Unternehmensbewertung: Das sollten Sie wissen

Die Wissenschaft schlägt eine ganze Reihe von Methoden für die Unternehmensbewertung vor. Das Resultat kann je nach Methode sehr unterschiedlich ausfallen.

Eine Unternehmensbewertung ist ein wichtiger Schritt im Rahmen der Nachfolgeregelung und die beste Basis für Preisverhandlungen. Auch wer sein Unternehmen an einen Nachfolger innerhalb der Familie übergeben und alle Nachkommen finanziell gleichstellen möchte, sollte den Marktwert kennen. Eine Unternehmensbewertung kann zudem erforderlich sein, wenn zum Beispiel Mitarbeitende am Unternehmen beteiligt werden oder wenn es um die Festlegung von Ausgleichszahlungen im Rahmen des Ehe- oder Erbrechts bei Tod oder Scheidung geht.

Die Wissenschaft schlägt eine ganze Reihe von Methoden zur Berechnung des Unternehmenswerts vor. Die Resultate der verschiedenen Bewertungsmethoden können weit auseinanderklaffen, wie das Beispiel aus der Beratungspraxis des VZ in der Grafik unten zeigt. Darum ist es wichtig, dass erfahrene Fachleute die Resultate richtig interpretieren und sich so einem realistischen Wert annähern, der dann als Basis für die Preisverhandlungen dient. Dazu muss man die Gegebenheiten der jeweiligen Branche, der finanzierenden Banken und der Investoren kennen.

Je nach Methode fällt der Wert des Unternehmens anders aus
Beispiel: Produktionsunternehmen mit 15 Mitarbeitenden; Angaben in Franken
Je nach Methode fällt der Wert des Unternehmens anders aus

Nachfolgend sind die fünf Methoden, die bei Schweizer KMU am häufigsten angewendet werden, sowie ihre Vor- und Nachteile kurz beschrieben:

Substanzwert-Methode: Der Wert entspricht dem Eigenkapital, bereinigt um die stillen Reserven und die latenten Steuern. Für die Bewertung ist nur die Bilanz relevant. Der Substanzwert bildet oft eine Preisuntergrenze: Bei einem tieferen Preis kann die Liquidation des Unternehmens lukrativer sein.

Ertragswert-Methode: Der Wert wird allein aus dem nachhaltig erzielbaren Gewinn hergeleitet. Für die Bewertung ist die Erfolgsrechnung relevant.

Praktiker-Methode: Diese Methode ist eine Mischung aus Substanz- und Ertragswert-Methode (oft im Verhältnis 1:2). Für die Bewertung sind Bilanz und Erfolgsrechnung relevant.

Discounted-Cashflow-Methode: Der Wert ergibt sich aus den effektiven, nachhaltigen Geldströmen, die dem Unternehmen zufliessen oder aus dem Unternehmen abfliessen. Für die Bewertung sind Bilanz und Erfolgsrechnung relevant, denn beide liegen der Berechnung des Cashflows zugrunde.

Multiplikatoren-Methode: Anhand von Vergleichsunternehmen werden Rückschlüsse auf den Wert des Unternehmens gezogen. Multiplikatoren werden vor allem über die Grössen Umsatz, EBIT und EBITDA berechnet.

Die gängigsten Bewertungsmodelle im Überblick
Die gängigsten Bewertungsmodelle im Überblick

Warum eine professionelle Unternehmensbewertung wichtig ist

Unternehmer setzen den Wert ihrer Firma oft zu hoch an, weil sie von den Mitteln ausgehen, die sie über die Jahre investiert haben – nämlich Zeit, Geld und Mühe. Oder sie unterschätzen den Wert, weil sie nicht wissen, wo sie mit ihren Geschäfts- und Finanzzahlen im Branchenvergleich stehen.

Unternehmer machen zudem oft den Fehler, die Vergangenheit stärker zu gewichten als die Zukunft. Spätestens wenn Verhandlungen über den Preis oder eine Finanzierung anstehen, sind aber vor allem die zukünftigen Gewinne und Geldströme relevant. Die Einschätzung der künftigen Ertragskraft unter Berücksichtigung von Investitionen und einer damit verbundenen Finanzierung ist sehr komplex und immer auch mit Unsicherheiten behaftet, die in einer Bewertung angemessen berücksichtigt werden müssen.

Die Erfahrung zeigt, dass falsche Preisvorstellungen einen geplanten Verkauf zum Scheitern bringen können. Darum sollten Inhaber den tatsächlichen Wert ihrer Firma zusammen mit erfahrenen Spezialisten ermitteln.

Unternehmen analysieren und Abschlüsse bereinigen

Eine Unternehmensbewertung berücksichtigt in der Regel die Geschäftszahlen der letzten drei bis fünf Jahre. Die Bewertung sollte sich nicht allein auf die vorliegenden Jahresabschlüsse abstützen, weil sie in der Regel aus steuerlicher Sicht optimiert sind und den Geschäftsverlauf daher nur unzureichend abbilden. Um die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu beurteilen, müssen die Geschäftszahlen bereinigt werden.

Diese Bereinigung macht auch die stillen Reserven und damit die latenten Steuern darauf sichtbar. Auf dieser Basis können Inhaber den Bezug von Dividenden und nicht betriebsnotwendigen Mitteln so planen, dass sie steueroptimal ins Privatvermögen überführt werden. Gleichzeitig können sie die Firma "leichter" und so attraktiver für den Verkauf machen.

KMU-Bilanz: stille Reserven sichtbar machen
KMU-Bilanz: stille Reserven sichtbar machen

Zur Vorbereitung einer Bewertung gehört es auch, das Unternehmen zu analysieren: Was sind die wichtigsten Treiber des Geschäfts und wo liegen die Risiken? Das sind wichtige Informationen für potenzielle Käufer. Wer sein Unternehmen nicht unter Wert verkaufen will, sollte ungenutztes Potenzial ausschöpfen und Risiken abbauen.

Erwirtschaftet das Unternehmen zum Beispiel den Grossteil seines Umsatzes mit einem einzigen Produkt oder in einem einzigen Markt? Das Risiko ist kleiner, wenn das Unternehmen breiter aufgestellt ist, und entsprechend höher ist der Wert des Unternehmens. Sind Eingriffe sinnvoll, um den Unternehmenswert zu erhöhen oder herabzusetzen? Infrage kommen zum Beispiel die Anpassungen von Abläufen oder die Ausscheidung einzelner Vermögenswerte, die für den Betrieb nicht notwendig sind.

Merkblatt: Eine Firma richtig bewerten

Wie Sie das VZ bei der Nachfolgeregelung unterstützen kann

Diese Seite teilen