Die Versicherten direkter an der Performance beteiligen

Ein neues PK-Modell senkt das Risiko einer Unterdeckung und erlaubt es Unternehmen, die Höhe der Vorsorgeverpflichtungen genauer zu berechnen und die Rückstellungen tief zu halten.

Das Schweizer PK-System basiert auf dem Prinzip, dass Überschüsse aus guten Jahren Verluste aus schwachen Jahren wettmachen. Eine rasch wachsende Zahl von Versicherten kann eine PK  jedoch in eine finanzielle Schieflage bringen. Denn neu eintretende Mitarbeitende bringen zwar 100 Prozent ihrer Leistungsansprüche, aber keine Schwankungsreserve mit in die PK. 

Das hat zur Folge, dass die Reserven der PK auf mehr Personen verteilt werden müssen. Damit sinkt die Möglichkeit der Kasse, Risiken einzugehen, die es oft erst erlauben, die gesetzliche Minimalverzinsung von aktuell 2 Prozent zu erwirtschaften.

Um eine Überperforman­ce zur Äufnung der Schwankungsreserve zu erzielen, wäre es aber nötig, kalkuliert Risiken einzugehen, zum Beispiel mit einem höheren Aktien­anteil. Dieses System kann sich negativ auf eine Pensionskasse und damit auf das Unternehmen auswirken.

Der Deckungsgrad war deutlich gefallen

Das hat SAPension, die PK der SAP Schweiz, in den Jahren 2000 bis 2003 erlebt: Ihr Deckungsgrad fiel von annähernd 105 Prozent auf 86,3 Prozent. Und dies, obwohl SAPension die meiste Zeit mehr als die Mindest­verzinsung erwirtschaftete.

Der Grund: Die Belegschaft des Schweizer Ablegers des deutschen Soft­wareherstellers wuchs in dieser Zeit jedes Jahr um mehr als 20 Prozent. Für alle diese zusätzlichen Mitarbeitenden musste SAPension auch die Schwankungsreserve alimentieren.

Die erforderliche Sanierung belastete auch die Erfolgsrechnung der SAP und erlaubte der Pensionskasse nur eine minimale Zinsgutschrift. SAP Schweiz wandte sich in dieser Situation an das VZ, das bereits seit Längerem die SAP-Vorsorgestiftung verwaltete.

Zusammen mit dem initia­ti­ven Stiftungsrat, unter dem Vorsitz des SAP-Finanzchefs Thomas Scherr, entwickelte das VZ eine massgeschneiderte Vorsorge­lösung. Neu sind die Versicherten direkter an der Performance – also an Verlusten und Gewinnen – beteiligt. Dadurch konnte SAPension ihre kollektive Wertschwankungsreserve von 11 auf 5 Prozent senken.

Individuelle statt kollektive Schwankungsreserven

Neu führt SAPension für jeden Mitarbeitenden zwei Konten; ein Sparkonto und ein individuelles Überschusskonto. SAP übernimmt 70 Prozent der gesamten PK-Beiträge. Die Summe der individuellen Überschusskonten ersetzt die kollektive Schwankungsreserve. SAPen­sion garantiert den Saldo auf dem Sparkonto.

So funktioniert das SAP-Modell
So funktioniert das SAP-Modell

Dieser umfasst die Sparbeiträge, die ein Arbeitnehmender leistet, und den Beitrag des Arbeitgebers in gleicher Höhe (bei SAPension je 30 Prozent der Altersgutschriften). Ebenfalls auf das Sparkonto kommen die Mindestverzinsung gemäss BVG, Freizügigkeitsleistungen ehemaliger Arbeitgeber sowie individuelle Einkaufsbeträge des Versicherten.

Auf das Überschusskonto fliessen die restlichen 40 Prozent des Arbeitgeberbeitrags sowie der Anlageerfolg nach gesetzlicher Mindestverzinsung des BVG-Obligatoriums – dies kann in schlechten Jahren auch ein Minusbetrag sein. Das individuelle Überschuss­konto kann nie mehr als 25 Prozent des Gesamtgut­habens ausmachen.

