Fakten statt Prognosen bei der Geldanlage

Privatanleger, aber auch professionelle Investoren versuchen in der Regel die Zukunft vorherzusagen, bevor sie Kursentscheide fällen. Erfolgversprechend kann aber auch der Blick in die Vergangenheit sein.

Eine Prognose der Entwicklung von Finanzmärkten ist äusserst schwierig, weil Märkte ein soziales System sind, in dem sich Menschen gegenseitig beeinflussen. Trotzdem konzentrieren sich viele Privatanleger und professionelle Investoren bei ihren Investitionsentscheiden fast ausschliesslich auf Vorhersagen. Sie interpretieren Daten zur konjunkturellen Entwicklung, wägen politische Risiken ab und schätzen die Chancen von Unternehmen ein.

Aus solchen unscharfen und mit vielen Fragezeichen behafteten Prognosen leiten sie dann ihre Kauf- und Verkaufsentscheide ab, wobei immer auch Emotionen, Vorlieben und Abneigungen hineinspielen. Sie operieren in einer Umgebung, in der Informationen keinerlei prognostische Aussagekraft besitzen, sagte dazu Daniel Kahneman, Nobelpreisträger für Wirtschaft.

Gesicherte Daten statt Prognosen

Regelbasierte Anlagemodelle verzichten konsequent auf Prognosen. Stattdessen betrachten sie die Vergangenheit, also gesicherte Daten, und leiten daraus einfache Regeln ab, die beim Eintreffen bestimmter Ereignisse automatisch ausgeführt werden.

Ein solches Regelwerk kann zum Beispiel auf dem gut erforschten Momentumseffekt beruhen. Momentum spielt überall dort eine Rolle, wo Menschen im Spiel sind: Auch schwache Fussballmannschaften können starke besiegen, wenn sie "einen Lauf", Momentum, haben. Politische Parteien nutzen ihr Momentum, um Mehrheiten zu gewinnen. Und an der Börse legen die Wertpapiere mit der stärksten Entwicklung in der kürzeren Vergangenheit vielfach auch in der näheren Zukunft an Wert zu, selbst wenn die Analysedaten (Prognosen) eine negative Entwicklung erwarten lassen.

Objektive und einfache Regeln fällen die Entscheide

Die regelbasierte Geldanlage stützt sich auf solche Erfahrungen. Sie beurteilt historische Kursdaten und analysiert Abhängigkeiten: Welche Faktoren hatten in der Vergangenheit welchen Einfluss auf den Kursverlauf einer Wertschrift? Daraus leitet sie objektive und einfache Regeln ab. Diese Regeln fällen Kauf- und Verkaufsentscheide, emotionslos und unabhängig von unsicheren Prognosen.

Bei der Entwicklung geeigneter Regeln gilt der Grundsatz, dass für komplexe Systeme wie den Finanzmärkten einfache und nachvollziehbare Regeln von Vorteil sind. Hoch komplexe mathematische Regelwerke eignen sich nur für einfache Systeme.

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