Geldanlagen

Starker Franken hat auch positive Folgen

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat beim Euro-Wechselkurs die «Verteidigungslinie» von 1,05 Franken längst aufgegeben. Doch was heisst das für die Unternehmen - und was für die Anleger?

Rolf Biland

Chief Investment Officer

Zum ersten Mal seit fast sechs Jahren notiert der Schweizer Franken gegenüber dem Euro wieder unter der Marke von 1,04 Franken – und damit unter die «Verteidigungslinie» der Schweizerischen Nationalbank (SNB). 2015 hatte die SNB den Aufschwung des Frankens provoziert, da sie den damaligen Mindestkurs zum Euro von 1.20 Franken aufgehoben und Negativzinsen eingeführt hatte (siehe Grafik).

Dieses Mal sind es andere Umstände, die dem Franken Auftrieb verleihen. Seit vergangenem Jahr entwickelt sich vor allem der Euro schwach – nicht nur gegenüber dem Franken, sondern auch dem Dollar. Das hat vor allem mit den unterschiedlichen Zinserwartungen zu tun. Während die US-Notenbank Fed angesichts der stark gestiegenen Inflation mit bis zu drei Zinsschritten in diesem Jahr entgegenwirken will, hält sich die Europäische Zentralbank (EZB) mit solchen Ankündigungen zurück. Diese Erwartungshaltung übt auf die Gemeinschaftswährung Druck aus.

Von dieser Konstellation profitiert die Schweiz insofern, dass eine starke Währung Importe günstiger macht. Das ist einer der Gründe, weshalb in der Schweiz in den vergangenen Monaten die Inflation nicht steil nach oben gestiegen ist wie etwa im Euroraum oder in den USA. Zudem haben die Schweizer Unternehmen in den vergangenen Jahren gelernt, mit einer festen Heimwährung umzugehen. Sie hat die Zeit seit 2015 genutzt, um sich noch fitter zu trimmen, um mit der ausländischen Konkurrenz wettbewerbsfähig zu bleiben. Das ist auch für Anleger, die in Schweizer Aktien investiert sind, eine gute Nachricht.

Viele Firmen profitieren auch davon, dass sie sowohl im Ausland produzieren und verkaufen. Auf der anderen Seite stehen jedoch die Unternehmen, die hauptsächlich in der Schweiz produzieren und ihre Produkte im Ausland verkaufen – wie etwa die Uhrenindustrie. In diesem Fall geht eine Aufwertung des Frankens direkt zulasten der Margen, da bei der Produktion kurzfristig kaum Kosten eingespart werden können.

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SNB mit tiefroten Zahlen zum Jahresabschluss: Unter dem starken Franken leidet auch die Buchhaltung der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Für das Schlussquartal 2021 dürfte die Notenbank einen Verlust von über 20 Milliarden Franken einfahren. Das ist darauf zurückzuführen, dass ein Grossteil der Finanzanlagen der SNB in ausländischen Währungen gehalten wird. Dem gegenüber steht allerdings ein Gewinn von 41,4 Milliarden Franken aus den ersten neun Monaten des Jahres. Somit dürfte die Maximalzahlung der SNB an Bund und Kantone von rund 6 Milliarden Franken kaum gefährdet sein.

US-Industrie verliert an Schwung: Zum Jahresende hat die amerikanische Industrie bei ihrem hohen Wachstumstempo an Geschwindigkeit eingebüsst. Das lag unter anderem an den weiterhin belastenden globalen Lieferproblemen. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) sank im Dezember um 2,4 auf 58,7 Punkte. Damit liegt der Index, der die Zuversicht der Unternehmen spiegelt, noch immer über der Schwelle von 50 Punkten, die auf Wachstum hindeutet.