Auch wenn die Versicherten stärker an der Performance partizipieren, ist die Einhaltung der gesetzlichen Mindestreserve jederzeit gewährleistet. Jeder Versicherte nimmt dagegen seine persönliche Schwankungsreserve mit, wenn er aus der PK ausscheidet. Bei herkömmlichen Kassen fällt sie in die kollektive Wertschwankungsreserve.

Das Risiko von Unterdeckungen ist markant tiefer

Das neue Modell ist viel weniger anfällig auf Unterdeckungen; damit werden Sanierungsmassnahmen un­­nötig. Das ist vor allem für Unternehmen interessant, welche die Rechnungs­legungsvorschriften nach IFRS oder US-GAAP anwenden. Sie können die Höhe der Vorsorgeverpflichtungen genauer kalkulieren und die Rückstellungen deutlich tiefer halten.

Das Risiko einer Unterdeckung sinkt, weil Aktiven und Passiven in der Bilanz der PK den gleichen Schwankungsfaktoren unter­liegen. Und weil die PK weniger zurücklegen muss, kann sie einen grösseren Teil des Anlageertrags an die Versicherten weitergeben.

Das neue Modell entspricht dem Beitragsprimat, ohne die gesetzlichen Absicherungsnormen zu vernach­lässigen. Die Transparenz erhöht sich. Bei herkömm­lichen Pensionskassen entscheidet der Stiftungsrat über die Performance­gutschriften und hat dabei vor allem den Denkungsgrad im Auge. Im SAP-Modell erfolgt die Ertragsbetei­ligung nach vorgegebenen Richt­linien. Jeder Versicherte kann ausrechnen, was ihm aufgrund der Performance zusteht.

«Eine der besten PK-Lösungen, die es in der Schweiz gibt»

Gespräch mit Thomas Scherr, Finanzchef SAP Schweiz

Herr Scherr, Sie haben das neue PK-Modell Anfang 2010 eingeführt. Wie kam es bei den Mitarbeitenden an?

Wir haben den Systemwechsel von langer Hand vorbereitet und viel Zeit in die Aufklärungsarbeit investiert. Die Versicherten haben verstanden, dass das neue Modell für sie praktisch nur Vorteile bietet.

Welche Vorteile sind das?

SAPension bietet den Versicherten die Chance auf noch bessere Leistungen im Alter. Sie partizipieren direkt an den Kapitalmarkterträgen – was auch ein Nachteil sein kann. Ein wichtiger Vorteil ist, dass Versicherte keine Schwankungsreserven in der PK lassen, wenn sie die Stelle wechseln. Und auch die Anlagestrategie, der Anlage­erfolg und die Zuteilung auf die individuellen Konten werden transparenter.

Garantiert SAPension nur noch das gesetzliche Minimum?

Weit mehr als das: Wir garantieren den Saldo auf dem Sparkonto, das neben dem gesetzlichen Minimum auch einen bedeutenden Teil der überobligatorischen Vorsorge umfasst. Lediglich der Saldo auf dem Überschusskonto ist nicht garantiert.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit dem neuen Modell gemacht?

2010 können wir den Versicherten 4 Prozent Zins gutschreiben, was in Anbetracht der konservativen Anlagestrategie überdurchschnittlich ist. Im alten Modell wären es rund 1,5 Prozent weniger gewesen.

Bekommen Sie Reaktionen auf den Systemwechsel?

Das SAP-Modell findet in der Pensionskassenwelt grosse Beachtung. Das zeigen die zahlreichen Nach­fragen von Stiftungs­räten und Fachleuten. Ich bin überzeugt, dass SAPension den Versicherten eine Vorsorge bietet, die zum Besten gehört, was es derzeit in der Schweiz gibt.

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