke- oder Schwächephase beobachten lässt. Zum Beispiel im Sport. Mit Griechenland wurde im Jahr 2004 eine Mannschaft Fussball-Europameister, auf die vor dem Turnier kein Experte ernsthaft gesetzt hätte. Die Mannschaft profitierte von ihrem Schwung und holte sich den Titel gegen Gegner, die als deutlich stärker eingeschätzt wurden. Das griechische Team nutzte ihr Momentum und baute von Spiel zu Spiel mehr Sicherheit und Selbstvertrauen auf. An der nächsten EM war es dann vorbei mit dem Momentum: Griechenland schied bereits in der Vorrunde aus.

Kaufen, was gut läuft

Auch das Momentum einer Geldanlage lässt sich erkennen und für erfolgversprechende Anlagestrategien nutzen. In den 1960er-Jahren versuchte der US-amerikanische Wirtschaftswissenschafter Robert A. Levy, das Verhalten von erfolgreichen Börsenmaklern an der Wall Street nachzuvollziehen. Dabei stellte er fest, dass die besten Händler keine ausgeklügelten Analysen und mathematischen Modelle anwendeten. Sie kauften vielmehr Aktien, die gut gelaufen waren. Erfolgreiche Investoren setzten bereits damals auf das Momentum.

Levy publizierte 1967 einen Artikel im angesehenen Journal of Finance, in dem er dieses Verhalten in einer mathematischen Formel festhielt. Daraus entwickelte sich der interessante Ansatz für eine Investition nach relativer Stärke. Der Begriff "relative Stärke" wird oft mit Momentum gleichgesetzt. 

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