Intelligente Regeln helfen Anlegern, ihr Ziel im Auge zu behalten

Anleger, die sich konsequent an intelligente Regeln halten, investieren weniger aus einem momentanen Impuls heraus. Das erspart ihnen viele Fehlentscheide, sagt Marc Weber, CEO der VZ Depotbank.

Marc Weber l VZ Depotbank

Herr Weber, wegen des schlechten Börsenstarts sind viele Anleger in Liquidität geflüchtet – zu Recht?

Wer Risiken reduziert, liegt sicher nicht falsch. Bargeld bringt aber je länger, je weniger. Es gibt effizientere Möglichkeiten, um sein Depot sicherer zu machen.

Zum Beispiel?

Anleger können sich auf intelligente Regeln stützen, die sie konsequent einhalten. Solche Regeln reagieren flexibel auf positive und negative Markttrends.

Was ist der Vorteil einer solchen Strategie?

Entscheide über den Kauf und Verkauf werden mechanisch nach festen Regeln gefällt – frei von Emotionen wie Gier oder Panik. Das macht es schwieriger, bei jedem Ereignis in die langfristige Strategie einzugreifen. Anleger und Vermögensverwalter schützen sich so vor Fehlentscheiden.

Viele Anleger dürften zögern, ihr Geld einer Art "Maschine" zu überlassen...

Regelbasierte Geldanlagen kann man nicht mit Robotern gleichsetzen: Regeln sind klare Verhaltensanweisungen, die den Anlegern den Weg weisen. Gerade in Stresssituationen ist das hilfreich, um das Ziel im Auge zu behalten. Regeln bewähren sich in vielen Situationen, in denen Übersicht wichtig ist – zum Beispiel im Strassenverkehr, bei der Kindererziehung oder allgemein im Zusammenleben.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Das Rebalancing führt die Gewichtung der Anlageklassen auf die Zielvorgabe zurück, wenn sie zu stark davon abweicht. Andere Regeln ermitteln beispielsweise den Trend oder das Momentum einer Anlage.

Wie reagieren sie in einem volatilen Seitwärtsmarkt?

Kurzfristige Trendbrüche mit schnellen Gegenbewegungen sind eine Herausforderung für Regeln, die auf mittelfristige Trends schauen. In solchen Phasen können sich Käufe und Verkäufe häufen, und das wirkt sich vorübergehend negativ auf die Performance aus. In einem solchen Markt sind passivere Regeln im Vorteil. Jede Regel muss sich immer im Kontext des gewählten Anlagehorizonts bewähren.

Braucht es einen langen Atem für diese Methode?

Ein Portfolio wird idealerweise für mehr als 10 Jahre aufgesetzt. Da ist es unrealistisch, dass jede Regel in jedem Jahr immer richtig liegt. Wichtig ist das durchschnittliche Resultat über die ganze Anlagedauer. Das müssen Anleger immer im Hinterkopf behalten. Wenn die Performance kurzfristig schlecht aussieht, sollten sie nicht gleich ihr langfristiges Konzept hinterfragen.

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