Aktive und passive Fonds im Vergleich

ETF und aktive Anlagefonds haben mehrere Gemeinsamkeiten und einen grossen Unterschied: ETF wollen die Rendite des Vergleichsindexes möglichst genau abbilden, aktive Anlagefonds wollen sie übertreffen.

ETF gehören zu den Indexfonds. Diese Anlagefonds haben zum Ziel, einen Index wie einen Aktien-, einen Obligationen- und einen Rohstoffindex möglichst genau abzubilden. Indizes gibt es auf sämtliche Anlageklassen, und auf jeden Index lassen sich Indexfonds erstellen.

Der Begriff Exchange Traded Funds, das verbirgt sich hinter der Abkürzung ETF, bedeutet übersetzt "börsengehandelte Anlagefonds". ETF können daher wie Aktien während der Öffnungszeiten der entsprechenden Börse gehandelt werden. Kauf- und Verkaufsaufträge lassen sich telefonisch oder via E-Banking aufgeben und werden – falls keine Limiten gesetzt sind – während der Börsenöffnungszeiten sofort ausgeführt. Die Aufträge können wie bei Aktien mit Zusätzen wie Stop Loss versehen werden. Der ETF-Kurs ändert während eines Handelstages laufend.

Weil ETF in einen Korb von Wertpapieren wie beispielsweise Aktien investieren, haben sie aber auch Eigenschaften, die mit jenen von klassischen Anlagefonds vergleichbar sind. Der Anleger ist über seine Anteile an einem ETF in sämtliche Titel in diesem Wertpapierkorb investiert.

ETF ermöglichen damit eine breite Diversifikation auf einfache und kostengünstige Art. In der Schweiz unterstehen ETF wie klassische Anlagefonds dem Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG). Sie sind rechtlich Sondervermögen und bleiben ebenso wie aktive Fonds bei einem Konkurs des Herausgebers oder der Depotbank im Besitz des Investors.

Unterschiedliche Anlageziele

Der grosse Unterschied zwischen ETF und klassischen Anlagefonds besteht im Anlageziel. Klassische Fonds versuchen eine höhere Rendite zu erzielen als ihr Vergleichsindex. Das bedingt ein Fondsmanagement, das die im Index enthaltenen Wertpapiere laufend analysiert. Der Fondsmanager versucht mit seinem Team Anlagen zu finden, von denen er sich eine Mehrrendite gegenüber dem Benchmark verspricht.

ETF verfolgen dieses Ziel nicht. Sie wollen den zugrunde liegenden Index – ihren Basiswert – lediglich eins zu eins, also passiv, abbilden. ETF werden deshalb häufig auch als passive oder passiv verwaltete Fonds bezeichnet, im Unterschied zu den herkömmlichen aktiv verwalteten Fonds. Weil ETF auf ein teures Management verzichten können, sind ihre Gebühren tiefer als jene von klassischen Anlagefonds.

Beschränktes Risiko auf deutliche Minderrendite

Weil ETF die Rendite des Vergleichsindexes nachbilden, geht der ETF-Anleger ein geringes Risiko ein, eine deutlich schwächere Rendite zu erzielen als der Vergleichsindex. Die Rendite-/Risikostruktur eines ETF entspricht grundsätzlich jener des Basiswerts.

Die Wertentwicklung von zwei ETF auf denselben Index ist deshalb praktisch identisch und unterscheidet sich auch kaum von der Rendite des Vergleichsindexes. Im Unterschied dazu können aktive Fonds eine Mehrrendite gegenüber dem Index erzielen, aber auch eine deutliche Minderrendite (siehe Grafik).

Aktive und passive Anlagefonds im Vergleich
Aktive und passive Anlagefonds im Vergleich

Viele aktive Fonds erreichen ihr Ziel nicht, ihren Vergleichsindex nach Abzug sämtlicher Kosten zu übertreffen. Das belegen Dutzende von Untersuchungen weltweit. Einzelne Fonds erzielen zwar tatsächlich eine Mehrrendite gegenüber dem Vergleichsindex, andere verpassen die Benchmark-Rendite aber deutlich. Die wichtigsten Schlussfolgerungen der Studien zur Rendite von aktiven Fonds lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Einem Grossteil der Manager von aktiven Fonds gelingt es nicht, den Vergleichsindex nach Kosten zu übertreffen. Das betrifft praktisch alle Anlageklassen und Marktphasen.
  • Für Anleger ist die Suche nach den wenigen erfolgversprechenden Fonds äusserst schwierig, weil die besten Fonds der Vergangenheit nicht unbedingt auch künftig die besten sein werden.
  • Je länger ein Anleger einen aktiven Fonds hält, desto eher verpasst dieser Fonds die Indexrendite.
  • Die Mehrrendite der erfolgreichen Fonds ist kleiner als die Minderrendite der schwachen Produkte.

Für einen Privatanleger bedeutet das:

  • Je mehr aktive Fonds er hält, desto unwahrscheinlicher ist, dass er gegenüber ETF eine Mehrrendite erzielt.
  • Je länger er die aktiven Fonds hält, desto unwahrscheinlicher ist, dass er gegenüber ETF eine Mehrrendite erzielt.

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass es sich für Privatanleger nur in Ausnahmefällen lohnen kann, in aktive Anlagefonds zu investieren, weil Privatanleger meist nicht über die notwendigen Kenntnisse und Tools verfügen, um aus dem riesigen Fonds-Universum die erfolgversprechenden Fonds zu filtern. Das Risiko, auf einen schlechten Fonds zu setzen und die Rendite des Indexes zu verpassen, ist zu hoch. Mit ETF gehen Anleger dieses Risiko nicht ein.

Was Sie über ETF wissen müssen

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