Anlagestrategien mit gleitenden Durchschnitten

Gleitende Durchschnitte lösen Kauf- und Verkaufssignale aus, wenn der Trend einer Anlageklasse wechselt. Das hat in einer Krise eine deutliche Reduktion der Verluste zur Folge.

Gleitende Durchschnitte zählen zu den sogenannten Trendfolgeindikatoren. Sie glätten den Kursverlauf einer Anlageklasse oder eines Titels und filtern das in den Tageskursen enthaltene Kursrauschen heraus. Das erlaubt, einen übergeordneten Trend und vor allem den Wechsel von einem Abwärts- in einen Aufwärtstrend oder umgekehrt besser zu erkennen. Regeln mit gleitenden Durchschnitten lösen bei solchen Trendwechseln Kauf- bzw. Verkaufssignale aus. Dank dieser Eigenschaft eignen sie sich vor allem zur Begrenzung von Verlusten in Krisen.

Mit gleitenden Durchschnitten lassen sich sowohl kurzfristige als auch langfristige Trendentwicklungen erfassen. Für ETF-Portfolios eignen sich längerfristige Entwicklungen mit einem Zeithorizont von mehreren Monaten oder gar Jahren. Das reduziert die Zahl der Kauf- und Verkaufssignale und damit die Transaktionskosten.

Einfache gleitende Durchschnitte

Ein einfacher gleitender Durchschnitt wird berechnet, indem man die Kurse einer bestimmten Anzahl Tage zusammenzählt und durch dieselbe Anzahl Tage teilt. Der gleitende Durchschnitt entspricht dem Durchschnittskurs dieser Anzahl Tage. Für längerfristige Trends wird häufig mit 200 Tagen gearbeitet. In einer Krise ermöglichen die Verkaufssignale eine deutliche Reduktion der Verluste.

Generell gilt: Je mehr Tage für die Berechnung des gleitenden Durchschnitts berücksichtigt werden, desto weiter weg vom Kursverlauf verläuft der gleitende Durchschnitt. 

Die Regeln für die Geldanlage mit gleitenden Durchschnitten lauten:

  • Steigt der Kurs über den gleitenden Durchschnitt, erfolgt ein Kaufsignal.
  • Fällt der Kurs unter den gleitenden Durchschnitt, wird ein Verkaufssignal ausgelöst.

Der Nachteil von einfachen gleitenden Durchschnitten liegt in der relativ hohen Häufigkeit von Fehlsignalen. Zu einem Fehlsignal kommt es, wenn der gleitende Durchschnitt einen Kauf oder Verkauf signalisiert, wenig später aber das entgegengesetzte Signal ausgelöst wird. Fehlsignale führen zu Verlusten und unnötigen Transaktionskosten und reduzieren die Rendite der Anlage.

Exponentiell gleitende Durchschnitte

Je mehr Tage für einen einfachen gleitenden Durchschnitt berücksichtigt werden, desto träger reagiert er auf einen Trendwechsel. Er löst bei einem schnellen und heftigen Trendbruch erst mit einer gewissen Verzögerung ein Signal aus. Das hat zur Folge, dass eine Aktie bei einem Kurseinbruch erst verkauft wird, wenn ein Teil der Korrektur bereits vollzogen ist. Und umgekehrt verpasst der Anleger bei einem starken Kursanstieg nach einer Korrektur einen Teil der Erholung.

Dieser Nachteil von einfachen gleitenden Durchschnitten lässt sich mit exponentiell gleitenden Durchschnitten reduzieren. Sie gewichten die Kurse am Ende der Kursreihe bzw. die jüngsten Datenpunkte stärker als jene am Anfang. Die geglättete Linie des exponentiell gleitenden Durchschnitts verläuft bei starken Kursausschlägen näher am Kursverlauf als jene eines einfachen gleitenden Durchschnitts und löst deshalb schneller ein Signal aus.

Beim exponentiell gleitenden Durchschnitt lassen sich die gleichen Regeln ableiten wie beim einfachen gleitenden Durchschnitt: Steigt der Kurs über den gleitenden Durchschnitt, erfolgt ein Kaufsignal, andernfalls ein Verkaufssignal.

Sich kreuzende gleitende Durchschnitte

Hochwertige Kauf- und Verkaufssignale lassen sich auch mit einer Kombination eines kürzeren mit einem längeren gleitenden Durchschnitt erzielen, beispielsweise mit einem über 50 und einem über 200 Tage. Steigt der 50-Tage- über den 200-Tage-Indikator, erfolgt ein Kaufsignal und umgekehrt.

Eine solche Kombination liefert oft zuverlässigere, breiter abgestützte Signale als ein einfacher gleitender Durchschnitt. Allerdings können auch sich kreuzende Indikatoren in Phasen ohne klaren Trend Fehlsignale auslösen, die zu unnötigen Käufen und Verkäufen führen.

Der Schnittpunkt, bei dem der kürzere gleitende Durchschnitt über den längeren steigt, wird oft als Golden Cross (goldenes Kreuz) bezeichnet. Im umgekehrten Fall spricht man häufig von Death Cross (Todeskreuz).

Adaptive gleitende Durchschnitte

Die Zahl der Fehlsignale lässt sich mit einem sogenannten adaptiven gleitenden Durchschnitt senken. Er berücksichtigt nicht eine fixe Anzahl Tage, sondern passt sie dynamisch der Marktentwicklung an: Je stärker die Kurse schwanken, desto mehr Tage werden für den gleitenden Durchschnitt berücksichtigt. Das reduziert die Anzahl Fehlsignale in unruhigen Marktphasen. Bei nur geringen Kursschwankungen liegt dem adaptiven gleitenden Durchschnitt eine geringe Anzahl Tage zugrunde.

Bei adaptiven gleitenden Durchschnitten lassen sich Kauf- und Verkaufssignale auf zwei Arten erheben. Bei der ersten Variante kommt es wie bei den anderen gleitenden Durchschnitten zu einem Signal, wenn der adaptive gleitende Durchschnitt den Tageskurs kreuzt. Bei der zweiten Variante wird nur die Richtung des adaptiven gleitenden Durchschnitts betrachtet. Zu einem Signal kommt es in diesem Fall, wenn der gleitende Durchschnittskurs seine Richtung ändert: Bei einem beginnenden Anstieg wird ein Kaufsignal ausgelöst, beginnt der Kursverlauf des adaptiven gleitenden Durchschnitts zu sinken, ein Verkaufssignal.

Für die Vermögensverwaltung mit Trendfolge hat das VZ intelligente Trendsignale entwickelt, die ideale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für die verschiedenen Anlageklassen liefern. 

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