Was sind Faktor-ETF?

Faktor-ETF bilden neuartige Indizes ab, die die Schwachstellen von klassischen Indizes ausmerzen. Faktoren ermöglichen langfristig eine Zusatzrendite zur Rendite des Gesamtmarktes. In der Regel empfiehlt sich für Anleger eine Kombination von klassischen und faktorbasierten Indizes.

Die meisten ETF bilden marktkapitalisierte Indizes ab. Bei diesen Indizes kann die Titelgrösse einen grossen Einfluss auf die Indexzusammensetzung haben. Mit einem Investment in den Weltaktienindex MSCI World beispielsweise ist man den Börsenschwergewichten Apple, Microsoft, Amazon und Facebook gegenüber relativ stark exponiert. Zudem weist dieser Index ein hohes Gewicht an US-Aktien auf.

Alternative zu klassischen Indizes

Als Alternative zu den klassischen Indizes haben in den letzten Jahren verschiedene Indexanbieter vermehrt neuartige Indizes lanciert, sogenannte Faktorindizes. Diese unterscheiden sich darin, dass die Titel anhand bestimmter Merkmale – sogenannten Faktoren – alternativ gewichtet werden. So verhindern beispielsweise die Size-Faktor Indizes des MSCI World die Exponierung der Börsenschwergewichte, indem nur Titel mit einer kleineren Marktkapitalisierung berücksichtigt werden.

Weitere Faktoren sind etwa Value (günstig bewertete Titel), Momentum (Titel mit einem positiven Trend), Qualität (Titel mit soliden Unternehmenserträgen) und Minimum Volatility (Titel mit niedriger Volatilität).

Immer mehr Faktor-ETF im Handel

Faktoren ermöglichen langfristig eine Zusatzrendite zur Rendite des Gesamtmarktes. Diese Zusatzrendite wird oft als Faktorprämie bezeichnet. 

Solche Faktorprämien lassen sich historisch über lange Zeitspannen nachweisen und sind empirisch belegt. Einige dieser Faktorprämien können als Kompensierung für zusätzlich eingegangene Risiken gesehen werden, andere lassen sich durch irrationale Verhaltensweisen von Investoren begründen.

Die Faktorprämien können allerdings auch negativ sein, gerade in einer kürzeren Betrachtungsperiode. Ein langfristiger Anlagehorizont ist deshalb unabdingbar.

Bis heute sind bereits über 300 unterschiedliche Faktoren beschrieben worden, die meisten erst kürzlich. Der Anleger sollte sich gut überlegen, in welche er investieren möchte. Die gewählten Faktoren sollten immer ökonomisch oder intuitiv begründbar sein.

Interessierte Anleger investieren am besten mit ETF oder Indexfonds in Faktorindizes. An der Schweizer Börse werden immer mehr Aktien-ETF lanciert, die sich auf Faktorindizes beziehen.

Faktorindex und klassischer Index

Ein Faktorindex ist beispielsweise der SPI Multi Premia, der sieben Faktoren kombiniert. Die Titel werden so gewichtet, dass jeder Faktor in dem Index gleich stark vertreten ist. Dieser Index ist eine Alternative zu den klassischen, nach Börsenkapitalisierung der Unternehmen gewichteten Indizes wie SMI oder SPI. Anleger, die mit einem Faktoransatz in den Weltaktienmarkt investieren möchten, können dies beispielsweise mit dem ETF auf den MSCI World Diversified Multiple-Factor tun.

Dass eine Investition in Faktoren zu einer Überrendite führen kann, zeigt das Beispiel SPI Multi Premia. Dieser Faktorindex erzielte über eine Periode von fünf Jahren eine jährliche Überrendite von rund 2,4 Prozent gegenüber dem SPI und von rund 3,1 Prozent gegenüber dem SMI (siehe Grafik).

Der Faktorindex SPI Multi Premia hat die Nase vorn
Der Faktorindex SPI Multi Premia hat die Nase vorn

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