Pensionierung

"So muss mein Wissen nicht in Pension"

Als Krisenmanager des BAG wurde Daniel Koch zum Gesicht der Pandemie. Heute ist er pensioniert. Hier erklärt "Mr. Corona", warum er sich auch jetzt noch "hauptberuflich" mit der Krise beschäftigt.

Portrait von Daniel Koch

Herr Koch, Sie wurden mitten in der Coronakrise pensioniert und mussten quasi von hundert auf null runterfahren. Fällt man da nicht in ein Loch?

Nein, das kommt vielleicht noch (lacht). Am Schluss war alles sehr improvisiert, und ich hatte kaum Zeit, um mich vorzubereiten. Vielleicht bin ich auch darum in Anzug und Krawatte in die eiskalte Aare gesprungen – das war ein symbolischer Abschluss.

Diese Aktion ging viral. Vermissen Sie es nicht, mit dem Bundesrat in der Öffentlichkeit zu stehen?

Nein, das Rampenlicht fehlt mir nicht. Gestört hat es mich aber auch nicht. Ich war immer motiviert, weil es um mein Fachgebiet ging. Das liebe ich! Nur die Aufmerksamkeit auf der Strasse war gewöhnungsbedürftig. Die Leute waren aber immer sehr nett, und viele bedanken sich noch heute. Wegen der Maske werde ich nicht mehr so oft erkannt.

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Genau betrachtet sind Sie gar nicht richtig pensioniert …

Das stimmt. Die Pensionierung war mehr ein Übergang zu einem neuen Job in meinem Fachgebiet. Ich bekam viele Anfragen für eine Beratung. Und wie man das bei uns so macht, habe ich eine Einzelfirma gegründet, damit alles seine Richtigkeit hat mit den Steuern und Sozialabgaben. Heute unterstütze ich Firmen, Vereine und Behörden dabei, Sport- und Kulturprojekte so zu planen, dass sie trotz Corona funktionieren können. So muss mein Fachwissen nicht in Pension gehen.

Also keine Zeit, um abzuschalten?

Jetzt kann ich machen, was ich will. Ich trainiere viel, damit ich für die Lauf-Rennen mit meinen Hunden bereit bin, wenn sie wieder stattfinden.

Und so oft es geht, besuche ich meine Enkelin, meine Töchter und Freunde. Auch darum lasse ich mich oft testen. Ich hoffe, das machen die meisten so. Wir sollten das Mögliche tun, um niemanden anzustecken.

Sind Sie froh, dass Sie vor der zweiten Welle aufhören konnten?

Das würde ich nicht so sagen. Es ist schon eine Erleichterung, wenn man nicht mehr die Verantwortung trägt. Zum Glück bin ich über die Jahre in meine Verantwortung hineingewachsen. Und mit der Bewältigung der Pandemie beschäftige ich mich auch heute noch quasi hauptberuflich.

Kann man sich auf so eine Verantwortung vorbereiten?

Ich glaube nicht. Man kann sie nur tragen.

Sie sagten früh, dass Corona länger dauern wird. Was kommt noch?

Das Virus wird nicht verschwinden, aber wir werden einen normalen Umgang damit finden, so wie mit anderen Krankheiten auch. Ich bin überzeugt: Bald wird uns das Thema kaum noch beschäftigen.

Zur Person

Daniel Koch wuchs in Biel auf und studierte in Bern Medizin. Er hat zwei erwachsene Töchter. Viele Jahre lang arbeitete er für das Internationale Rote Kreuz, auch in Krisengebieten. 2002 wechselte er ins Bundesamt für Gesundheit (BAG), wo er bis zu seiner offiziellen Pensionierung die Abteilung Übertragbare Krankheiten leitete.