Kreditversicherung: Wenn Kunden nicht mehr zahlen

Die Kreditversicherung springt ein, wenn Kunden die ausstehenden Rechnungen nicht mehr zahlen können. Der Mehrwert dieser Versicherung liegt vor allem in der Bonitätsprüfung Ihrer Kunden.

Was, wenn Sie den Namen eines Grosskunden in der Rubrik Konkurseröffnung entdecken? Das dürfte nicht nur Ihrem Finanzchef schlaflose Nächte bereiten – vor allem, wenn die letzte Lieferung noch unbezahlt ist.

Dazu ein kleines Zahlenspiel: Bei einer Nettomarge von 5 Prozent ist ein Mehrumsatz von 1,2 Millionen Franken nötig, um einen Ausfall von 60’000 Franken auszugleichen, denn ein solcher Verlust ist mit gängigen Versicherungen nicht gedeckt.

Forderungsausfälle absichern – aber wie?

Die Kreditversicherung tritt an die Stelle von Schuldnern, die zahlungsunfähig werden – sei es infolge eines Konkurses, wenn die Mehrheit der Gläubiger einem Liquidationsvergleich zugestimmt haben, oder wenn eine Betreibung ergebnislos verlaufen würde, weil nachgewiesenermassen keine Aktiven mehr vorhanden sind.

Voraussetzung für diesen Schutz ist natürlich eine entsprechende Versicherung. Eine Kreditversicherung wandelt ein unkalkulierbares Debitorenrisiko in eine kalkulierbare Versicherungsprämie um. Die Kosten für einen solchen Versicherungsschutz sind abhängig vom individuell ausgestalteten Deckungskonzept.

Darüber hinaus hängen sie von Faktoren ab, die nur zum Teil  beeinflussbar sind. Zum Beispiel von der Branche, den versicherten Ländern, den Zahlungsmodalitäten, Umsatzvolumen, Vorschäden und der Bonität der Käufer. Das gesamte Delkredererisiko kann man allerdings nicht überwälzen: Die Deckungsquote ist auf höchstens 90 Prozent beschränkt, und es kommen verschiedene Selbstbehalte zur Anwendung.

Schadenminderung

Mit seiner Erfahrung kann der Kreditversicherer auch in einem weiteren schwierigen Feld Unterstützung leisten, nämlich bei Problemen mit der Fakturierung im Ausland. Die Inkasso-Spezialisten seiner Schadenabteilung können viel zu einer Schadenminderung beitragen, schliesslich gehört das Wissen um die lokalen Vorschriften und Gesetze zu seinem Kerngeschäft. Darüber hinaus zeigt sich auch immer wieder, dass die Kenntnis von Sprache, Sitten und Gebräuchen eine gütliche Lösung mit ausländischen Schuldnern entschieden erleichtert.

Schadenverhütung

An erster Stelle steht jedoch eindeutig die Schadenverhütung: Der Kreditversicherer überprüft die Solvenz aller wichtigen Kunden seiner Versicherungsnehmer. Dank dieser Informationen kann sich schon beim Abschluss einer Kreditversicherung zeigen, dass einige Abnehmer nur gegen Vorauszahlung beliefert werden sollen.

Diese Prüfung erfolgt fortlaufend während der gesamten Vertragsdauer. Verschlechtert sich die Zahlungsfähigkeit eines Kunden, wird der Versicherungsnehmer umgehend informiert. Er muss dann mit einer Reduktion der versicherten Kreditlimite rechnen, oder die Deckung für Ausstände des betreffenden Kunden fällt sogar ganz weg.

Finanzkrise trifft die Kreditversicherer hart

Die Verluste im Finanzbereich  schmälern die Eigenkapitalbasis der Versicherer empfindlich. Gleichzeitig fällt ein wichtiger Ertragspfeiler weg, weil die Gewinne auf den versicherungstechnischen Rückstellungen ausbleiben. Die Schadenquote steigt seit letztem Herbst steil an, weil sich Debitorenausfälle häufen. In der Folge haben die Kreditversicherer die Obergrenze der versicherbaren Ausstände massiv gesenkt.

Grosse Kreditversicherer haben systematisch Limiten gekürzt, auch in laufenden Versicherungsverträgen. Einzelne haben die Limiten wesentlich stärker reduziert als andere, oder sogar aufgehoben. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie heute ist das Bedürfnis nach einer tragfähigen Kreditversicherung jedoch besonders gross.

Fazit

Der grösste Nutzen einer Kreditversicherung ist die Bonitätsprüfung. Im Vergleich dazu sind die Versicherungsleistungen im Schadenfall eher sekundär.

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