Anlagestrategien mit Rebalancing

Beim Rebalancing werden die Gewichtungen der Anlageklassen nach klaren Regeln auf die Zielstrategie zurückgeführt, wenn sie zu stark davon abweichen. Das hat mehrere Vorteile gegenüber einer Kaufen-und-Halten-Strategie.

Einer der wichtigsten Schritte im Anlageprozess ist die Definition der Anlagestrategie. Darunter ist die prozentuale Aufteilung der Anlagesumme auf die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien Obligationen, Rohstoffe und Immobilien zu verstehen.

Je nach Gewichtung dieser Anlageklassen ergibt sich für das Portfolio eine höhere oder tiefere Rendite- und Risikoerwartung. Je höher beispielsweise der Aktienanteil ist, desto höhere Kursschwankungen muss der Anleger verkraften. Es ist deshalb wichtig, dass die gewählte Anlagestrategie mit der persönlichen Risikotoleranz übereinstimmt.

Das Rebalancing führt nun dazu, dass die ursprünglich festgehaltene Anlagestrategie langfristig eingehalten wird. Das ist sinnvoll, weil die effektive Gewichtung der Anlageklassen im Verlaufe der Zeit wegen Kursveränderungen deutlich von der definierten Anlagestrategie abweichen kann.

Ein einfaches Beispiel: Angenommen, ein Anleger hat eine ausgewogene Anlagestrategie mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Obligationen und investiert heute seine Anlagesumme von 100'000 Franken in diese zwei Anlageklassen (also je 50'000 Franken).

Nach einem Monat haben die Aktien in diesem Beispiel eine Rendite von plus 10 Prozent erzielt, die Obligationen eine Rendite von minus 10 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt sind also neu 55'000 Franken in Aktien, und nur noch 45'000 Franken in Obligationen investiert sind.

Risikoprofil verändert sich

Durch die Kursentwicklungen der einzelnen Anlageklassen haben sich also die Depotgewichte und somit auch das ursprüngliche Risikoprofil des Depots verändert. Das Depot hat jetzt ein höheres Risikoprofil und somit auch ein höheres Verlustpotenzial als erwünscht.

Beim Rebalancing-Mechanismus werden für jede Anlageklasse obere und untere Bandbreiten definiert. Für die genannte Anlagestrategie könnten diese Bandbreiten zum Beispiel für beide Anlageklassen bei 55 Prozent respektive 45 Prozent liegen.

Sobald eine dieser Bandbreiten erreicht ist, wird das Portfolio automatisch einem Rebalancing unterzogen: Das ursprüngliche Risikoprofil wird wieder hergestellt. In dem Beispiel oben werden deshalb für 5000 Franken Obligationen gekauft und für 5000 Franken Aktien verkauft, so dass wieder die ursprünglich definierte Anlagestrategie mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Obligationen besteht.

Vorteile gegenüber Kaufen und Halten

Wie das Beispiel zeigt, führt ein Rebalancing-Mechanismus zu verschiedenen Vorteilen gegenüber einer Kaufen-und-Halten-Strategie (Buy and Hold):

  • Ausschaltung von Emotionen und subjektiven Einflussnahmen: Die oberen und unteren Bandbreiten definieren, wann eine Anlageklasse gekauft oder verkauft wird. Das schliesst emotionale Anlageentscheide komplett aus.
  • Antizyklisches Verhalten: Anlageklassen mit einer positiven Kursentwicklung werden mit Gewinn verkauft und Anlageklassen mit einer negativen Kursentwicklung zu tieferen Kursen gekauft.
  • Risikoadjustierte Mehrrendite: Mit einem regelbasierten Rebalancing können höhere Renditen bei gleichzeitig tieferem Risiko erzielt werden als bei einer statischen Kaufen-und-Halten-Anlagestrategie.
Anlagestrategien mit Rebalancing-Mechanismen
Anlagestrategien mit Rebalancing-Mechanismen

Diese Seite teilen